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IG-Metall-Delegiertenversammlung mit Paukenschlag

Am 8. September hat eine denkwürdige Delegiertenversammlung der IG Metall Wolfsburg stattgefunden. Bei der Wahl zur Ersten Bevollmächtigten fiel die Kandidatin der Ortsverwaltung, Ricarda Bier, mit nur 45 von 192 gültigen Stimmen mit Pauken und Trompeten durch.

Korrespondenz
IG-Metall-Delegiertenversammlung mit Paukenschlag
"Gewerkschaften - Kampf statt Co-Management" wird von der MLPD schon seit ihrer Gründung vertreten (rf-foto)

Das war auch eine Niederlage für Bernd Osterloh, VW-Konzernbetriebsratschef, der ihre Wahl ausdrücklich unterstützt hatte.

 

Die Nichtwahl von Bier kam laut Presse „völlig überraschend“. Tagesschau.de hatte sogar wenige Stunden vor der Wahl bereits „wegen eines Übermittlungsfehlers“ berichtet, Bier sei gewählt worden und musste das dann richtigstellen.¹

 

Tatsächlich war Ricarda Bier, bisher kommissarische Erste Bevollmächtigte, seit Monaten umstritten. In den letzten Wochen gab es eine wachsende Kritikbewegung in der IG Metall Wolfsburg, die unter der Überschrift „Neuauflage der IG Metall Wolfsburg“ einen neuen Stil in der Ortsverwaltung, mehr innergewerkschaftliche Demokratie, eine offene und angstfreie Streitkultur, etc. forderte. Das ist tatsächlich ein Novum und ein Ausdruck davon, das sich das gewerkschaftliche Bewusstsein vieler Mitglieder gefestigt hat.

 

Das Wahlergebnis bringt insbesondere auch Kritik am Kurs und Stil von Bernd Osterloh zum Ausdruck, dessen Co-Management weiter nach rechts rückte und der offen Konzerninteressen und die Vernichtung von Arbeitsplätzen als alternativlos vertritt.

 

Mit 76 Prozent der Stimmen wurde der erst auf der Versammlung vorgeschlagene Gegenkandidat Flavio Benites, zum Ersten Bevollmächtigter gewählt. Er ist seit Jahren mit Unterbrechung in der Ortsverwaltung Wolfsburg tätig und war u. a. für internationale Arbeit zuständig. Im Dezember 2017 hatte er den damaligen Kampf der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in Wolfsburg zumindest in Worten unterstützt.

 

Ob er aber als langjähriges Mitglied der Ortsverwaltung Wolfsburg für den erhofften Kurswechsel in der IG Metall Wolfsburg steht, ist fraglich. Es wird in erster Linie von den Kolleginnen und Kollegen selber abhängen, wie sich die Kritik an der Co-Management-Politik der IG-Metall-Führung durchsetzt, und wie sie mit kleinbürgerlich-reformistischen Illusionen fertigwerden.