Corona-Infektion

Corona-Infektion

„Wir sprechen unsere Empörung darüber aus, wie mit dieser Situation umgegangen wird“

Die Courage-Gruppe Böblingen-Sindelfingen hat den folgenden Offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen, Dr. Bernd Vöhringer, und die Gemeinderatsfraktionen im Gemeinderat Sindelfingen geschickt.

Courage Böblingen-Sindelfingen

Während bereits 2017 die Auflösung der Anschlussunterbringung für Flüchtlinge in der Nüssstraße von der Stadt geplant war, trat hier nun der zweite Fall von bestätigten Corona-Infizierungen auf. Als verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger, mit freundschaftlichen Kontakten zu der nun betroffenen Flüchtlingsfamilie, sprechen wir hiermit unsere Empörung darüber aus, wie mit dieser Situation umgegangen wird.

 

Unter Corona-Bedingungen – und darüber hinaus auch aus humanitärer Sicht – ist das Gebäude in der Nüssstraße in keinster Weise für die Unterbringung von Familien geeignet. ... Selbst für Einzelpersonen bietet das Gebäude keine hinreichende Sanitärausstattung … Das Mindestmaß der erforderlichen Abstandsregelungen unter Corona-Bedingungen ist im normalen Alltagsgeschehen hier nicht einzuhalten ...  Nachweisbar sind nirgends Handdesinfektionen angebracht, nicht auf den Fluren und nicht vor/in den Gemeinschaftsräumen. Seifenspender an den Handwaschbecken der Toiletten sind leer.

 

Einerseits wird nun das gesamte Haus unter Quarantäne gestellt, aber die betroffene Familie hat bis dato das Testergebnis noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Auf Nachfrage wurden sie gefragt, warum sie ihre Befunde denn haben wollten. Dies bezeichnen wir als Entmündigung und halten es schlicht unverschämt.

 

Herr Dr. Vöhringer, wir fordern Sie auf, hier mit allen Mitteln Abhilfe zu schaffen, verbunden mit den nachfolgenden Forderungen für ein ernst gemeintes, herzliches Refugees Welcome – zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in Sindelfingen:

  • Sofortige Evakuierung von Gemeinschaftsunterkunft mit Gemeinschaftsküchen und Sanitärbereichen, stattdessen Unterbringung in (unter Corona-Bedingungen) sicheren Unterkünften, Wohnungen, notfalls Hotels bzw. Pensionen.
  • Wahrung der Rechte der Geflüchteten auf Gleichbehandlung und keine Behandlung wie Menschen zweiter oder gar dritter Klasse.
  • Keine „Verschiebung“ von einer Unterkunft zur nächsten ohne frühzeitige, ausreichende Information und ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen.
  • Bereitstellung von bezahlbaren Wohnraum.
  • Vorsorge für sichere Lebensbedingungen.