Protesttag bei Daimler

Protesttag bei Daimler

Das Signal des 8. Oktober

Mit ihrem Protesttag am 8. Oktober an den Daimler-Standorten in Stuttgart-Untertürkheim, -Cannstatt, -Hedelfingen und Mettingen und einer Vielzahl von selbständigen Pausenversammlungen in vielen Werken bundesweit haben die Daimler-Arbeiterinnen und -Arbeiter bewiesen, dass sie die Kriegserklärung des Daimler-Vorstandes annehmen und den Kampf dagegen aufnehmen.

Von gp
Das Signal des 8. Oktober
Bild von der Aktion in Stuttgart

Mit seiner Kriegserklärung gegen die Belegschaft hat der Daimler-Vorstand eine Taktikänderung hin zu offeneren Angriffen der Monopole gegen das Industrieproletariat eingeleitet. Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise verschärft, in Verbindung mit den Strukturkrisen im Zuge der Umstellung zur E-Mobilität und der umfassenden Digitalisierung, den internationalen Konkurrenzkampf der Automonopole drastisch.

 

Enthüllt wurden die Angriffe in der Belegschaft zunächst durch ein Flugblatt von Rote Fahne News vom 23. September. Mit dem Bekanntwerden der Daimler-Pläne geriet die Politik der Klassenzusammenarbeit zwischen dem Vorstand und der reformistischen Gewerkschaftsführung offen in die Krise. Der Vorstand weigerte sich, vor der Belegschaft Stellung zu nehmen, in den bürgerlichen Medien wurden die Angriffe fast völlig ausgeblendet. Auf Rote Fahne News erschienen täglich neue Informationen und Argumente. Drei Extra-Ausgaben der Kollegenzeitung Stoßstange erschienen, die bundesweit an den Daimler-Standorten verteilt wurden. Verteiler berichten, dass die Abnahmequote der Stoßstange fast kontinuierlich stieg - bis zu 85 Prozent. In den Betrieben gab es Zigtausende Diskussionen, ob und wie man jetzt den Kampf aufnehmen soll. Reformisten in den Betriebsratsgremien und in der IG Metall waren  zunächst regelrecht paralysiert. Klassenkämpferische Kolleginnen, Kollegen und die Betriebsgruppen der MLPD eroberten Stück um Stück die Meinungsführerschaft für einen konzernweiten Kampf.

 

In immer mehr Betrieben wurden selbständige Pausenversammlungen organisiert - mit bis zu 80 Teilnehmern und demokratischer Aussprache, intensiven Beratungen und Resolutionsbeschlüssen für Kampf und Streik. Selbständig organisierte Pausenversammlungen auf verschiedenen Schichten und Abteilungen mit meist steigenden Teilnehmerzahlen waren ein wesentliches Mittel, um die Eigeninitiative der Kolleginnen und Kollegen zu fördern, ihnen zu helfen, mit Fragen oder auch Bedenken fertig zu werden, wer denn den "Kampf organisieren soll". Entscheidend dabei war, sich durchzuringen, selber Verantwortung zu übernehmen, statt auf andere zu warten oder nur mitmachen zu wollen. Dort wurden alle Fragen diskutiert, um richtige Einschätzungen gerungen und vor allem darum, ob und wie der Vorschlag der Stoßstange für einen konzernweiten Streik umgesetzt werden kann. So heißt es in einer Erklärung der Nachtschicht von Mettingen: „Geheime Verhandlungen haben uns immer nur Verschlechterung gebracht. Wir müssen den Weg des Streiks gehen, um Untertürkheim als Produktionswerk zu verteidigen. Wir werden dafür arbeiten.“

 

Für den 8. Oktober hatte dann angesichts der zunehmend kämpferischen Stimmung in der Belegschaft und der IG-Metall-Basis in Stuttgart die örtliche IG Metall jeweils am Vor- und Nachmittag zu einer Info- und Protestveranstaltung in Untertürkheim und Mettingen aufgerufen. Dazu haben die Kolleginnen und Kollegen jeweils für drei Stunden die Arbeit niedergelegt und sich damit faktisch das Recht auf Streik genommen. Die MLPD war dabei ein aktiver Faktor. Die Kolleginnen und Kollegen von Cannstatt marschierten mit einer Demonstration nach Untertürkheim. In Mettingen zogen 1400 Kolleginnen und Kollegen vor das Tor. Ein Teil der Teilnehmer forderte dort zum Marsch auf die B 10 auf. 2004 hatten Tausende Daimler-Kolleginnen und -Kollegen mit ihrem Marsch auf der B10 erfolgreich gegen die Einführung der 40-Stunden-Woche und Erpressung von Betriebsverlagerungen demonstriert.

 

Auf der Protestversammlung am Nachmittag wurden Solidaritätserklärungen von Bosch und ver.di begeistert aufgenommen. Auf der Website der Internationalen Automobilarbeiterkoordination (IAC) sind weitere Solidaritätserklärungen dokumentiert, so u. a. von der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF oder von der internationalen Automobilarbeiterkoordination (mehr dazu hier). Sie zeigen, dass die Auseinandersetzung bei Daimler auch in anderen Betrieben aufmerksam verfolgt wird, dass die Arbeitersolidarität wächst und die Kolleginnen und Kollegen sich im künftigen Kampf auf eine breite Solidarität in anderen Betrieben und der Bevölkerung stützen können. Insgesamt nahmen an den Protesten und Streiks am Vor- und Nachmittag weit über 4000 Kolleginnen und Kollegen teil.

 

Bei einer großen selbständig organisierten Pausenversammlung in Werk Sindelfingen verabschiedeten am 8. Oktober die Kollegen vom Bau 56 eine Resolution. Darin heißt es u. a.: „Liebe Kolleginnen und Kollegen in Untertürkheim und Mettingen, der Protest bei Euch heute ist auch bei uns Thema, der Türenmontage in der Halle 56 bei Daimler in Sindelfingen. … Wir sind eine Konzernbelegschaft bei Daimler und das werden wir auch verteidigen. Den geplanten Werksschließungen und dem Arbeitsplatzabbau werden wir unseren Widerstand entgegensetzen.“ Das richtete sich bewusst gegen die von reformistischen Betriebsräten verbreitete Propaganda, das Werk Sindelfingen sei von den Plänen nicht betroffen. Dabei wissen alle, dass der Vorstand u.  a. 4000 Arbeitsplätze in den nächsten Jahren am Standort vernichten will. In Düsseldorf schreiben Kollegen von einer Pausenversammlung: „Ihr aus Untertürkheim geht dem Protest voran - Hut ab davor! Jetzt sollten wir auch in Düsseldorf kämpfen und in allen anderen Werken! Wir lassen uns nicht spalten in Stamm- und Leiharbeiter, sondern kämpfen gemeinsam um jeden Arbeitsplatz.“ Das zeigt, dass der Gedanke des konzernweiten Kampfes um sich greift, während der Daimler-Vorstand mit seiner neuen Strategie die Standortkonkurrenz noch verschärfen will.

 

Zu Anfang dachten viele Kollegen noch, dass die Angriffe von Daimler von MLPD und klassenkämpferischen Kollegen vielleicht überzogen dargestellt werden. Mit der Bekanntgabe der neuen Daimler-Strategie am 6. Oktober hat sich alles bewahrheitet, was die MLPD dazu analysiert hat.

 

Mit ihrer Aufforderung, aus der IG Metall auszutreten und sich nicht an der Protestaktion der IG Metall zu beteiligen, zeigte die ultrarechte und faschistoide Gruppierung „Zentrum Autmobil e. V." ihren arbeiterfeindlichen und spalterischen Charakter.

 

Auf den Versammlungen in Untertürkheim haben am Vor- und Nachmittag Kolleginnen und Kollegen am offenen Mikrofon aufgerufen, hierzubleiben und über weitergehende Kampfmaßnahmen zu beraten und abzustimmen! Die Reden wurden zum Teil von Hunderten aufmerksam verfolgt. Letztlich haben die Kolleginnen und Kollegen die Arbeit zunächst wieder aufgenommen. Gabi Fechtner, Parteivorsitzende der MLPD, erklärte dazu: „Der Donnerstag war ein deutliches kämpferisches Signal der Daimler-Arbeiter, zu dem ich herzlich gratuliere. Zweifellos war das erst der Auftakt zu einem langen Kampf, der sich noch steigern wird. Der Tag zeigte auch, dass sich die Arbeiter auf die MLPD verlassen können. Die Betriebsgruppen der MLPD vermitteln das Know-how, wie man heute Kämpfe erfolgreich führen kann. Die ganze MLPD organisiert die Solidarität oder auch Verbindungen zu den ver.di-Streiks und zur Umweltbewegung, gegen die wir uns nicht ausspielen lassen." Mittlerweile nehmen kämpferische Aktionen der Industriearbeiter, aber auch im Öffentlichen Dienst gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Arbeiterklasse und die Massen zu. Der Kampf der Daimler-Arbeiter hat dabei große Bedeutung für den Weg zur Arbeiteroffensive.

 

Das Vertrauensverhältnis einer wachsenden Zahl von Kolleginnen und Kollegen zur MLPD ist gewachsen. Immer mehr Beschäftigte wurden zunehmend mit gezielt geschürten antikommunistischen Vorbehalten fertig. Der Gesamtbetriebsrat von Daimler hatte in einem Flugblatt gegen die MLPD gehetzt, die angeblich Kapital aus der Auseinandersetzung schlagen wolle. Damit unterstellt er, dass die MLPD Ziele verfolgt, die den Interessen der Arbeiter und ihrer Familien entgegensetzt sind. Dabei hat die MLPD seit ihrer Gründung 1982 und davor bewiesen, dass sie in Wort und Tat nur den Interessen der Arbeiterklasse verpflichtet ist, sowohl in Tagesfragen als auch den künftigen Interessen, einer Gesellschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Natur! Das kann man sicher nicht von rechten reformistischen Gewerkschaftsführern sagen, die in Aufsichtsräten sitzen, sich mehr Sorgen über die Bilanzen und Aktienkurse machen als über die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen. Deshalb ist die massenhafte Diskussion und Verankerung der Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“ auch der Schlüssel für den weiteren konzernweiten Kampf bei Daimler. Die beste Vorbereitung darauf ist die Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD!

 

Hier geht es zur Homepage der Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!"