Brasilien

Brasilien

Beschäftigte beim Flugzeugbauer Embrear streiken

Seit dem 3. September streiken die Kolleginnen und Kollegen des viertgrößten Flugzeugbauers weltweit gegen die 2.500 Entlassungen und Super-Gehälter der Vorstände. Der Streik begann, nachdem 900 Kollegen ihre Entlassungsschreiben bekamen.

Korrespondenz
Beschäftigte beim Flugzeugbauer Embrear streiken

1.600 gehen bereits "freiwillig" über Abfindungen. Die Firma zahlt 100.000 R$ an 46 Privilegierte und 50.000 R$ an 127 Chefs pro Monat; ein Vorstand hat sogar 2 Mio R$ pro Monat. Die Metallarbeitergewerkschaft von São José dos Campos & Region veröffentlichte einen Hinweis, dass das brasilianische Recht die Entlassung von Streikenden verbietet.

 

Nach dem Streikbeginn, der bei einem Treffen im Hauptquartier in São José dos Campos beschlossen wurde, berief die Firma eine Kommission ein. Gewerkschaftsmitglieder stellten ihre Forderungen vor: keine Kündigungen / Entlassungen, Arbeitsplatzstabilität und Lohnausgleich. Embraer versprach daraufhin, am Freitag auf diese Fragen zu antworten (4.9.). Diesen Freitag (4.9.) hielten Arbeiter eine virtuelle Versammlung ab, um die Richtung des Streiks zu bestimmen. „Die Entscheidung wurde bereits von den Arbeitern getroffen und wird Embraer vorgelegt. Die Auslösung des Streiks ist ein großer Schritt im Kampf um die Verteidigung von Arbeitsplätzen“, sagt der Direktor der Metallgewerkschaft, Herbert Claros.

 

Embraer begründete den Schritt mit den Folgen der Covid-19-Pandemie für die Weltwirtschaft. So dürfte sich der weltweite Passagierverkehr kurz- und mittelfristig nicht von der Krise erholen. Im ersten Halbjahr lieferte Embraer deshalb 75% weniger Verkehrsflugzeuge aus als 2019. Das Unternehmen stellt neben Regionaljets unter anderem Geschäftsreise- und Militärflugzeuge her.

 

Im Zuge der Krise war auch die mehrheitliche Übernahme von Embraers Regionalflugzeugsparte durch den US-Konzern Boeing (Zivilsparte) geplatzt. Um das Geschäft als eigenständigen Bereich abzuspalten, hatte Embraer nach eigenen Angaben Doppelstrukturen aufgebaut, die jetzt wegfallen. Boeing hatte den bereits vereinbarten Deal mit Embraer Ende April abgesagt und dies mit "letztlich erfolglosen" Verhandlungen über die Bedingungen der Übernahme begründet. Embraer hatte daraufhin rechtliche Schritte gegen den US-Konzern angekündigt. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus will wegen der Corona-Krise weltweit rund 15.000 Arbeitsplätze vernichten. Boeing hat angekündigt, die Zahl seiner Beschäftigten um rund zehn Prozent zu reduzieren, was ungefähr 16.000 Stellen entsprechen würde.

 

Im September 2019 wurden streikende Embrear-Kollegen vor dem Tor von durch die Firma gerufene "Spezial-Polizei", angegriffen; einige wurden verletzt. Weltweite Solidarität verhinderte Schlimmeres und diese Härte und Kampfmoral der Kollegen (in den USA und Brasilien) brachte den "Deal" mit Boeing zum Platzen!