IG-Metall-Aktionswoche Nordbayern

IG-Metall-Aktionswoche Nordbayern

3000 bis 4000 Kollegen in Schweinfurt auf der Straße

Diese Woche führt die IG Metall in Bayern eine Aktionswoche mit der Orientierung auf „Fairwandel statt Zukunftsangst“ durch. „Es brodelt in den Betrieben. Der Ärger der Beschäftigten über die blamablen Sparprogramme wächst“, so schätzt der bayerische IG-Metall-Chef Horn die Stimmung ein. Die Belegschaften haben völlig berechtigt mit kämpferischen Aktionen angefangen. Der Schwerpunkt der IG Metall liegt dabei in Nordbayern. Die MLPD Bayern begrüßt die IG-Metall-Aktionswoche in Nordbayern und beteiligt sich aktiv.

Von Landesleitung Bayern der MLPD / Korrespondenz
3000 bis 4000 Kollegen in Schweinfurt auf der Straße
Eine der drei Aktionen bei Schaeffler (foto: screenshot)

Die Betriebsgruppen der MLPD stehen gerade in Nordbayern für den kämpferischen Kurs. Sie sind Aktivposten in der kämpferischen Gewerkschaftsarbeit und haben sich mit voller Solidarität beteiligt.

Schweinfurt: Schaeffler-, ZF- und SKF-Belegschaften demonstrieren

Heute gingen in Schweinfurt die Belegschaften der drei Konzernbetriebe (Schaeffler, ZF und SKF) an drei Stellen zu gut einstündigen Protestkundgebungen gegen die Auswirkungen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, beeinflusst durch die Strukturkrise und verschärft durch die Corona-Krise vor die Tore. Dazu schreibt ein Korrespondent: „Es werden ca. 3000 bis 4000 Kollegen gewesen sein. Bei der einen gemeinsamen Kundgebung von ZF und SKF auf der Straße zwischen den Werken hörten die Kollegen sehr aufmerksam zu, was VKL-Vertreter, IG-Metall-Sekretär, Betriebsrat und Jugendvertreter zu sagen hatten. Immer dann, wenn die Chefs angegriffen wurden, brandete Beifall auf. Es wurde sich auch mit den kämpfenden ver.di-Kollegen solidarisch erklärt.

 

Wir von der MLPD waren mittendrin und haben Kollegen nach der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich befragt. Die Forderung wurde begrüßt, aber es wurde betont, dass der Lohnausgleich sein müsse. Ein Jugendlicher betonte, dass die Forderung auch international wichtig ist. Er nahm ein Parteiprogramm. Ein Kollege hatte Bedenken, dass dadurch die Kosten steigen und noch mehr verlagert wird. Einige Rote Fahne Magazine wurden interessiert genommen.

 

Bei der Kundgebung vor Schaeffler die zeitgleich stattfand - spielte die Auseinandersetzung über die laufende Verlagerung nach Ungarn eine größere Rolle. Gemeinsam war aber beiden Kundgebungen, dass man sich dem Stellenabbau bis hin zu Entlassungen entgegenstellen muss. Dabei gibt es noch Illusionen in die z. T. vereinbarten ‚Standortsicherungen‘. Die Kollegen sind berechtigt wütend, und wollen die Arbeitsplatzvernichtungspläne nicht hinnehmen.“

„Nur wer kämpft, kann auch gewinnen!“

Bereits am 24. September haben in Nürnberg über 2000 Kolleginnen und Kollegen bei MAN kämpferisch gegen das Programm zur Arbeitsplatzvernichtung protestiert. Ein Metaller aus Nürnberg erklärte hinsichtlich der IG-Metall-Aktionswoche gegenüber der Roten Fahne Redaktion: „Ich freue mich auf die Bayern-weite Aktionswoche der IG Metall und bin dabei. Auch mit meinen Kollegen diskutiere ich, wie wir den Kampf um jeden einzelnen Arbeits- und Ausbildungsplatz erfolgreich führen können.

 

Es brodelt in immer mehr Betrieben. In Nürnberg soll gut ein Drittel aller Arbeitsplätze bei MAN vernichtet werden, und es gibt weitere Ankündigungen bei Siemens, Leistritz, Bosch und vielen mehr. Conti Temic will sogar den ganzen Nürnberger Standort platt machen.

 

Es ist zu begrüßen das die IG Metall deshalb mehrere Betriebe am kommenden Donnerstag dazu aufgerufen hat, zu protestieren, auch wenn die geplante 'Menschenkette' sicherlich vor allem symbolischen Charakter haben wird.

 

Die IG Metall fordert vor allem einen 'Fairwandel statt Zukunftsangst'. Aber waren die Kapitalisten jemals 'fair' zu uns? Die Aufkündigung der sogenannten Zukunftsverträge (die sich immer mehr als 'Stillhalte-Verträge' entpuppen) und die Bereitschaft, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, ist eine Kriegserklärung und kein Verhandlungsangebot. Die Kollegen sollen sich in einem zugespitzten Konkurrenzkampf um die Weltmarktführerschaft den Konzernen unterordnen, am besten noch auf den Umweltschutz pfeifen und dann noch alles dafür tun, das man als Sieger aus der Krise kommt. Doch wer kommt da als Sieger raus? Ist dann etwa der Arbeitsplatz sicher?

 

Ob man bei Daimler, MAN, Bosch oder Opel arbeitet: Hinter jedem steht eine Familie! Jeder von uns braucht eine intakte Umwelt und eine Zukunft für die Jugend und unsere Kinder! Lassen wir uns nicht Spalten und kämpfen wir gemeinsam für jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz. Gerade jetzt kommt doch die Diskussion um die Arbeitszeitverkürzung zur richtigen Zeit: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, das schafft und sichert Arbeitsplätze, aber auf Kosten der Monopolprofite!

 

Schluss mit dem Krisenchaos! Offensiv und gemeinsam gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf unserem Rücken!“

 

Letzten Donnerstag beteiligten sich 4000 Arbeiter und Angestellte von Daimler in Stuttgart und Sindelfingen an gewerkschaftlichen Protesten mit selbständigen Elementen. Der Wille nach einem gemeinsamen konzernweiten und konzernübergreifenden Kampf gegen die Kriegserklärung der Konzernspitzen an die Arbeiter und ihre Familien wächst. Die Illusion der „Beschäftigungssicherung“ durch die reformistischen „Zukunftsvereinbarungen“ platzt: So hat MAN die Vereinbarung zum Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 gekündigt. Der Übergang zur offenen Abwälzung der Krisenlasten auf die Arbeiter und Angestellten „ist eine Herausforderung an die gesamte Arbeiterschaft“.¹ Schlussfolgerung für die Arbeiterbewegung kann nur sein, selbst in die Offensive zu gehen.

 

Wir diskutieren mit den Kolleginnen und Kollegen über einen gemeinsamen Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz und verankern als wirksame Tagesforderung die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Dazu werden Aktionstage nicht reichen. Deshalb brauchen wir ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht.

 

Die Arbeiter könne sich in ihrem Kampf auf die MLPD verlassen. Unsere Betriebsgruppen vermitteln das Know-how wie so ein Kampf erfolgreich geführt werden kann. Wir organisieren die Solidarität und Verbindungen zu den kämpfenden ver.di-Kollegen und der Umweltbewegung.

 

Dazu brauchen wir vor allem eine Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD. Alle Kollegen, die eine grundlegende Lösung anstreben sind aufgefordert, sich mit der Sozialismus zu beschäftigen, sich von antikommunistischen Denkverboten zu befreien und sich der MLPD und ihrer Stärkung auseinanderzusetzen.

Weiter Aktionen

  • Nürnberg: 15. Oktober, 11 bis 12 Uhr: Menschenkette in der Südstadt mit Beschäftigten aus vielen Nürnberger Betrieben (u. a. MAN, Leistritz, Siemens, Bosch, ZF, Federal Mogul, Conti)
  • Bamberg: 14. Oktober, 13.30 Uhr, Bosch, Demozug übers Werksgelände mit öffentlicher Kundgebung am Tor
  • Ebern: 15. Oktober, 14 Uhr, FTE Valeo, Autokorso vom Werk durch die Stadt
  • Herzogenaurach: 14. Oktober, 12 Uhr, öffentliche Kundgebung bei Schaeffler (Nordtor, Industriestraße) mit Beschäftigten und ihren Familien
  • Regensburg: 16. Oktober, Aktion in der Altstadt mit Christiane Benner (Zweite Vorsitzende IG Metall)