Flüchtlinge

Flüchtlinge

Wollen unbedingt arbeiten - jetzt von einem auf den anderen Tag gekündigt!

Adamou ist noch nicht sehr lange in Deutschland, er ist aus Afrika geflohen. Seine Frau wurde nach Ostdeutschland verlegt, er selbst muss in Baden-Württemberg leben.

Korrespondenz
Wollen unbedingt arbeiten - jetzt von einem auf den anderen Tag gekündigt!
Charles' Traumberuf: Maurer (foto: Nataliia Sydorova | shutterstock_296349248)

Er hat sich einen Job in der Industrie besorgt und dort im Akkord im Schichtdienst gearbeitet. Er zeigte mir kleine Videoclips von seiner Arbeit: rasend schnell und mit geringer Fehlerquote fertigt er Palette für Palette ab. Jeden Tag steigerte er die Anzahl. Es entstand schon Streit mit den Kollegen, weil er bald alle überholte.

 

Eines Tages bekam seine Frau das heiß ersehnte Kind – doch er konnte nicht zu ihr fahren, denn Urlaub nehmen in der Probezeit, das hätte die Kündigung bedeutet. Eine Belastungsprobe für die junge Familie. Es war ihm wichtig, dass er diesen Job behalten kann, damit er auf eigenen Füßen steht, sich integriert, für seine Familie sorgen kann.

 

Charles ist 18, hat sich mit seiner Schwester auf den Weg aus Afrika nach Deutschland gemacht. Kaum ist er mit den ersten Deutschkursen fertig, will er unbedingt in seinem Traumberuf arbeiten: Maurer! Er sucht eifrig und nimmt die zahlreichen bürokratischen Hürden, bis er endlich am 1. September seine Ausbildung beginnt. Zu Beginn nimmt er dafür jeden Tag 60 km Strecke je Fahrt in Kauf. Stolz schickt er Fotos seiner ersten Mauern und Türme, die schnurgerade in einer Halle nach oben wachsen. Ferien müssen ausfallen, denn die Ausbildung ist das Wichtigste.

 

Doch da ist die Wirtschaftskrise. Ein neuer Einbruch ist da, die zweite Welle der Corona-Pandemie ebenso. Diese Woche entschied die Regierung weitgehende Einschränkungen. Doch im Ergebnis werden die Krisenlasten auf die kleinen Leute abgewälzt, während die Industrie weiter produzieren darf.

 

Und was hat das ganze mit Charles und Adamou zu tun? Dienstag: Adamou erhält die Kündigung seines Arbeitsvertrags. 40 Flüchtlinge, die in den letzten Monaten dort ausgebeutet wurden, sitzen nun von heute auf morgen auf der Straße. Mittwoch: Charles erhält ebenso die Kündigung. Aus der Traum.

 

Doch beide reagieren - nach vielen solcher Erfahrungen - ähnlich: "Der Tag war schwer, aber ich werde nicht traurig sein. Es wird eine Lösung geben."

 

(Adamou und Charles haben in Wirklichkeit andere Namen; diese sind der Redaktion bekannt).