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Kämpferische Bürgerversammlung bereitet Demonstration gegen Krankenhausschließungen vor

Auf großes Interesse war die Bürgerversammlung des Internationalistischen Bündnisses Essen-Mülheim gegen die Schließung von Marienhospital und St.Vincenz-Krankenhaus unter vielen Anwohnern gestoßen. Die Teilnehmer solidarisierten sich mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen des ÖPNV, auch wenn deswegen manche nicht kommen konnten.

Korrespondenz
Kämpferische Bürgerversammlung bereitet Demonstration gegen Krankenhausschließungen vor
Protestkundgebung gegen Klinik-Schließungen am 13.07.20 auf dem Burgplatz (foto: Bodo Urbat)

Lebhaft wurde diskutiert, warum überhaupt und in Corona-Zeiten notwendige und wohnortnahe Krankenhäuser geschlossen werden sollen. Viele Menschen aus dem Essener Norden schätzten die kleineren Kliniken mit ihrer zum Teil familiäreren Atmosphäre, in der sie sich gut aufgehoben fühlten. Dem Gesundheitskonzern Contilia geht es um höheren Profit statt um die Bedürfnisse der Menschen, denn stationäre Versorgung und Pflege ist im Kapitalismus nur „Kostenfaktor“.

 

Eine Übernahme in städtische Hand mit einem Bürgerbegehren wird weder Betten noch Arbeitsplätze retten. Statt mit Geldern aus dem „Strukturfonds“ von Bundes- und Landesregierung die Schließung von Abteilungen in Krankenhäusern oder ganzer Standorte zu subventionieren, müssen die vorgesehenen Investitionen zu 100% statt zu 45% in die Kliniken. Es ist sicher kein Zufall, dass das Marienhospital jetzt vorzeitig geschlossen wurde, nachdem Ende September die gesetzlichen Zusatzgelder für jedes Bett wegen der Corona-Pandemie ausgelaufen sind.

 

Gegenüber den Beschäftigten hat die Contilia von Anfang an eine menschenunwürdige Behandlung und Spaltungspolitik betrieben. Einige erfuhren aus der Presse von den Schließungsplänen oder wurden schnell in die Tochtergesellschaft „Perse“ mit Niedriglohn abgeschoben. „Nach meinem Urlaub stand ich auf einmal vor der geschlossenen Abteilung und mir wurde gesagt, ich solle neue Arbeit suchen“, erzählte eine empörte Kollegin. Ältere bekamen zu hören, dass „sie nicht mehr interessant sind“, während jüngere in andere Krankenhäuser, auch von Contilia, abgeworben wurden. Jetzt schon sind die Folgen der Schließung des Marienhospitals spürbar. Im Elisabeth-Krankenhaus finden nun täglich Geburten von der Stange statt. Einer Frau wurde nach 1,5 Stunden eine Spritze zur Geburtsbeschleunigung verabreicht, weil der Platz im Kreißsaal gebraucht würde!

 

Die Bürgerversammlung war sich einig: Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass die Bedürfnisse und Gesundheit der Menschen aufgrund der Profitlogik mit Füßen getreten werden. Wir brauchen eine wohnortnahe stationäre Gesundheitsversorgung und jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz zu guten Bedingungen! Es wurde beschlossen, breit für eine Kundgebung und Demonstration am Samstag, dem 31. Oktober 2020, um 11 Uhr in Altenessen (vor Allee-Center) mit Flyern und Plakaten zu werben. Am 20.10. werden um 16.30 Uhr (Karlsplatz) Plakate gemalt und um 18.30 beim nächsten Treffen die Durchführung der Aktion besprochen.