Gastbeitrag der russischen RKRP

Gastbeitrag der russischen RKRP

„Die Arbeiterklasse von Belarus ist in Gefahr“

I. Ferberow, Leiter der Ideologischen Kommission des Zentralkomitees der Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKRP) hat einen Kommentar zu den aktuellen Ereignissen in Belarus verfasst (Auszüge):

„Die Arbeiterklasse von Belarus ist in Gefahr“
(grafik: RKRP)

... Fast alle Analysten, mit Ausnahme der wirklichen Propagandisten des Kreml, sind sich einig, dass die russische Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs steht. Jeder versteht ..., dass sie durch die erzwungenen Maßnahmen zur Schließung von Industrien und anderen Bereichen der Wirtschaft während der Quarantänemaßnahmen schwer getroffen wurde. Es gibt einen faktischen Lockdown der Unternehmen, echte Bankrotte, jeweils begleitet von einem beispiellosen Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Zerstörung wirtschaftlicher Beziehungen sowohl innerhalb des Landes, als auch und insbesondere mit dem Ausland. All dies hat sowohl die Produktion als auch andere Industriezweige weit (um nicht zu sagen tief) zurückgeworfen. Zurückgeworfen wurde dabei ebenfalls der Wohlstand einer großen Mehrheit der Menschen, einschließlich eines Zusammenbruchs in der Zahlungsfähigkeit und Nachfrage. …

 

Tatsächlich stellt sich die Frage: Wenn die Monopole nur reicher geworden sind, warum steht dann die Wirtschaft vor dem Kollaps? Die Sache ist die, dass sich die Folgen der Krisenerscheinungen in diesem Fall nicht sofort zeigen. Sehen Sie: Eine Reihe von Kleinbetrieben ging in Konkurs, die zum größten Teil die Großindustrie mit Komponenten und Baugruppen belieferte. Jetzt arbeiten diese großen Unternehmen mit Lagerbeständen, die nur noch bis zum Herbst ausreichen können. Und was dann? Zweitens ist die Großproduktion auch Bestandteil der Produktionskette verschiedener Güter, aber das Ende dieser Kette ist in jedem Fall der Verkauf von Gütern an den Verbraucher. …

 

Putin und seine Umgebung (oder vielmehr die Klasse, der er dient) spüren deutlich die Gefahr, die ihnen aus einer sozialen Eruption droht. Deshalb brauchen sie dringend eine neue "Heimkehr der Krim", damit die Menschen ihnen wieder zujubeln und sie unterstützen. Und einen besseren Weg als die Vereinigung mit Belarus kann man sich nicht ausdenken.

 

Putin versucht seit langem, Lukaschenko davon zu überzeugen, der Vereinigung unserer beiden Länder zuzustimmen. Oder faktisch der Einverleibung von Belarus durch den russischen Imperialismus. Gleichzeitig wäre das Problem des 24. Jahres (der nach der Verfassungsreform maximalen Amtsdauer eines Präsidenten, Anm. d. Über.) gelöst. Diese Variante wurde ernsthaft diskutiert und ins öffentliche Bewusstsein gerückt, damit Putin im Sattel bleiben und den vereinigten Staat führen kann. …

 

Wenn russische Kapitalisten die Kraft und Unverfrorenheit aufbringen, Belarus zu erobern, es zu verschlingen, dann werden alle sozialen Errungenschaften, die es dort noch gibt, vernichtet werden. Die Produktion wird zerstört, die Betriebe werden geplündert. Ein bedeutender Teil der Arbeiterklasse wird ins Lumpenproletariat übergehen. Die noch verbleibenden demokratischen (bürgerlich-demokratischen) Freiheiten werden mit Füßen getreten werden. Mit anderen Worten, es wird in etwa dasselbe passieren, als wenn die Kräfte des Maidan dort die Macht übernehmen würden. Die russischen Oligarchen werden neue Leckerbissen bekommen, und sie werden Putin doch noch nicht ersetzen wollen. Denn momentan hätten viele von ihnen nichts dagegen, ihn zu ersetzen. Den, der fällt, noch zu stoßen... Und dann stellt sich plötzlich heraus, dass er nicht fällt.

 

So zeigt sich, dass der belarussischen Arbeiterklasse buchstäblich von allen Seiten Gefahr droht. Sowohl von der Seite des prowestlichen Maidan mit seinem Nationalismus und dem Erstarken profaschistischer Elemente, als auch von der Seite eines wütenden Lukaschenko, der die Arbeiter sich nicht zu ihren Demonstrationen gegen ihn selbst versammeln lässt, und von Seiten des russischen Imperialismus. Rundherum Feuer und Flammen.

 

Es gibt nur einen Weg zur Erlösung: den tatsächlichen Kampf für die eigenen Klasseninteressen, die Selbstorganisation für diesen Kampf. Und vor allem – das Bewusstsein für die Notwendigkeit und Einzigartigkeit dieses Weges. Und die Aufgabe von ... den russischen Kommunisten – ist es, unseren belarussischen Brüdern bei dieser Bewusstseinsbildung behilflich zu sein. Behilflich zu sein sowohl organisatorisch, wie sozusagen auch technisch. Und am besten – durch eigenes Vorbild.