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Betriebsversammlung Daimler Marienfelde unterbrochen

Bereits vor der außerordentlichen Betriebsversammlung am 24. September wurde vor drei Werkstoren die Solidaritätserklärung der MLPD Berlin-Südost gegen die angedrohte Schließung des Südwerkes verteilt. Darin heißt es unter anderem: „Wir sind uns sicher, dass ein Streik für den Erhalt aller Arbeits- und Ausbildungsplätze große Solidarität und Unterstützung finden wird.“

Korrespondenz
Betriebsversammlung Daimler Marienfelde unterbrochen
(foto: Enslin (CC BY-SA 3.0))

Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost sollen im Daimler-Werk in Marienfelde mittelfristig von den derzeit 2500 Arbeitsplätzen lediglich 600 bis 700 übrig bleiben.

 

Auf der Versammlung eierte der Werksleiter herum: Man würde sich bemühen, man müsste sich neu orientieren, plaplapla, aber das Werk bliebe bestehen. Der neue IG-Metall-Bevollmächtige Jan Otto gab sich teils kämpferisch. Unter anderem sagte er, dass Daimler zu spät den Absprung vom Verbrenner geschafft hat und die Zellfertigung für E-Autos in Deutschland stattfinden soll: „Wir werden unsere Stimme erheben“. Am Schluss bewarb er sich um das Verhandlungsmandat, um auf Standortebene das Beste für das Berliner Werk herauszuholen und sich dafür einzusetzen. Dafür wurde eiligst - mit dem Taxi - gerade noch zur Unterbrechung der Betriebsversammlung das dann in Szene gesetzte Transparent angeliefert. „Unser Werk, unsere Arbeit, unsere Familien, Tradition bewahren, Zukunft machen!“, stand darauf geschrieben.

Doch eine Zukunft für die Daimler-Arbeiter kann es nur im Kampf gegen die Standortspaltung geben.

Ein Kollege prangerte das Verbrennen fossiler Energie an. Und er machte deutlich, dass die Kapitalisten die Verantwortung dafür haben, dass die Umwelt schon heute weitgehend zerstört wurde. Er würde lieber umweltfreundliche Transportmittel produzieren, statt Luxusautos für die Reichen. Er sei der Auffassung, „dass wir uns mit aller Kraft dagegen wehren müssen, dass unsere Umwelt und unsere Existenz für den unermesslichen Reichtum der Aktionäre geopfert werden soll.“. Statt mit den Leitbildverhandlungen darauf zu setzen, ein bisschen was für den eigenen Standort herauszuholen, plädierte er für einen konzernweiten Streik und Kampf um jeden Arbeitsplatz. Diesen Klärungsprozess gilt es jetzt auszutragen, nachdem die außerordentliche Betriebsversammlung nicht beendet, sondern unterbrochen wurde.