Stuttgart

Stuttgart

Deutliche Kapitalismuskritik in vielen Gesprächen - in den offiziellen Reden Fehlanzeige

Unter dem Motto „Kein Grad mehr!“ war für den 25. September auch in Stuttgart von Fridays-for-Future zum Klimastreiktag aufgerufen worden. Es kamen vorwiegend Studenten, weniger Schüler, einige junge Familien mit Kindern und Rentner.

Korrespondenz

Die Umweltgewerkschaft, Solidarität International, Internationalistisches Bündnis und die MLPD waren gut sichtbar mit Transparenten, Fahnen und offenem Mikrofon, Liedern und Parolen dabei. Einige Kollegen von Daimler in Arbeitskleidung vertraten mit ihren Schildern den Standpunkt: Umweltkampf und Kampf um jeden Arbeitsplatz gehören zusammen. In diesem Sinne nahm auch ein Kollege am offenen Mikrofon Stellung und erklärte, dass alle gemeinsam gegen die Entlassungspläne bei Daimler und für die Schaffung von Arbeitsplätzen kämpfen müssem, auch durch notwendige, dem Umweltschutz dienende Aufgaben wie der Umstellung auf den Brennstoffzellenantrieb, das vollständige Recycling der Fahrzeuge usw.

 

Die MLPD verteilte eine Extra-Ausgabe der Stadtzeitung Tatsach´, die gegen die „Kriegserklärung“ des Daimlervorstandes nicht nur an die Belegschaft, sondern auch an die Umweltbewegung, ausführlich Stellung bezog und den Aufruf des Jugendverbands REBELL zur Demo bekannt machte. Einige Exemplare des aktuellen Rote Fahne Magazins und ein Buch "Katastrophenalarm!" wurden verkauft.

 

Auffällig ist, dass das „Orgateam“ in Stuttgart in den Monaten der "Corona-Pause" seine reaktionäre Vereinheitlichung auf die Unterordnung von FFF unter die bürgerliche Umweltpolitik eher gefestigt hat. Gleich nach der Begrüßung wurde von der Moderation mit Blick auf die MLPD gesagt, dass sie sich von jedwedem sichtbaren Parteisymbol ausdrücklich distanzieren. Das wurde von den eingesetzten Ordnern auch aktiv gegen uns durchzusetzen versucht, allerdings ohne Erfolg.

 

Eine Folge der opportunistischen Anpassung an diese Linie ist, dass keine Parteien und politischen Verbände mit ihren Fahnen und Transparenten kommen und auch nicht mobilisieren und außer einigen selbst gemalten Schildern keine Transparente zu sehen waren. Ganz anders allerdings treten die bürgerlichen Umweltverbände wie BUND und karitative Organisationen wie Caritas und Diakonie mit ihrem professionell produzierten, teilweise überdimensionalen Materialien in Erscheinung. Also ist die Botschaft: wenn organisiert arbeiten, dann in solchen Verbänden.

 

Im Gegensatz dazu, dass in sehr vielen unserer Gespräche Einheit bestand, dass die Umweltkatastrophe im Kapitalismus nicht zu lösen ist, war eine Kritik am kapitalistischen System in den Kundgebungsreden nicht zu hören. Eine Schlussfolgerung für die Veränderung dieser Bewegung ist, das wir unsere Anstrengungen verstärken, die antikapitalistische Plattform zu organisieren und dass die Arbeiterbewegung sich auch mit ihren Organisationsfahnen verstärkt beteiligt.