Gesamtgesellschaftliche Krise

Gesamtgesellschaftliche Krise

Blutiger neuimperialistischer Krieg in Bergkarabach

Die schweren Gefechte um Bergkarabach dauern an, trotz internationaler Appelle zur Einhaltung des Waffenstillstandes. Er wurde am 10. Oktober unter der Regie des neuimperialistischen Russland zwischen den Republiken Armenien und Aserbaidschan im Südkaukasus geschlossen.

Von Korrespondent aus Solingen / fjs
Blutiger neuimperialistischer Krieg in Bergkarabach
Folgen von Artillerie-Beschuss (foto: gemeinfrei)

Seit Juli war zwischen Armenien und Aserbaidschan der Krieg um Bergkarabach wieder aufgeflammt (siehe Rote Fahne News). Auch Vertreter der imperialistischen EU, einschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel, hatten versucht, Einfluss zu nehmen - allerdings vergeblich.

 

Russland, das hinter Armenien steht, inszeniert sich jetzt als angebliche Friedensmacht. Dabei ist Russland einer der Kriegstreiber und Profiteur auch in diesem Kriegsbrandherd. Im Kern geht es um die Vorherrschaft zwischen russischem und westlichem Imperialismus: Armenien ist mit Russland Mitglied in der "Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit" (OVKS). Seit 1995 verbindet beide Länder ein Militärpakt, der bis 2044 gilt.

 

Russland hat in Armenien seinen einzigen Militärstützpunkt in der Region und liefert Raketen und weitere schwere Waffen, bewacht die Grenze zur Türkei und zum Iran und kontrolliert den armenischen Luftraum. Auch ökonomisch hat Russland Armenien in völlige Abhängigkeit gebracht, um zu verhindern, dass es sich dem EU-Machtblock zuwendet. Gleichzeitig liefert Russland aber auch an das verfeindete Aserbaidschan Raketen, Flugabwehrwaffen, Panzer, Schützenpanzer, Panzerhaubitzen und Raketenwerfer sowie Kampf- und Frachthubschrauber. Übrigens genauso, wie das imperialistische Netanjahu-Regime aus Israel, dessen Rüstungsmonopole eifrig an diesem Krieg und mit Waffenlieferungen wie Drohnen an Aserbaidschan profitieren. Aserbaidschan ist geostrategisch auf Grund seiner großen Öl- und Erdgasvorkommen bedeutend. Russland profitiert von beiden Seiten an diesem fast 30-jährigen barbarischen Krieg. Darum hat es auch nie ausdrücklich öffentlich Partei für den berechtigten Kampf um Selbstbestimmung in Bergkarabach ergriffen.

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte sich die Republik 1991 für unabhängig erklärt, was jedoch international nicht anerkannt wurde. Von den 145.000 Einwohnern sind die Mehrheit Armenier. Armenien übt auch die Kontrolle über die Region aus. Aserbaidschan wird neben Israel auch vom faschistischen Erdoğan-Regime der Türkei militärisch unterstützt.

 

Das imperialistische Israel , wie auch die neuimperialistische Türkei, als auch der faschistische neuimperialistische Iran, der traditionell gute Beziehungen zu Aserbaidschans Präsidenten Ilham Alijew pflegt, wollen ihren Einfluss in der Region ausbauen und haben großes Interesse am aserbaidschanischen Ölreichtum. Diese - zum Teil über Kreuz liegenden - Unterstützungen der beiden Kriegsparteien durch diverse - imperialistische und  neuimperialistische - Länder sind ein Zeichen für die gesamtgesellschaftliche Krise, die auch in diesem Teil der Welt heranreift.

 

Am 10. Oktober protestierten 2000 Menschen in Berlin gegen die türkisch-aserbaidschanische Kriegstreiberei in Bergkarabach und für einen Frieden in der Region: Armenier, jezidische Kurden, Aramäer… . Sie riefen „Erdoğan Terrorist“ und fordern ein „Ende der Expansion autoritärer Regime“. Dabei nahmen sie auch die deutsche Regierung ins Visier - so Berivan Dasni von der jesidischen Gemeinde Berlin: „Das alles nimmt kein Ende, weil Deutschland weiter Waffen an das Erdoğan–Regime liefert.“ Ausgestattet mit deutschen und israelischen Waffen hat die Türkei 150 Militärberater nach Aserbaidschan geschickt.

 

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenagentur ANF wurden auch 4000 faschistisch-islamistische Söldner aus Nordsyrien kurzfristig nach Aserbaidschan verlegt.

Will das Erdoğan-Regime neben seinem imperialistischen Machthunger auch noch andere Rechnungen begleichen?

Bis heute erkennt das faschistische Regime in Ankara den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich nicht an. Zwischen Armeniern und Kurden hat es eine jahrzehntelange Verbindung gegeben. In der sozialistischen Sowjetunion gab es in den 1920er-Jahren einen autonomen Distrikt „Rotes Kurdistan“, zwischen Armenien und Bergkarabach gelegen. (Mehr dazu hier auf ANF)Wozu ein nationalistisch-islamistischen Hass fähig ist, zeigte sich schon beim letzten Aufflammen des Konfliktes in Bergkarabach im April 2016: Türkische Soldaten auf Seiten der aserbaidschanischen Armee köpften den jezidisch-kurdischen Soldaten der armenischen Armee, Kerem Siloyan. Sie präsentierten seinen Kopf stolz der Weltpresse und legten ihn dann den Eltern vor die Tür.

 

Sofortiger Abzug aller fremden militärischen Kräfte aus Bergkarabach und aus dem Kaukasus! Für das Selbstbestimmungsrecht der Völker! Sofortiger Stopp der deutschen Militärhilfe für die Türkei!