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Kampf um Arbeitsplätze und Gesundheitsschutz – zwei Seiten einer Medaille!

In der VW-Region entwickelt sich seit längerer Zeit eine wichtige Bewegung von Automobilarbeitern und ihren Familien. Sie kämpft gegen "stille" Entlassungen und hat schon Erfolge erzielt.

Korrespondenz
Kampf um Arbeitsplätze und Gesundheitsschutz – zwei Seiten einer Medaille!
(rf-foto)

Entlassene Kolleginnen und Kollegen von Sitech und VW, das VW-Komitee, Angehörige, Unterstützer von MLPD und Linkspartei, Frauenverband Courage, sowie Gewerkschafter von ver.di verteilten zum Schichtwechsel an fünf Toren die Erklärung „Hannoveraner VW- und Sitech-Arbeiter und ihre Familien klagen an: Es reicht - Arbeitsplatzabbau ohne Rücksicht auf Familien und die Zukunft unser Kinder!"

 

80 Prozent der Kolleginnen und Kollegen nahmen interessiert den Flyer. Viele sind empört über das Vorgehen von VW. Ein Teil der Kollegen spürt, dass das erst ein Anfang ist, und auch auf sie noch mehr zukommt. In dem Flyer heißt es: „Wir wehren uns und haben uns im VW-Komitee organisiert. Wir möchten alle Belegschaften ermutigen, den Kampf um Arbeitsplätze aufzunehmen. Auch kleine Bäche können zum reißenden Strom werden, der stärker ist als die Machenschaften der Großen. Wenn wir uns solidarisieren und zusammenkommen!“

 

Nach dem Verteilen gab es eine kämpferische Kundgebung vor dem VW-Werk. Ein entlassener Kollege berichtete: „Wir werden hier auf deutsch gesagt wie Dreck behandelt. Es wird Druck von oben gemacht, der Krankenstand expoldiert, was machen sie - sie holen neue Leiharbeiter.“

 

Die Abwälzung der Krisenlasten der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und der Coronakrise auf die Arbeiter und auf die Familien beschleunigt sich. Der Kurs von VW spiegelt sich in Steigerung der Ausbeutung und Aushebelung der Gesundheitsschutzmaßnahmen wider. Aus Profitgründen wurden seit Anfang des Jahres 1000 Arbeiter bei VW Hannover entlassen. Um jetzt wieder 300 neue Leiharbeiter einzustellen.

 

Aus Profitgründen zählt bei VW Hannover gerade nur die Stückzahl. Während man in seiner Freizeit nur noch mit Personen aus einem weiteren Haushalt treffen soll, gelten in der Produktion am Band andere Maßstäbe, dort arbeiten mehrere Kollegen dicht an dicht. Die Produktion wurde wieder voll hochgefahren. Maßnahmen, die den Profit behindern, wie Schichtentkopplung, verlängerte Pausen für Reinigungszeiten für Werkzeuge oder Pausenräume wurden wieder abgeschafft.

 

Arbeitshetze und Druck steigen. Der Krankenstand steigt massiv, in manchen Abteilungen bis zu 30%. Ein Stammbeschäftiger meinte: „Dass ihr fehlt, merkt man, die Arbeitsbelastung wird mehr, bis Ende des Jahres machen wir Mehrarbeit am Samstag teilweise freiwillig, teilweise Nachholschichten.“ Vom Kreisverband der Linken sprach Parwaneh Bokah, sie drückte ihre Solidarität mit dem Kampf aus und meinte, dass die Linkspartei hinter den Arbeitern steht.

 

Brunhild Koepsell von der MLPD sagte, wie wichtig es ist, sich zusammenzuschließen und nicht spalten zu lassen.