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Betriebsratsvorsitzender im Werk East London / Südafrika erklärt deutschen Kollegen die Solidarität

Die Solidarität mit den von massiver Arbeitsplatzvernichtung und Werksschließungen betroffenen Kolleginnen und Kollegen bei Daimler äußert sich nicht nur in Leserbriefen in den regionalen Zeitungen oder der Berichterstattung bei "Rote Fahne News" sondern auch in Solidaritätserklärungen, die mittlerweile von überall aus der Welt kommen.

Von Korrespondenzen / wb / ffz
Betriebsratsvorsitzender im Werk East London / Südafrika erklärt deutschen Kollegen die Solidarität
Kämpferische Demonstration bei der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz am 28. Februar 2020 in East London/Südafrika (rf-foto)

So wird aus Südafrika berichtet

"Kollegen und Unterstützer der Automobilarbeiterkonferenz in Südafrika sind sehr dankbar über die Informationen der Internationalen Automobilarbeiter-Koordinierung (IAC) und reagieren empört. Sie wollen den Aufruf der IAC zur Solidarität als Flyer bei Daimler in East London verteilen. Sie berichten ihrerseits über Pläne, die noch nicht offen auf dem Tisch sind, aber schon durchsickern.

 

Auch der Betriebsrat war über die Angriffe in Deutschland nicht informiert. Der Vorsitzende Phumlani Ndamene erklärt den deutschen Daimler-Arbeitern seine Solidarität und wird das in der Belegschaft in East London bekannt machen. Er berichtet von geplantem Arbeitsplatzabbau in der Verwaltung. Wegen der Zusage des C-Klasse Nachfolgemodells dürfe man sich nicht in Sicherheit wiegen: „Wir können Daimler nicht vertrauen.“

 

Fast wortgleich zu den Plänen in Deutschland wird auch in Südafrika seitens Daimler davon gesprochen, die Kosten senken und sich auf das sogenannte „Kerngeschäft“ konzentrieren zu wollen. Das ist eine Beschönigung drohender Auslagerungen zur Arbeitsplatzvernichtung, z. B. vom Frontend (Bauteilgruppe an der Fahrzeugfront) aus der Montage an Zulieferer.

 

Mit dem Nachfolgemodell der C-Klasse ab Juni 2021 will Daimler die Flexibilität weiter erhöhen und die Linien schneller laufen lassen. „Mit weniger Kollegen soll die gleiche Zahl an Autos gebaut werden, um mehr Profit zu machen“, so ein Kollege.

 

Ein Genosse der ICOR¹-Partei CPSA-ML (Kommunistische Partei Südafrika - Marxisten-Leninisten) berichtet, dass vermehrt Angriffe auf Werksverträgler bei Auto-Zulieferern laufen. Die kämpferischen Kollegen des IAC-Komitees in East London, in dem die CPSA-ML mitarbeitet, mobilisieren Kollegen von Daimler und Werksverträgler zu einem gemeinsamen Treffen, um die ganze Entwicklung zu diskutieren und enger zusammenzuarbeiten."

Daimler: Vom Öko-Saulus zum Paulus?

Ein Korrespondent aus Stuttgart schreibt: ""Daimler zog viele Jahre die öffentliche Kritik wegen der vom 'Vorzeigeunternehmen' betriebenen (und lange geleugneten) Abgasmanipulation auf sich. Auch kann keine Rede davon sein, dass der Konzern den Umstieg auf die Elektromobilität 'verschlafen' hätte. Vielmehr war es eine bewusste Entscheidung des Vorstandes unter Dieter Zetsche, der die hohen Investitionskosten im Hinblick auf die Aufhol- und Rekordprofit-Jagd vermeiden wollte. Doch jetzt scheint der neue Daimler-Chef Ola Källenius 'begriffen' zu haben, dass es gilt, die Umwelt zu retten. Doch das ist ein Trugschluss: Das einzige, was Källenius 'begriffen' hat, ist dass ein Automonopol heute im internationalen Konkurrenzkampf nicht mehr an die Spitze kommen kann, wenn es nicht auf E-Mobilität setzt.

 

Sollen deshalb bis zu 30.000 Arbeitsplätze vernichtet und die Produktion im Stammwerk Untertürkheim geschlossen werden, weil 'ein Kampf gegen den Verbrennungsmotor' geführt wird – wie von der faschistoiden Betriebsorganisation 'Zentrum Automobil' angeprangert? Tatsache ist, dass die Verbrenner vor allem nach Osten verlagert werden sollen, wo die Löhne niedriger und die Profite höher sind.

 

Auch muss man genauer hinschauen, was den Vorstand reitet: 'Wir streben bei Mercedes-Benz nichts weniger als die Führung im Bereich der Elektromobilität und Digitalisierung .. an'.² Für den Kampf um die Weltmarktführerschaft soll die Umsatzrendite von derzeit 3,6 auf 20 Prozent gesteigert werden – auf Kosten der Arbeitsplätze und Umwelt! Wer davon ablenkt und die Umweltbewegung verantwortlich macht, wie Zentrum, unterstützt in Wirklichkeit Daimlers Pläne!

 

Im Streitgespräch³ verkauft der Daimler-'Außenminister' Eckardt von Klaeden: Daimler wolle 'bis 2030 über 50 Prozent batterieelektrische Fahrzeuge verkaufen', wozu er auch die schweren, umweltschädlichen Hybrid-PKW zählt. Dann aber schiebt er den Regierungen den schwarzen Peter zu, die für zu wenig Ladestationen und regenerativ gewonnenen Strom sorge, um dann zur weltanschaulichen Attacke überzugehen. 'Ich sehe eine große Gefahr für die Industriearbeitsplätze, wenn die Klimadebatte vermischt wird, mit einer anderen Debatte, in der eine ideologische De-Automobilisierung gefordert wird'.

 

Wie krank ist das denn? Ein Monopolvertreter heuchelt seine Sorge um die Arbeitsplätze, die er mit seinen Plänen gefährdet. Um von der eigenen bürgerlichen Ideologie abzulenken, die die Profitmaximierung zum Preis der Zerstörung der Arbeitsplätze und der Umwelt als alternativlos rechtfertigt, unterstellt er der Weltanschauung, die für die Einheit von Mensch und Natur eintritt, zerstörerische Motive!

 

Schon Karl Marx hat Adam Smith, den führenden bürgerlichen Ökonom seiner Zeit kritisiert, dass er nur die 'Teilung der Arbeit, als die einzige Quelle des stofflichen Reichtums' betrachtet. 'Während er hier das Naturelement gänzlich übersieht, verfolgt es ihn in die Sphäre des nur gesellschaftlichen Reichtums, des Tauschwerts'.⁴ Die MLPD hat aus der kritisch- und selbstkritischen Beschäftigung mit der Umweltfrage in der Arbeiterbewegung den Schluss gezogen: 'Der Kampf um das Leitbild einer proletarischen Produktions- und Lebensweise, die allein die nachhaltige Einheit von Mensch und Natur gewährleisten kann, bekommt erstrangige Bedeutung für die gesamte sozialistische Gesellschaft'.⁵"

Der folgende Leserbrief von Christiane Kasprik aus Tailfingen ist am Freitag, 16. Oktober, im Zollern-Alb-Kurier erschienen:

"Von Stuttgart bis Mettingen beteiligten sich am 8. Oktober mehrere Tausend Daimler-Beschäftigte aus vier Werken an Informations- und Protestversammlungen der IG Metall. Wohl gemerkt: In der Arbeitszeit. Das ist gut so und ein erster Schritt, der auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Eine etwas breitere Berichterstattung darüber wäre durchaus angemessen gewesen. Denn, was ist los bei Daimler?

 

Am 23. September wurden Pläne des Vorstands zur Schließung von Standorten und zum weiteren massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland bekannt. Erst im Juli war in einer Eckpunkte–Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 zugesichert worden. Und jetzt? Auf solche Vereinbarungen kann man in Zukunft verzichten.

 

Hintergrund des Ganzen ist eine 'neue Mercedes-Benz-Strategie'. Daimler will Weltmarktführer in der E-Mobilität und Digitalisierung im Luxussegment der Personenwagen werden und sich dabei strikt auf die Erhöhung des Maximalprofits konzentrieren. Die Umsatzrendite soll künftig 'zweistellig sein', bei 'ungünstigen Bedingungen' wenigstens 'im mittleren bis hohen einstelligen Bereich' liegen. Die Arbeiter und Zulieferer auch in der Region werden darunter zu leiden haben. Das Manager-Magazin geht bei Daimler von einem Abbau von mindestens 30.000 Arbeitsplätzen aus (6. Oktober 2020). In Untertürkheim bis 2025 4000, in Sindelfingen rechnet man mit 4000 und einer weiteren Flexibilisierung mit Samstagsarbeit. In Düsseldorf sollen ab November 1300 befristete Mitarbeiter gehen, in Sirnau (Esslingen) und Berlin-Marienfelde Werke geschlossen werden usw. Einigkeit macht stark – dieses Motto der Gewerkschaftsbewegung gilt in so einer Situation erst recht."