Aktion bei Bosch Bamberg

Aktion bei Bosch Bamberg

„Wir sind die Region, weil ... wir die Zukunft in die Hand nehmen!“

"Wir sind die Region, weil ... wir die Zukunft in die Hand nehmen!" Unter diesem vielversprechenden Motto rief die IG Metall Bamberg die Bosch-Belegschaft zur Teilnahme an der bayernweiten Aktionswoche gegen die drohende Arbeitsplatzvernichtung auf.

Korrespondenz

Ganze 270 Kolleginnen und Kollegen von ca. 7000 nahmen an der Protestaktion am Tor teil. Warum so wenige? Konnten nicht mehr mobilisiert werden? Die Gesprächsbereitschaft und 30 Broschüren „Kapitalismus ist Krise - WIR SIND DER FORTSCHRITT!", die von Hand zu Hand gingen, sprechen eine andere Sprache.

Kapitalismus ist Krise - Wir sind der Fortschritt!

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Nein, laut dem neuen IG-Metall-Sekretär waren nur diese 270 aufgerufen worden. Sie stellten, in grünen Warnwesten gekleidet, den Anteil von Arbeitsplätzen für die geplante Produktion der Brennstoffzelle für den Wasserstoffantrieb dar.

 

Diese gesteuerte Mobilisierung untergräbt den guten Gedanken dieser Aktionswoche, die verschiedenen Belegschaften zusammenzuschließen, die Kraft zu bündeln gegen die aggressiven Angriffe auf die Arbeitsplätze.

 

In seiner kurzen Rede pries der IG-Metall-Sekretär den im letzten Jahr abgeschlossenen Vertrag zwischen Betriebsrat und Bosch: Den sogenannten Standortsicherungsvertrag. Bis 2026 keine betriebsbedingten Kündigungen. Aber in der Zeit sollen sozusagen „sozialverträglich“ 1500 bis 2000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Und es soll eine Arbeitszeitverkürzung um 10 Prozent geben - ohne Lohnausgleich.

 

Soll dieser Vertrag ein Prototyp sein für den angestrebten „Fairwandel statt Zukunftsangst!?“ Nach den Äußerungen von Kolleginnen und Kollegen zu schließen, wird es da noch heftige Auseinandersetzungen innerhalb der Gewerkschaft geben. Viele sehen ihn sehr kritisch.

 

So sagte eine Kollegin: „Wir haben so lange um die 35-Stunden-Woche bei Lohnausgleich gekämpft und jetzt stimmen die drei Stunden weniger Arbeit bei Lohnverlust zu. Wo führt das hin?“ Ein Kollege sagt: „Ich mache mir Sorgen um meine Kinder, wo sollen die arbeiten?“

 

Auf die 30-Stunden-Woche angesprochen, stutzen viele erstmal. Und erst nach dem Zusatz, „bei vollem Lohnausgleich“, folgt ein: „Ja dann schon“. Es gibt aber auch viele Zweifel: „Aber das werden wir nicht bekommen. Wie sollen wir das durchsetzen“.

 

Es gibt auch viel Aufgeschlossenheit für die ver.di-Kolleginnen und -Kollegen im Streik. Einer sagt, „die Pflege meiner Oma ist doch genauso viel wert wie das Auto, für das wir produzieren, aber die bekommen viel weniger Geld“. Da sind wir ganz schnell dabei, dass die Gesellschaft ganz grundlegend anders organisiert werden muss. Ich werfe ein, dass ich deshalb Marxistin-Leninistin bin.

 

Die Diskussionen mit den Kolleginnen und Kollegen zeigen, die Diskussionen um den richtigen Weg gegen die Arbeitsplatzvernichtung ist eine Richtungsentscheidung, weit über diese Frage hinaus.