Umweltkampf in Südafrika:

Umweltkampf in Südafrika:

Bergbaukonzerne gehen über Leichen

Frau Fikile Ntshangase, 63 Jahre, wurde am 29. Oktober in ihrem Haus in Somkhele in der Provinz Kwazulu Natal mit mehreren Schüssen getötet. Sie war stellvertretende Vorsitzende der Umweltorganisation MCEJO. Diese kämpft für die Einstellung Bergbaus vor den Toren von Somkhele. Es liegt nahe, dass sie deswegen ermordet wurde.

Von Korrespondent aus Dortmund
Bergbaukonzerne gehen über Leichen
Südafrikanischer Kumpel((foto: Jan Truter / CC BY-NC-ND 2.0))

Die Gemeinde Somkhele hat einen mächtigen Feind: Die Tendele Coal Mining Ltd. Tendele hat dort die größte Zeche Südafrikas, denn hier liegen über 50 PROZENT der im Tagebau abbaubaren Steinkohle des Landes. Die Bewohner von Somkhele leiden unter Luftverschmutzung, Zerstörung der Dörfer, verunreinigtem Wasser und Wasserknappheit. Ohnehin ist die Gegend sehr trocken, was durch das Waschen der Kohle noch verstärkt wird. 2016 entfernte die Regierung auch noch fünf Wassertanks, so dass die Menschen kilometerweit laufen mussten, um Wasser zu holen oder sie mussten es von Schmugglern kaufen. Nach Zerstörung ihrer Lebensgrundlage bietet Tendele den Bauern Geld, und versucht so, sie zu vertreiben und zu spalten.

 

Ein Vorfall der leider Alltag ist: Die Massen im neuimperialistischen Südafrika sind betroffen von großer Armut, Arbeitslosigkeit, schlechter Infrastruktur, fehlenden Wohnungen und Häusern und der Willkür großer Monopolkonzerne. Immer wieder fällt der Strom aus. Die Benzinpreiserhöhungen der letzten Jahre und Monate treffen besonders die Menschen in den Townships, die weit zu ihren Arbeitsplätzen fahren müssen - was oft einen Großteil ihres Monatslohns auffrisst. Der aktuelle Präsident Cyril Ramaphosa ist Multimillionär und folgte im Amt auf den völlig korrupten Jacob Zuma.

 

Ein anderer Anführer der Umweltbewegung, Sabelo Dladdla, wurde im Mai 2020 in seinem Haus überfallen und attackiert. Sabelo und seine Familie mussten untertauchen. Schon im April wurden er und andere Bewohner der Gemeinde gewarnt, dass auf Menschen geschossen wird, die sich der Umsiedlung durch die Tendele-Kohlengrube widersetzen. Trotzdem sagt eine Mitkämpferin zur Ermordung von Frau Ntshangase: "Das wird uns nicht davon abhalten, unseren Kampf gegen den Bergbau auf unserem Land fortzusetzen. Unsere Entschlossenheit beruht darauf, eine starke Frau zu ehren. Sie war der Mittelpunkt unserer Gemeinschaft, unser Anker.“

 

Der Mord veranlasst nun die Umweltkämpfer von Xolobeni/Ostkap sich mit den Menschen in Somkhele/Kwazulu Natal zusammenzuschließen.

 

2016 wurde in Xolobeni Herr Sikhosiphi Rhadebe vor seinem Haus erschossen. Er war Anführer des Amadiba-Krisenkomitees (ACC), das seit Jahren gegen den Titanabbau in den Küstendünen durch ein australisches Unternehmen kämpft. Im Januar vor seiner Ermordung hatte Rhadebe auf einer Versammlung des Amadiba-Komitees gesagt: „Was mich betrifft, so werde ich mein Zuhause nicht verlassen. Ich werde hier sterben und begraben werden. Die Menschen in meinem Dorf sind es leid, seit den Angriffen draußen zu schlafen.“

 

In ihrem jahrelangen Kampf haben die im Komitee zusammengeschlossenen Gemeinden von Xolobeni die Regierung als Handlanger der Bergbaukonzerne durchschaut. Seit sie nicht mehr auf die leeren Versprechungen hereinfielen, wurden sie immer wieder bedroht und angegriffen. Die Polizei führt gewalttätige Razzien durch und schüchtert die Bewohner ein. Der jetzige Vorsitzende des Komitees, Sibusiso Mqadi sagt, dass die Menschen bereit seien, getötet zu werden, um Bergbauaktivitäten auf ihrem Land zu verhindern. "Als ACC-Mitglieder haben wir einen schmerzlichen Entschluss gefasst, dass sie uns am Ende des Tages nicht alle töten werden. Als Afrikaner glauben wir fest daran, dass, wenn eine Person getötet wird, ihr Geist in denen von uns weiterleben wird, die noch am Leben sind.“ Das Komitee werde dafür sorgen, dass seine Mitglieder nach Somkhele gehen, um gemeinsam zu kämpfen.