"Antideutsche"

"Antideutsche"

Jeder blamiert sich, so gut er kann …

Rund zwei Jahre hat es gedauert, bis eine „Antwort“ des „antideutschen“ Lagers auf die Polemik der MLPD erfolgte. Sie wurde angeblich in einer Auflage von 20.000 gedruckt und an die Kontaktadressen der MLPD geschickt - natürlich all das strikt kostenlos für die Empfänger. Das folgte immerhin der realistischen Selbsteinschätzung, dass für dieses platte und peinliche Machwerk kaum jemand irgendetwas bezahlt hätte.

Von Jörg Weidemann
Jeder blamiert sich, so gut er kann …

Herausgegeben wurde das Heft von einer angeblich in Mannheim existierenden Gruppe namens „Gewantifa“.¹ Es trägt den hochtrabenden Titel: „Kritik an der MLPD: Deutscher Nationalismus mit kommunistischer Maskerade“.

 

Sie spekulieren auf die Unkenntnis der Leserinnen und Leser. So „enthüllt“ Gewantifa, dass auf dem Titelbild der Roten Fahne 6/2016 im Zusammenhang mit Wohnungsspekulanten eine Heuschrecke abgebildet wurde. Sensationell! So etwas war – so die Gewantifa-Leute - „schon immer die Vorstufe oder oft direktes Einfallstor für die judenfeindliche Vorstellung ..., dass die Juden angeblich die Zirkulationssphäre beherrschen. Gerade die Metapher der Heuschrecken, die auch von der IG Metall und von ver.di benutzt wurde, stammt aus dem festen Arsenal der nazifaschistischen Propaganda …“ (Seite 6/7)

 

Dass die Heuschreckenplage schon im Alten Testament ihre Erwähnung findet, scheint unseren „Antideutschen“ entgangen zu sein. Kritisiert wurden in der Roten Fahne auch keine Juden, sondern die größten deutschen Wohnungsmonopole Vonovia, Deutsche Wohnen, Grand City usw. Unsere Musterkommunisten verstecken sich hinter einem abstrusen Antisemitismusvorwurf gegenüber der MLPD. In Wahrheit nehmen sie das allein herrschende internationale Finanzkapital in Schutz. Es ist eben nicht spezifisch jüdisch, wie sie in ihrer verqueren Denkweise offenbar annehmen.

 

Weiter geht's: Angeblich würde die MLPD die „deutschen Arbeiter“ glorifizieren, und zwar, weil sie es ablehnt, wenn die Arbeiter in Deutschland pauschal “als faschistisch verunglimpft“ werden. O-Ton Gewantifa: „An dieser Stelle wollen wir hervorheben, dass in den großen Industriebetrieben ja nun wahrlich die Masse der Arbeiter*innen nicht im Sinne der MLPD ‚Biodeutsche‘ sind. Deren Eltern oder sie selbst wurden vielmehr aus anderen Ländern als billige Arbeitskräfte für die gröbsten Arbeiten angeworben und eingesetzt. Eine große Menge der sogenannten ‚deutschen Arbeiter‘ sind Vorarbeiter und Meister.“

 

Volltreffer! Nur spricht die MLPD gar nicht von einer „deutschen Arbeiterklasse“, sondern von der Arbeiterklasse in Deutschland. So heißt es im Parteiprogramm der MLPD ausdrücklich: “Die Arbeiterklasse in Deutschland, die sich aus Menschen unterschiedlicher nationaler Herkunft zusammensetzt, trägt die Hauptlast der Ausbeutung und Unterdrückung und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.“ (S. 43) Wer lesen kann, ist wieder einmal klar im Vorteil.

 

Natürlich gibt es auch faschistische Einflüsse in der Arbeiterschaft, denen die MLPD konsequent entgegentritt. Diese Einflüsse gibt es unter Arbeitern deutscher Nationalität, aber nicht nur. Hat man bei Gewantifa noch nie etwas von den Grauen Wölfen, den militanten Anhängern der faschistischen türkischen MHP-Partei gehört oder von nationalistisch verhetzten AKP-Anhängern?

 

Und auf die Idee, das Gros der deutschstämmigen Arbeiterinnen und Arbeiter wäre Vorarbeiter und Meister, kann wirklich nur jemand kommen, der in seinem Leben noch keinen Betrieb von innen gesehen hat.

 

Wer nicht in den Chor dieses „antideutschen“ Unsinns einstimmt, ist für diese Leute mindestens „deutsch-nationalistisch“. Damit erübrigt sich dann auch jeder sachliche Nachweis.

 

Wer, wie die MLPD, darauf hinweist, dass zeitweise 20 Millionen Deutsche in der einen oder anderen Weise Flüchtlinge unterstützt hatten, begeht eine an „Wahn grenzende Fehleinschätzung“. Entschuldigt, liebe Leute, wir können nichts dafür: Es ist einfach eine objektive Tatsache – hinreichend dokumentiert. Aber es ist typisch für „Antideutsche“, dass jede Art von Dialektik für sie etwas völlig Fremdes ist. Ja, es gibt eine Rechtsentwicklung der Regierung, der Medien, der bürgerlichen Parteien, der Politik. Und ja, das hat auch Spuren unter der Bevölkerung hinterlassen. Aber es gibt vor allem einen fortschrittlichen Stimmungsumschwung unter den Massen, der sich dem entgegenstellt, der sich sogar aktuell wieder deutlich belebt.

 

Das peinliche Pamphlet kommt im Stile einer angeblichen Insiderinformation daher. Die vermeintlichen Insider bekennen in der Broschüre: „Ja, wir schämen uns. Es ist zwar schon länger her, aber dennoch gehörten wir eine Weile zu den Anhängerinnen dieser Organisation mit dem Namen MLPD. Im Nachhinein überlegt man, wie das passieren konnte! So genau haben wir das bis heute nicht verstanden.“ Dazu bleibt nur zu sagen: Wer so wenig Ahnung hat, bei dem bezweifeln wir ernsthaft, dass er oder sie jemals Anhänger oder Mitglied der MLPD gewesen ist!

 

Besonders getroffen hat die „Antideutschen“ übrigens der Hinweis in der Broschüre der MLPD, dass die Führer dieser wenige Hundert Menschen umfassende Strömung „obskure Handlanger von Staaten und Geheimdiensten aus Deutschland, Israel und den USA“ sind.

 

Das sei natürlich mindestens „absurd“. Konkret wird es natürlich verteidigt, wenn der bürgerliche Staat die „Antideutschen“ finanziert. So hatte die MLPD-Broschüre unter anderem aufgedeckt, dass die „antideutsche“ Konferenz „Das Gegenteil von gut – Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968“ nicht nur von der hessischen Landesregierung, sondern auch vom Bundesfamilienministerium - dem Hauptfinanzier der antifaschistisch verbrämten Antikommunismus-Arbeit - gefördert wurde.

 

Genau diese Konferenz wird von Gewantifa jetzt noch einmal in den höchsten Tönen gelobt und es wird gejammert: „Die MLPD spuckt Gift und Galle gegen eine Konferenz“. (S. 9) Das ist auch das mindeste, dass man seine staatlichen Sponsoren nicht im Regen stehen lässt gegen Kritiken der MLPD. Wer weiß: Irgendwo her muss das Geld für die 20.000 verteilten Broschüren ja gekommen sein ...

 

Wer mehr über die Antideutschen wissen möchte, dem empfehlen wir für 1,50 Euro, ggf. zuzüglich Porto, die Broschüre „‘Antideutsche‘ – links blinken, scharf rechts abbiegen …“.

 

Hier gibt es die Broschüre!