Gelsenkirchen

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Tribunal gegen Arbeitsplatzvernichtung

Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Branchen und Werken kamen am 12. September 2020 in den Räumen des alevitischen Vereins zusammen. „Dieses Tribunal hat den Horizont geweitet“, resümiert Toni Lenz, sachkundiger Einwohner von AUF Gelsenkirchen im Wirtschaftsausschuss.

Pressemitteilung von AUF Gelsenkirchen
Tribunal gegen Arbeitsplatzvernichtung
Kämpferischer Protest gegen die Schließung von Geldbach in Gelsenkirchen (Foto: AUF)

„Es brachte Arbeiter unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalität, Festangestellte, Leiharbeiter, Minijobber, Arbeitslose, Geflüchtete zusammen. Es war eine sehr faktenreiche Bilanz und Anklage, wie in der Region nach kapitalistischer Logik zehntausende Ausbildungs- und Arbeitsplätze vernichtet wurden, die vor allem der Jugend fehlen. Seit 2007 wurden 30% der Lehrstellen abgebaut. Nur ca. 58.000 Menschen in Gelsenkirchen haben noch eine Vollzeitstelle.“

 

Kollegen aus den Betrieben berichten von jahrelanger Hinhaltetaktik, wie Druck auf sie ausgeübt wurde, wie die Logik des kleineren Übels verbreitet wurde, wie in Salamitaktik Werke geschlossen wurden, wie mit dem Co-Management der IG Metall-Führung und einigen aus der Ortsverwaltung mit den Firmenbossen ermöglicht wurde, dass Entlassungen und Stilllegungen kampflos über die Bühne gehen.

 

Jan Specht, Stadtverordneter von AUF Gelsenkirchen, kritisierte das lähmende Gift, das die SPD in den letzten Jahrzehnten dabei allzu oft verbreitete, auf Verhandlungen orientierte und falsche Hoffnungen schürte. Ihm ist wichtig: „Arbeiter egal welcher Nationalität müssen gleich behandelt werden.“

 

Gerd Labatzki, 48 Jahre Schweißer bei Küppersbusch und langjähriger Vertrauensköprerleiter der IG Metall, trug die Hauptanklage vor. Er schlussfolgerte: „Der Kampf um das Brot, das in der Küche fehlt, wird in der Küche nicht entschieden. Wenn wir erfolgreich um die Zukunft der Arbeiter und der Jugend kämpfen wollen, dann müssen wir raus auf die Straße und mit unseren Kollegen dieser Klassenzusammenarbeitspolitik mit den Konzernen eine klare Absage erteilen!“

 

Die Anklageschrift wurde mit vielen Erfahrungen und Details ergänzt und erweitert, viel Stoff für die weitere Arbeit. Einstimmig wurde beschlossen, dieses Tribunal in nächster Zeit in größerem Rahmen durchzuführen. Das gemeinsame Resümee am Schluss: Diese Stadt hat es verdient, dass gekämpft wird - um Arbeits und Ausbildungsplätze, und eine Zukunft der Arbeiter ohne diese Ausbeutung, Erpressung und Unterdrückung!