Hannover

Hannover

Erfolg in den ersten Hauptverhandlungen der gekündigten Sitech-Kollegen

Zum 30. April hatte Sitech, der VW eigene Sitzelieferant, 470 Kollegen in Hannover entlassen.¹ Am gestrigen 30. September fanden drei Hauptverhandlungen von 21 Entlassenen nacheinander statt.

Korrespondenz
Erfolg in den ersten Hauptverhandlungen der gekündigten Sitech-Kollegen
Bild von der Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude (rf-foto)

Ausführlich wiesen die Kollegen mit ihrem Anwalt Frank Stierlin vor Gericht nach, das VW hier keinen Werksvertrag mit Sitech umsetzte. Es wurden Vergleiche mit dem „Fall Tönnies“ gezogen. Es gab eine selbstbewusste und engagierte Debatte im Gerichtssaal, an der sich jeder Kollege beteiligte. Die Kollegen ließen sich auch von den Störmanövern des VW-Anwalts nicht beeindrucken. Dieser musste eine Erhöhung der Abfindung anbieten, aber die Kollegen lehnten das ab. Sie wollen Weiterbeschäftigung! Der Kampf geht weiter: „VW ist vielleicht groß, aber unser Volk ist größer!“, so ein Betroffener.

 

Das gefällte Urteil ist ein Erfolg für die fünf klagenden Kollegen: Die Richterin stellte fest, dass Sitech die im Sozialplan versprochenen Bemühungen für die Kollegen nicht ausreichend dargelegt habe. Deshalb ist die Kündigung der klagenden Kollegen unwirksam. Die Klage gegen VW wurde hingegen abgewiesen: Die Kollegen hätten nicht praktisch bei VW gearbeitet und es habe keine Arbeitnehmerüberlassung gegeben, so das Urteil von Richterin Kirstin Kloy.

 

Vor dem Gericht stärkten ihnen 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Kundgebung den Rücken. Ein Betroffener berichtete von der menschenverachtenden Behandlung im Frühjahr: „Hier habt ihr Müllsäcke für eure Sachen. Ihr dürft das Werk nie wieder betreten.“ Und er empörte sich: „Ich bin kein Tier! Auch wenn wir hier wenige sind, weiß ich, dass die MLPD-Partei hinter mir steht!“

 

Von Airbus-Bremen wurden Solidaritätgrüße überbracht - und 70 Euro Spende für die Prozesskosten. Bei Airbus sind weltweit 15.000 Entlassungen ankündigt und die Lehrstellen in Bremen sollen halbiert werden. Ein Ortsdelegierter der IG Metall Nordhausen überbrachte die Grüße der Kollegen von Maximator. Jörn Kleffel vom hannoverschen VW-Komitee kritisierte, das die Gesetze von vorne herein so gemacht werden, dass ein Kapitalist entlassen kann, wenn ihm die Rendite nicht passt. Im VW-Komitee sind auch Kollegen, die als Zeitarbeiter entlassen wurden,zusammengeschlossen. Es trifft sich am 3. Oktober erneut, um die weitere Solidaritätsarbeit zu beraten. Durch die Solidaritätsarbeit, Kundgebungen und Berichte in Tageszeitungen wurde die Entlassung der Sitech-Kollegen zum regionalen Thema. Und so konnte VW die Entlassungen nicht heimlich über die Bühne bringen.

 

Am offenen Mikrofon wurde der Vorschlag gemacht, in Hannover eine neue Erklärung zu verfassen: „Laut gegen stille Entlassungen“! 

 

Peter Kunick von der MLPD sagte: „Die MLPD ist die einzige Partei in Deutschland, die die Arbeiter in den Industriebetrieben gegen die Monopole zusammenschließt! Kommunisten werden angegriffen, weil man euch bevormunden und vom Widerstand abhalten will. Schließt euch der MLPD an und helft damit den Zusammenschluss der Arbeiter voranzubringen.“