Stahlaktionstag

Stahlaktionstag

„Der Gedanke an einen Kampf der Stahlarbeiter beginnt sich zu entwickeln!“

„ … normalerweise hätte man die Bude stillsetzen müssen!“, so fasste ein Kollege die Stimmung einer wachsenden Zahl von Kollegen auf der Kundgebung auf den Düsseldorfer Rheinwiesen zusammen. Ca. 3000 Kolleginnen und Kollegen von tkSE waren laut IG-Metall-Angaben gekommen. Corona-gerecht in 25-iger-Gruppen, mit Mund-Nasenschutz hatten sie sich versammelt.

Von Kreisleitung Duisburg der MLPD / ffz
„Der Gedanke an einen Kampf der Stahlarbeiter beginnt sich zu entwickeln!“
Kämpferische Stahlarbeiter am heutigen Stahlaktionstag auf den Düsseldorfer Rheinwiesen (rf-foto)

Begrüßt wurden die Kolleginnen und Kollegen in Düsseldorf von der Arbeiterplattform des Internationalistischen Bündnisses, das gemeinsam mit dem Duisburger Solikreis für die Stahlarbeiter und ihre Familien ein offenes Mikrofon organisiert hatte. Dort begrüßte auch Peter Römmele, selbst Stahlarbeiter bei tkSE und Landesvorsitzender der MLPD Nordrhein-Westfalen, die Kollegen – und er begrüßte es weiter, dass sie am heutigen Tag beweisen, dass auch unter Corona-Bedingungen gekämpft werden kann.

 

Im Mittelpunkt der Reden von der Bühne von der neben Vertretern des Gesamtbetriebsrats auch der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, sprachen, stand die Forderung nach dem Einstieg des Staates bei ThyssenKrupp. Um die Kollegen für diesen Weg zu gewinnen, wurden mit „Ihr seid die Besten im Revier“ (Tekin Nasikkol, Vorsitzender des Betriebsrats und Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei tkSE) an den Stolz der Stahlarbeiter appelliert. Tatsächlich spielte der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz in keiner einzigen Rede vom Podium eine Rolle. Vielmehr seien die Arbeitsplätze durch die aktuelle Krise und das „Missmanagement der Vorstände“ akut gefährdet. Nur durch den Einstieg des Staates könnten sie gerettet werden - dieser Weg sei alternativlos, so Tekin Nasikkol.

 

Die Denkweise, die das Podium bei den Kollegen verankern wollte, fasste ebenfalls Tekin Nasikkol zusammen: „Wenn die Mutter (tk AG) es nicht mehr kann, ja dann muss der Vater (Staat) ran!“ Wir sind aber keine Familie und die Stahlarbeiter nicht die (wahrscheinlich möglichst noch braven) Kinder von Vater Staat und Mutter Konzern! Deshalb kann es auch kein „gemeinsam durch die Krise“ geben, sondern nur einen gemeinsamen, entschlossenen Kampf der Stahlarbeiter gegen die Konzernpläne. „Ich bin hier, weil endlich was passieren muss“ - so ein Kollege, der damit gut die Stimmung traf.

 

Aber auffällig in allen Reden vom Podium war, dass allgemein „vom Stahl“ gesprochen wurde, nicht vom Kampf um die Arbeitsplätze. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) blies ins gleich Horn: natürlich würden EU, Bund und Land „den Stahl“ fördern – kein Wort von den Arbeitsplätzen, von den Familien, von der Zukunft der Jugend.

 

Ganz anders am offenen Mikrofon des Internationalistischen Bündnisses, das beim Abmarsch zu den Bussen nochmals eröffnet wurde. Hier brachte eine Delegation von Daimler Düsseldorf, wo die Kollegen selbst den Kampf um ihre Arbeitsplätze vorbereiten, ihre Solidarität mit dem Kampf der Stahlarbeiter vor. Dabei trugen sie den Gedanken des gemeinsamen Kampfes in die Auseinandersetzung. Die Arbeiter dürfen sich nicht von immer neuen Plänen der Konzerne abhängig machen und bestenfalls darauf reagieren – sie brauchen ihr eigenes Kampfprogramm und Vertrauen in die eigene Kraft.

 

Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, die ebenfalls vor Ort war, sagte dazu in ihrem Grußwort: "Die Frage ist doch: 'Was für ein Staat ist das hier?' Man darf sich nicht auf einen sozialchauvinistischen Kurs begeben; das heißt: mit dem Kurs eines imperialistischen Staats, der die Politik der hier ansässigen internationalen Monopole betreibt, einlassen. Ministerpräsident Armin Laschet hat doch hier für ThyssenKrupp gesprochen und das Wort Arbeitsplätze nicht mal in den Mund genommen. Das ist nicht unser Kurs. Die Arbeiter müssen konsequent für ihre Interessen kämpfen. Streik ist jetzt die richtige Antwort!"

 

Sie merkte aber auch kritisch an, dass es dabei nicht geht, Kritiker der „Staatsbeteiligung“ von vorn als „Arbeitsplatzvernichter“ abzustempeln (wie von Detlef Wetzel, ehemaliger IG-Metall-Vorsitzender geschehen) oder mit Antikommunismus die Debatte über die gesellschaftliche Perspektive des Sozialismus zu unterdrücken. Schließlich sind sich nicht nur viele Stahlarbeiter einig, dass die kapitalistische Profitwirtschaft keine Perspektive hat.

 

Weiter sagte Gabi Fechtner: "In einer Einheitsgewerkschaft muss demokratisch über den Kurs diskutiert werden. Und die revolutionäre, kämpferische Strömung mit den Marxisten-Leninisten gehört da fest dazu. Diese Strömung und die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" werden größer und stärker. "Gib Antikommunismus keine Chance!" muss wie ein Codex werden!  Wir werden uns nicht mehr spalten lassen, auch wenn wir uns politisch nicht in allem einig sind.

 

Ganz in diesem Sinne wurde am Kundgebungsplatz das kämpferische offenen Mikrofon mit kleinen Ausnahmen respektiert und Attacken gegen kämpferische Kritiker von links blieben - auch in den Reden - aus.

 

Ein Kollege: „Alle Jahre wieder treffen wir uns auf einem Stahlaktionstag. Jedes mal gegen neue Angriffe vor allem auf unsere Arbeitsplätze – und die werden trotzdem immer weniger. So kann es doch nicht weitergehen!“ Diese Stimmung war verbreitet. Und genau deshalb muss auch über die Perspektive des Kampfs gestritten werden.

 

Die Betriebsgruppen der MLPD kamen mit den anwesenden Kolleginnen und Kollegen in viele interessante Gespräche. Eine ganze Reihe Rote Fahne Magazine und Parteiprogramme wechselten den Besitzer, Adressen wurden ausgetauscht, um mit den Betriebsgruppen der MLPD in Kontakt zu bleiben.

 

Diskutiert wurde über die sozialistische Perspektive, die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die Erfolge bisheriger Streiks, die Notwendigkeit des Kampfs gegen die Arbeitsplatzvernichtung etc. Insofern auch ein Tag der Bewusstseinsbildung.