Arbeitsplatzvernichtung bei Conti

Arbeitsplatzvernichtung bei Conti

Kämpferischer Protest oder Appelle?

2500 Kollegen und Kolleginnen waren zur zentralen Kundgebung der Conti-Kolleginnen und -Kollegen gegen die Vernichtung von 30.000 Arbeitsplätzen, davon 13.000 in Deutschland, gekommen.

Korrespondenz aus Hannover
Kämpferischer Protest oder Appelle?
Es gab viele Diskussionen um den Kampf und Streik um jeden Arbeitsplatz (rf-foto)

Die Kolleginnen und Kollegen kamen mit Bussen aus allen Conti-Werken zur zentralen Kundgebung. Besonders groß war die Delegation aus Aachen, denn dieses Werk soll als erstes geschlossen werden. Man sah viele Fahnen der Gewerkschaft IG BCE aber auch der IG Metall, denn u. a. bei ZF Wabco in Hannover droht eine ähnliche Entlassungswelle. Die Kolleginnen und Kollegen hatten sich gut vorbereitet. Mit selbst gemalten Schildern und vielen Instrumenten machten sie ihren Unmut Luft und zeigten ihre kämpferische Haltung: „Eure Habgier zerstört unsere Existenz!“, „Profit steht vor dem Menschen!“, „Mensch geht vor Profit!“ oder „Since 1871 – Aufgeben ist keine Option!“

 

Viele Kollegen und Kolleginnen erkennen – es geht Conti um den Maximalprofit. Mit weniger sind sie nicht zufrieden. Dies äußerte sich auch in den Gesprächen. Ein Kollege sagte: „Müssen die immer soviel Profit machen, geht nicht auch mal weniger“, ein anderer Kollege meinte: „Jeder Einzelne muss sich entscheiden, ob er für sich alleine einen Ausweg sucht oder ob man sich zusammenschließt.“

 

Auch einige entlassene Kollegen von Sitech und das VW-Komitee aus Hannover waren auf der Kundgebung und wollten von ihrem Kampf und ihren Erfahrungen berichten. Ihr Transparent „VW – SITECH – Conti – es geht um unsere Zukunft – Kampf um jeden Arbeitsplatz!“ wurde viel fotografiert und beachtet. Sie wollten ein Grußwort auf der Bühne an die Kollegen sprechen. Das wurde anfangs wohlwollend aufgenommen, dann aber doch von den IG-BCE-Vertretern abgelehnt. Die Bühne war u. a. den Arbeitnehmervertretern im Conti-Vorstand, der SPD Politikerin Yasmin Fahimi, der Zweiten Vorsitzenden der IG Metall, Christiane Benner, und dem IG-BCE-Vorsitzenden Michael Vasilliadis vorbehalten.

 

Wortradikal griffen sie den „Manchester-Kapitalismus“ (Fahimi) und den „kalten Kapitalismus“ an. Sie fordern das Grundgesetz ein („Eigentum verpflichtet“) und allen Ernstes: „Keiner fällt ins Bergfreie“ (Vasilliadis)! Und das nachdem 120 Bergleute im Ruhrgebiet ins Bergfreie gefallen sind! Und sie schlugen auch „Lösungen“ vor: Wir brauchen mehr Mitbestimmung; wir brauchen mehr Zeit für Verhandlungen; der Vorstand soll sich seiner Verantwortung bewusst werden und die Transformation gemeinsam gestalten. Kein Wort Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Kein Wort vom vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft.

 

Dass die Kolleginnen und Kollegen kämpferischer aufgestellt sind, zeigte sich, als sie nicht wie vorgesehen mit „nur“ vier Kollegen zur Conti-Aufsichtsratssitzung gingen, um die Petition dem Vorstand zu übergeben, sondern sich gleich 200 Kolleginnen und Kollegen zu einem Demonstrationszug aufgestellt haben und losmarschierten. Erst die massiven Zurufe von der Bühne: „Kollegen bleibt hier, vier Kollegen reichen; kommt zurück. Hier geht es weiter“ verhinderten die Demonstration.

 

Die MLPD war vor Ort und hat mit den Betroffenen diskutiert. Die Rote Fahne zur 30 Stunden-Woche - aber mit vollem Lohnausgleich auf Kosten der Konzernprofite - fand hier neue Käufer. Ein Kollege stimmte uns zu: “Das mit dem Lohnausgleich müssen wir viel mehr in der Gewerkschaft diskutieren.“