Gladbeck

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CDU-Aktive empört über Rechtsentwicklung ihrer Partei

Seit geraumer Zeit hat die MLPD eine Rechtsentwicklung der bürgerlichen Parteien analysiert. Die Kritik an dieser Tendenz scheint jetzt auch an der Basis der CDU anzukommen. Zumindest in Gladbeck.

Korrespondenz

Mit einer umfassenden Erklärung legte Müzeyyen Dreessen alle ihre CDU-Ämter nieder. Die 59-Jährige mit Wurzeln an der türkischen Schwarzmeerküste kandidierte auf Platz drei der CDU-Liste für den Gladbecker Rat. Ab sofort verzichtet sie auf den Vorsitz des Ortsvorstands Mitte, ihr Ratsmandat, ihre Funktion im Vorstand der Frauenunion sowie auf den Beisitz im Vorstand des CDU-Stadtverbands. Wenige Tage nach der Kommunalwahl ein Paukenschlag im Ruhrgebietsstädtchen Gladbeck. 

 

An der Gladbecker CDU kritisiert Dreesen, dass diese "in erheblichen Teilen so rechtskonservativ sei, dass man sich manchmal fragen muss, wofür das 'C' im Namen überhaupt noch steht." Sie ärgere sich zudem, "dass Frauen im Stadtverband nicht gleichberechtigt behandelt würden". Andere werden noch deutlicher. Tobias Lüdiger, Dreesens Vorgänger im Ortsverband Mitte beobachtet ebenfalls die Rechtsentwicklung in seiner Partei. "Ein Vorsitzender, der ausländische Mitbürger wiederholt als 'Muschelschrubber' bezeichne, sei 'da nur der stinkende Kopf des Fisches'" wird der Lokalpolitiker in der Lokalpresse zitiert. "Alle herausposaunten Wahlziele seien verfehlt worden", kann man weiter lesen.

 

Der Bürgermeisterkandidat und Stadtvorsitzende, Dietmar Drosdzol, weist alle Kritiken von sich. Natürlich, denn sonst müsste er sich zu dem Versuch äußern, sich mit der AfD einen Wettlauf um reaktionäre Positionen zu liefern. Das ist bei der Wahl krachend gescheitert. Ein Teil der CDU-Wähler wählte lieber das rassistische Original, die AfD. Andere, wie Dreesen werfen frustriert das Handtuch. Nur ein Drittel der Wähler gaben Drosdol bei der Stichwahl die Stimme. 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler sahen gar keine Alternativ und blieben der Stichwahl gleich fern. Unterm Strich erhielt der Bürgermeisterkandidat der nach rechts gerückten CDU also nur von 10 Prozent der Wahlberechtigten eine Stimme.