Flüchtlingssolidarität

Flüchtlingssolidarität

80 Corona-Fälle in Mytilini (Lesbos) - Auflösung aller Flüchtlingslager!

Die Regionalvertretung Emscher-Lippe der Solidaritäts- und Hilfsorganisation "Solidarität International" wendet sich mit einer Erklärung zur besorgniserregenden Entwicklung der Corona-Infektionen auf der griechischen Insel Lesbos an Presse und Öffentlichkeit.

Von Solidarität International
80 Corona-Fälle in Mytilini (Lesbos) - Auflösung aller Flüchtlingslager!
Flüchtlingscamp bei Mytilini auf Lesbos (Foto: mabusalah / Pixabay)

„Seit März 2020 ist unsere Gruppe von Solidarität International aktiv für die Soforthilfe der Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos, für die Auflösung der Camps und für eine menschenwürdige Unterbringen der Flüchtlinge hier und dort und wir haben wichtige Verbindungen ins Camp aufgebaut.“ So Marlies Schumann von Solidarität International (SI) Emscher-Lippe.

 

Seitdem wurden bundesweit von SI 72.436 Euro (Stand 24.8.202) Spenden im Rahmen des Solidaritätspaktes gesammelt, der zwischen „OXI!“, der Selbstorganisation der Flüchtlinge sowie griechischen Bewohner auf Lesbos/Griechenland im Lager Moria, und „Solidarität International“ in Deutschland geschlossen wurde.

 

Die Selbstorganisation der Flüchtlinge hat seither viele Teams im Lager Moria aufgebaut, die den Kampf gegen Corona und für Sauberkeit und Bildung führen. Eines dieser Teams, das Moria Corona-Aufklärungsteam, schrieb am 28. August auf seiner Facebook-Seite: „Jetzt mehr als 80 (!) Fälle von Coronainfektion in Mytilini. Die Krankenhausbetten sind voll und erst gestern gab es 22 neue Fälle. … In den Medien von Stonisi heißt es, die Pandemie sei außer Kontrolle geraten, und wir sind sehr, sehr besorgt um die Zukunft des Lagers Moria.“

 

Diese Sorge ist sehr berechtigt und wir müssen ... unsere Forderung nach Auflösung aller Flüchtlingscamps, ob auf den griechischen Inseln oder hier in Deutschland, bekräftigen und den Widerstand verstärken. Michalis Aiwaliotis, unser Partner des Solidaritätspaktes, schrieb uns ganz aktuell:

 

„Zum Glück haben wir es (das Virus) auf dem Lager noch nicht, aber das ist nur eine Frage der Zeit und dann hätten wir ein Fiasko und ein weiteres Zeugnis der menschenverbrecherischen EU-Asylpolitik. … Statt das Lager zu schließen und aufzulösen und den Menschen eine menschenwürdige Unterbringung zu geben, wird von der griechischen Regierung und der EU dies noch ausgebaut. … Das macht die Menschen wütend und eine solche Politik fördert die Spaltung.“

 

Auch Inselbewohner protestieren für die Aufösung der Lager, wie vor einigen Tagen, als in der Nähe von Moria eine Klinik eingeweiht wurde. In diesem Zusammenhang brachen bei Moria wieder verschiedene Feuer aus. Michalis Aiwaliotis dazu: „Es waren nicht die Insulaner, deren Protest berechtigt war, die das Feuer gelegt haben. Es ist inzwischen nachgewiesen worden, dass es faschistische Kräfte waren.“

 

Hier wie auch in Deutschland versuchen faschistische Kräfte, die Bevölkerung gegen die Flüchtlinge aufzubringen und als Ursache aller Übel darzustellen, statt die reaktionäre Politik anzugreifen, die Flucht und Armut hervorbringt. Auch die Flüchtlinge des Moria Corona-Aufklärungsteams wenden sich in ihrem Statement vom 28. August gegen die Politik der EU, dort heißt es:

 

„Man lässt uns hier warten, bis es (das Virus) uns erreicht, nur weil Europa beschlossen hat, dass man die Menschen auch an einen Ort bringen kann, an dem es keine Chance für Isolation oder soziale Distanzierung gibt. Und warum? Was haben wir falsch gemacht? Wir haben nur versucht, Krieg, Folter und Unterdrückung zu entkommen. Aber heute scheint dies wie ein Verbrechen zu sein.“


Wir rufen dazu auf, weiterhin die Petition zu verbreiten und zu unterschreiben „Corona: Flüchtlinge aus Hotspots retten – Abschiebungen stoppen – Sofort!“ ... und weitere Ideen zu entwickeln, wie der Protest für die Auflösung der Camps verstärkt werden kann, damit sie Wirklichkeit wird.