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Das wahre Ausmaß der Corona- und der Wirtschaftskrise in den USA wird vertuscht

Die offizielle Arbeitslosenstatistik des Office of Labour besagt, dass die Arbeitslosenquote in den USA seit ihrem Höhepunkt von 14,4 Prozent im April auf 7,9 Prozent im September gefallen sei, das wären 12,3 Millionen statt 23 Millionen im April, bei einer Arbeitskraft von 159,9 Millionen. Ein Artikel bei Forbes von Erik Shermann vom 7. August stellt diese Angaben jedoch infrage:

Von Korrespondenz
Das wahre Ausmaß der Corona- und der Wirtschaftskrise in den USA wird vertuscht
Protest gegen Donald Trump (foto: Anthony Crider - Rally Against White Nationalist Terrorism (2019 Aug) (CC BY 2.0))

Die Arbeitslosenversicherung meldet für Juli 31,8 Millionen Anfragen, was für Juli eine Arbeitslosenrate von 18,8 Prozent ergäbe statt die vom Office of Labour behaupteten 10,2 Prozent. Das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit wird vertuscht, weil Menschen, die unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, marginal arbeiten oder sich entmutigt nicht mehr als Arbeitssuchende melden, nicht erfasst sind. Das reale Ausmaß der Arbeitslosigkeit erreichte im April 2020 mit 22 Prozent bereits das der sogenannten „tiefen Depression“, also der lang anhaltenden Stagnation der Wirtschaft nach der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933.

 

Diese Depression hielt an, bis 1940 die Kriegsproduktion massiv hochgefahren wurden. Im Jahr 1933 wurden rund 25 Prozent der Arbeiter und Angestellten arbeitslos.

 

Auch bei der Entwicklung von Covid-19 erfassen die offiziellen Zahlen nicht das wirkliche Ausmaß. So berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in einem Artikel vom 9. September 2020¹, dass zum Stichtag 18. April 2020 sich - statt der offiziell angegebenen 721.245 Erkrankten - bereits insgesamt 6.454.951 Covid-19 Erkrankungen entwickelt haben müssen. Das wären zum damaligen Zeitpunkt schon 1.9 Prozent der Bevölkerung statt 0.2 Prozent offiziell. Diese Aussage beruht zwar auf einer mathematischen Hochrechnung. Diese stellt jedoch realistisch die geringe Zahl an Tests und den Fehler durch mangelnde Empfindlichkeit von Tests in Rechnung, sodass die angegebene Zahl durchaus eine realistische Abschätzung sein dürfte.

 

Aktuelle Wahlumfragen vom 9. Oktober sagen dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Biden, einen erheblichen Wählervorsprung (52 Prozent) im Vergleich zu Trump (42 Prozent) voraus. Biden steht jedoch auch nur für eine andere Variante der reaktionären Politik, die Supermachtstellung des US- Imperialismus gegen neu aufstrebende imperialistische Rivalen zu verteidigen. Er ist ein ultrareaktionärer Monopolpolitiker, der zwar deutlich seriöser daherkommt als Trump, der aber politisch keine fortschrittliche Alternative zu bieten hat. Auch wenn bürgerliche Wahlumfragen kritisch betrachtet werden müssen, weil sie nicht die Abwendung der Massen vom parlamentarischen Betrugssystems erfassen, bringt das Ergebnis einen öffentlichen Stimmungsumschwung gegen Trump zum Ausdruck. Dieser hat sich in Verbindung mit dem Aufschwung der Massenkämpfe gegen Rassismus und die ganze arbeiterfeindliche Politik der Trump-Administration ausgebildet.

 

Es gibt jedoch weiterhin auch eine relativ feste Massenbasis der faschistoiden Trump-Regierung, die offensichtlich auch auf seinen notorischen Antikommunismus anspringt. Aktuell steigern sich seine Ausfälle gegen alles, was er als "Antifa", sozialistisch" etc. verortet - egal ob diese Kräfte es nun objektiv sind oder nicht. Trump hatte öffentlich eine faschistische Terrorgruppe unterstützt, die die Governeurin von Michigan und Trump-Gegnerin, Gretchen Whitmer, entführen, und das Regierungsgebäude der Hauptstadt Lansing noch vor der US-Präsidentenwahl am 3. November stürmen wollten. Schon bei einem ersten Sturmversuch am 1. Mai 2020 twitterte Trump: „Befreit Michigan“.

 

Im TV-Duell am 29. September mit dem Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei, Biden, bestimmte Trump die Aufgaben der faschistischen Terrorgruppen: „Proud Boys – haltet Euch zurück und haltet Euch bereit.“ Die öffentliche Drohung Trumps, seine sich abzeichnende Wahlniederlage am 3. November nicht anzuerkennen, sind also Anzeichen dafür, dass er auf einen Ausbau der faschistoiden Regierungsmethoden bis hin zu einer faschistischen Machtübernahme setzt.

 

Währenddessen gehen die Massenproteste gegen Trump und gegen die rassistische Gewalt weiter. In Wisconsin protestierten am 8. Oktober Tausende dagegen, dass die Polizisten, die die schwarze Frau, Alvin Cole, im Februar ermordeten, nicht belangt werden sollen.

 

Gegen die Demonstranten wurde Tränengas, Gummigeschosse und Geschosse mit Reizgas eingesetzt und es kam zu einer größeren Zahl von Verhaftungen durch die Nationalgarde. In Minneapolis rief ein Bündnis für Gerechtigkeit zu Protesten gegen die Freilassung des Polizisten der George Floyd ermordete: Derek Chauvin war es, der auf George Floyd kniete, bis er starb. Er wurde gegen eine Kaution von 1 Million Dollar am 7. Oktober aus dem Gefängnis entlassen. Bei der Gegendemonstration am 8. Oktober wurden 51 Demonstranten durch verschiedene Polizeieinheiten verhaftet. Seit der Ermordung von Georg Floyd Ende Mai entwickelte sich die größten Massenproteste in der Geschichte der USA und verbinden sich mit verschiedenen Arbeiterstreiks mit ökonomischen, gesundheitspolitischen und Forderungen im Kampf gegen Rassismus. Nun soll die Orientierung auf die US Präsidentschaftswahl den Protesten ihre Stoßkraft nehmen. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die USA immer weiter im Übergang hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Krise befinden. Deshalb ist es wichtig, dass die marxistisch-leninistischen Kräfte im Land gestärkt werden.