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Beugehaft für Schüler?!

Eine absurde Szenerie spielt sich an einer Gelsenkirchener Berufsschule ab. Beamte des kommunalen Ordnungsdienstes der Stadt Gelsenkirchen patrouillieren in Zivil und kassieren die Schüler ab, die untereinander nicht zwei Meter Abstand halten oder mit mehr als fünf Personen zusammenstehen.

Korrespondenz
Beugehaft für Schüler?!
(foto: mattthewafflecat / Pixabay)

Nun ist es ja durchaus richtig, dass man in der aktuellen Corona-Situation nicht zu eng zusammenstehen sollte. Aber die wenigsten machen das aus Absicht. So, wie es jetzt gemacht wird, wird daraus eine schnelle Abzocke. 50 Euro Strafe gibt es beim ersten Vergehen, beim zweiten Mal 150 Euro und ab dann auch 500 Euro, sogar bis hin zur Beugehaft. Das droht der Schulleiter in einer E-Mail den Schülern an, die sich nicht an die Coronaschutzbestimmungen halten - mit dem Hinweis, er sei „in der Hoffnung, einen gemeinsamen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten“.

 

Ehrenvoll und um das Wohl der Schüler besorgt, könnte man meinen. Vermutlich wird aktuell aber ausschließlich ein gemeinsamer Beitrag zur Füllung der Stadtkasse geleistet. 100 Meter weiter vom vermeintlichen Ort des Verbrechens vor dem Schulgelände, sitzen 26 Schüler plus Lehrer im Klassenraum auf 10 m² bei dem Versuch, einen normalen Unterricht zu gestalten. Der Abstand zwischen den Schülern hier beträgt wohlgewollte 50 Zentimeter, aber es tragen ja alle Masken.

 

Diese „hochwertigen“ Stoffmasken sind nach zwei Stunden durchgeweicht und schützen nicht mehr vor Viren. Aber wenigstens halten sie Mund und Nase warm vor dem kalten Wind, der durch die geöffneten Fenster kommt. Wozu die Schule sich eine Software angeschafft hat, um den digitalen Unterricht gewährleisten zu können, aber dann nicht benutzt, weiß von den Schülern und den meisten Lehrern keiner. Umsonst war die sicherlich nicht. Es zeigt sich aber, dass die Schüler und Teile der Lehrerschaft diese Bedingungen nicht hinnehmen wollen.

 

Nachdem schon die halbe Schule in Quarantäne musste und Zwischenprüfungen verschoben werden mussten, empfinden die Schüler die Haltung: „Wir machen weiter wie bisher und gucken was kommt“ als eine unverschämte Unterschätzung der gesundheitlichen Risiken und Ignoranz gegenüber ihrer Sorge, ob sie ihren Schulabschluss erfolgreich erreichen. Die Schüler haben zuletzt durch die Fridays for Future-Proteste bewiesen, dass sie wenn es wichtig ist eben nicht „abwarten“, sondern ihre Meinung auch auf die Straße tragen. Dass hier die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen und nicht die Interessen der Schüler, ist vielen bewusst. Und dass in den neuen Konzepten von Bund und Ländern Maßnahmen für die Schulen, Kitas und Betriebe der Industrie nicht erwähnt werden, überrascht jetzt nicht so wirklich. Auf der Berufsschule in Gelsenkirchen wird deshalb bereits heftig diskutiert. Ob das Taschengeld der Schüler reicht um die Wirtschaftskrise zu lösen, bleibt abzuwarten!