Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Das Elend bürgerlicher Wirtschaftsprognosen

Die fünf großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute¹ mussten bei ihrer diesjährigen Herbstprognose, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde, ihre bisherige Vorhersage deutlich nach unten korrigieren. Sie erwarten nun für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 5,4 Prozent, während sie Im April noch minus 4,2 Prozent vorausgesagt hatten. Für 2021 prognostizieren sie jetzt nur einen Zuwachs von 4,7 Prozent, statt 5,8 Prozent. Erst Ende 2022 soll die deutsche Wirtschaft wieder das Niveau von Ende 2019 erreichen.

Von ba
Das Elend bürgerlicher Wirtschaftsprognosen
(foto: Gerd Altmann / pixabay / CC0; FrankundFrei / Pixabay / Pixabay License)

Als Grund geben die Gutachter jetzt an, dass sie „den weiteren Erholungsprozess nunmehr etwas schwächer einschätzen“ als noch im Frühjahr. Das größte Risiko sei, dass „die Lage unsicher bleibt“. Diese tiefschürfenden Erklärungen passen genau zu den Methoden, wie unsere Experten zu ihren Zahlen über den baldigen Aufschwung kommen. Sie beruhen auf so aussagekräftigen Umfragewerten wie dem „Geschäftsklimaindex“, dem „Konsumklimaindex“ oder dem „LKW-Maut-Fahrleistungsindex“. Beim Geschäftklimaindex z. B. wird die „Stimmung“ der Unternehmensführungen ermittelt. Nur dass diese in dem völlig chaotischen Durcheinander auf den weltweiten Absatzmärkten im Kapitalismus überhaupt nicht bestimmen können, ob und wie lange und in welchem Umfang sie ihre Waren loswerden können. Ihre Stimmung ist genauso aussagekräftig wie das berüchtigte „Kaffesatzlesen“. Beim Konsumklimaindex verhält es sich ähnlich. Ganz abenteuerlich ist der LKW-Maut-Fahrleistungsindex. Er soll über die Entwicklung der Industrieproduktion „ungefähre Anhaltspunkte“ geben (Statistisches Bundesamt).

 

Ignorant schieben die Gutachter den Einbruch der Wirtschaft weiter einseitig auf die durch die Corona-Krise bedingten Maßnahmen und leugnen die Weltwirtschafts- und Finanzkrise als Grundlage dieses Einbruchs.

 

Die Weltwirtschaftskrise ist eine Überproduktionskrise, die schon Ende 2018 begonnen hat. Die Ausdehnung der Absatzmärkte hielt aufgrund der immer schärferen Ausbeutung der Massen nicht Schritt mit der Erweiterung der weltweiten Produktion. Deshalb können die Monopole ihre Profite durch den Verkauf der überschüssigen Waren nicht mehr vollständig realisieren. Sie müssen daher die Industrieproduktion zurückfahren. Die Corona-Krise beschleunigte diesen Prozess nur erheblich. Im Kapitalismus geht das immer mit einer massiven Vernichtung von Arbeitsplätzen einher. Ein neuer Wirtschaftsaufschwung setzt eine Angleichung der Produktion an die Märkte voraus, was nur nach einer massiven Vernichtung bzw. Entwertung von (in Maschinen, Anlagen, oder in Waren gebundenem) Kapital möglich wäre, d. h. erst nach einer umfassenden weltweiten Bankrott- bzw. Fusionswelle bzw. massiven Umstrukturierungen der Produktionsbasis.

 

Tatsächlich mussten die Wirtschaftsforscher ihre Prognose nach unten korrigieren, weil die Entwicklung der Industrieproduktion nicht ihren Erwartungen entsprechend verläuft. Die schnell steigenden Zahlen gegenüber den Vormonaten zwischen Mai und Juli waren nur Folge der Erholung von den Auflagen die zum Schutz vor dem Coronavirus erlassen worden waren. Sie sind nicht auf eine Belebung der Weltwirtschaft zurückzuführen. In Deutschland fiel die Industrieproduktion im August jetzt sogar wieder um 0,6 Prozent. In weiteren imperialistischen Ländern fiel sie ebenfalls, z. B. in den USA um -0,4 Prozent. Auch die Gutachter der OECD² korrigierten ihre Voraussagen deshalb nach unten. Nun gehen sie von einer „graduellen Rückkehr auf den früheren Wachstumspfad in Form einer gedehnten V-Kurve“ aus.³  Ein gedehntes "V" ist aber kein "V" mehr, oder? Mit Selbstkritik oder offener und ehrlicher Korrektur haben es die bürgerlichen Ökonomen offensichtlich nicht so.

 

Das Bundeswirtschaftsministerium dazu schönfärberisch: „Die Industrieproduktion hat an Fahrt verloren, nimmt aber weiter zu.“ Immerhin habe die „Industrie fast wieder 90 Prozent ihres Niveau von vor der Corona-Krise im letzten Quartal 2019“ erreicht. Zwar sei die „weltweite industrielle Erzeugung“ im Juni um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgefallen, und der Welthandel sogar um „etwa 10 Prozent“. Doch würden die „Stimmungsindikatoren positive Signale senden“. Das gleicht genau so wie die Hoffnung auf die „gedehnte V-Kurve“ dem Pfeifen im dunklen Wald: Man sieht nicht klar und hofft, dass schon nichts passieren wird und man unangefochten wieder auf freies Feld kommt. Das ist das Elend der bürgerlichen Wirtschaftsprognosen: Sie liegen ständig daneben, weil sie den Kapitalismus reinwaschen sollen.

 

Eine Anpassung des Produktionsumfanges an die Märkte beginnt gerade erst. Ein Vorgeschmack ist der geplante Umbau des Daimler-Konzerns, der seinen Rückfall im internationalen Konkurrenzkampf aufholen und die Weltmarktführung im Luxusbereich und der Technologieführerschaft erreichen will. Das geht mit massiv verschärfter Ausbeutung und umfangreicher Arbeitsplatzvernichtung einher. Trotz der massiven Kurzarbeit gab es in Deutschland schon bis zur Ende Juli 820 000 Arbeitslose mehr.

 

Es ist nicht zu akzeptieren, dass das auf dem Rücken der Arbeiter stattfindet.Die Arbeiterklasse muss ihre Kampfkraft im Klassenkampf zwischen Arbeiterklasse und den Monopolen und ihrem Staat entschieden in die Waagschale werfen!

 

Die Arbeiterklasse kann nicht den Aufschwungspropheten glauben. Sie muss sich auf einen harten Kampf um jeden Arbeitsplatz und die Abwälzung der Lasten der Krise auf ihren Rücken einstellen. Sie ist als Klasse davon betroffen und muss den Weg der Arbeiteroffensive gehen, d. h. zum bewusst geführten Klassenkampf mit dem Ziel der revolutionären Überwindung dieses kapitalistischen Systems.