"Gib Antikommunismus keine Chance!"

"Gib Antikommunismus keine Chance!"

Internationalismus Live-Veranstaltung der MLPD mit Müslüm Elma in der Horster Mitte

Gestern fand eine hochinteressante, bewegende und ermutigende Veranstaltung mit 100 Teilnehmern in der Horster Mitte statt. Sie stand unter dem Thema: „Gib Antikommunismus keine Chance – Müslüm Elma – Angeklagter und Kämpfer im Münchener Kommunistenprozess kommt in die Horster Mitte.“

Von hodo
Internationalismus Live-Veranstaltung der MLPD mit Müslüm Elma in der Horster Mitte
Das Podium: Müslüm Elma (links) und Gabi Fechtner (rechts); Moderation Peter Weispfenning (Mitte) (rf-foto)

Die Veranstaltung musste unter strengen Corona-Auflagen duchgeführt werden, wozu alle Besucher umsichtig beitrugen.

 

In ihren einleitenden Worten würdigte die Parteivorsitzende Gabi Fechtner Müslüm Elma für seine beispielhafte unbeugsame Haltung: Trotz 22 Jahren Haftstrafe in der Türkei und fünf Jahren Haft in Deutschland mit dabei erlittener physischer wie psychischer Folter hat er nie den Kampf für den Sozialismus aufgegeben! Er ist ein Kämpfer gegen den Antikommunismus mit einer festen marxistisch-leninistischen Weltanschauung. Müslüm Elma sagte dazu auf Nachfrage im Laufe der Veranstaltung, dass er Kraft daraus gezogen hat: „Wenn wir im Kopf klar haben, wofür wir kämpfen, dann sind wir nie alleine.“

 

Die Tatsache, dass Müslüm Elma und seine neun Mitgefangenen wieder frei sind, geht maßgeblich auf die gemeinsame Solidaritätsarbeit des Internationalistischen Bündnisses und der Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“ zurück. Sowohl die MLPD als auch die Konföderation der Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Türkei in Europa (ATIK) sind aktive Träger des Bündnisses.

 

Gabi Fechtner führte aus, dass der Antikommunismus die Massen bei ihren berechtigten Kämpfen um ein Leben ohne Ausbeutung und Unterdrückung desorientieren, demoralisieren, desorganisieren und einschüchtern will, und dass wir dagegen in die Offensive gehen. Nicht um uns zu rechtfertigen, sondern um zum Angriff auf den reaktionären Charakter des Antikommunismus und des imperialistischen Systems übergehen zu können.

 

Ohne einen konkreten Tatvorwurf, allein wegen angeblicher Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei der Türkei (Marxistisch-Leninistisch) (TKP/ML) war er - wie die anderen neun Angeklagten Genossen - inhaftiert worden. Müslüm Elma erlitt fünf Jahre Isolationshaft in deutschen Gefängnissen.

 

Aber so, schilderte er: „Wir haben uns in keiner Weise dadurch von unserer marxistisch-leninistischen Weltanschauung abgewendet. Unsere größte Waffe ist, dass wir für eine gerechte Sache kämpfen“. Eine Kollegin, die am Prozess teilnahm, berichtete, wie Müslüm Elma mit erhobener Faust in den Prozesssaal kam und den Richtern die Kinnlade herunter fiel. „Sie haben die Macht, so dass wir verurteilt wurden, aber es war klar, dass die Ankläger verloren hatten“, so Müslüm Elma. Denn der Versuch, einen großen antikommunistischen Schauprozess zu organisieren, misslang kläglich. Wenn Medien darüber berichteten, war das meist kritisch und nicht selten mit Sympathie für die Angeklagten - auch ein Erfolg überzeugender bewusstseinsbildender Argumente in der Solidaritätsbewegung.

 

Gabi Fechtner ging darauf ein, dass es kein Zufall ist, dass die herrschenden solche Angst vor einer unerschütterlichen proletarischen Weltanschauung haben: "Die proletarische Weltanschauung stellt die Klarheit über die notwendige Überwindung des ganzen kapitalistischen Systems her, noch bevor und damit diese Idee zur materiellen Gewalt wird. Nur mit systematischer Bewusstseinsbildung werden wir die Klarheit für die Solidarität gewinnen, die künftig noch an Bedeutung gewinnt. Und die Massen für den Kampf um den Sozialismus gewinnen können."

 

Eine jugendliche Besucherin: „Wenn ich überlege, bei welchen kleinen Schwierigkeiten wir schon manchmal jammern, dann können wir aus dieser Haltung sehr viel lernen“. Deutlich wurde in vielen Beiträgen, gerade von Arbeitern, Frauen  und Jugendlichen, wie auch hier der Antikommunismus unterdrückerisch wirkt.

 

Einen herzlichen und bewegenden Dank an die Teilnehmer der Veranstaltung überbrachte die Frau von Ismet Kilic. Ihr Mann war in Deutschland verhaftet worden und durch die gemeinsame Solidaritätsarbeit wieder freigekämpft worden.

 

Diskussionsbeiträge gingen auf die enge Zusammenarbeit des deutschen und des türkischen Imperialismus ein, auf die reaktionären Paragraphen 129a und b und forderten ihre Abschaffung. Weitere Beiträge betonten die Notwendigkeit, die  Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“ breit aufzubauen. Müslüm Elma trug sich auch in die Liste der öffentlichen Unterstützer der Bewegung ein.

 

In ihrem Beitrag ging Gabi Fechtner kurz auf die Einschätzung der MLPD von der Türkei als neuimperialistisches Land ein. Hierüber gibt es mit befreundeten türkischen und kurdischen revolutionären Organisationen einen wichtigen Diskussionsprozess. Die Türkei strebt aggressiv nach wachsender imperialistischer Macht. Die Zahl der türkischen Unternehmen mit Kapital in anderen Ländern ist nach Zahlen des türkischen Handelsministeriums von 5600 im Jahr 2002 auf 58.400 Unternehmen Ende 2017 gewachsen. Die Durchdringung der türkischen Konzerne mit dem internationalen Finanzkapital stieg sprunghaft.

 

Die Türkei hat mittlerweile Militärstützpunkte in fünf Ländern. Sie ist direkt oder indirekt an Kriegen und Bürgerkriegen in Syrien, Irak, Sudan, Jemen, Tunesien und westafrikanischen Ländern, Libyen, dem Libanon, sowie in der Region Bergkarabach beteiligt - zum Teil prägend.

 

Die Arbeiterklasse ist in der Türkei stark gewachsen und Teil des internationalen Industrieproletariats geworden.

 

Das Programm war eingerahmt von deutschen und türkischen revolutionären Liedern, zum Schluss wurde gemeinsam die Internationale gesummt. „Ein sehr bedeutender und lehrreicher Abend, über den man noch viel nachdenken muss“, so einige Besucher der Veranstaltung.