Gelsenkirchen

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Protest gegen Abschiebung unseres Freundes Amidou Keita in den Corona-Hotspot Italien

Heute, um 5.16 Uhr, wurde der 21-jährige Amidou Keita aus Mali aus der Flüchtlingsunterkunft Zollvereinstr. in Gelsenkirchen abgeholt, um ihn nach Italien abzuschieben.

Von Solidarität International (SI) Emscher-Lippe und Freundeskreis Füchtlingssolidarität in SI
Protest gegen Abschiebung unseres Freundes Amidou Keita in den Corona-Hotspot Italien
Amidous Freunde nahmen ihn in die Mitte und zögerten die Abschiebung so langer wie nur möglich hinaus (rf-foto)

Doch die Beamten der Ausländerbehörde und die rund 15 Polizeibeamten treffen auf Protest. 15 Freunde von Amidou hatten sich ab 3.40 Uhr versammelt, um gegen die Abschiebung zu protestieren: vom Freundeskreis Flüchtlingssolidarität, der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International, der MLPD, dem Jugendverband REBELL, Nachbarn, Arbeiter. Auch Jan Specht, Stadtverordneter von AUF Gelsenkirchen ist dabei. Sie brachten mit Masken, Abstand, Fahnen und Transparenten sowie Gitarre, Parolen und heißen Getränken ihre Solidarität mit Amidou zum Ausdruck.

 

Denn diese Abschiebung ist ein Skandal. Sie erfolgt in das Italien, das seit letzter Woche komplett als Risikogebiet eingestuft worden ist und wo kein Tourismus dorthin zugelassen ist. In das Italien, wohin schon andere Verwaltungsgerichte Abschiebungen nicht zuließen wegen unhaltbarer Zustände für Flüchtlinge. In das Italien, wo abgeschobene Flüchtlinge einfach vom Flugzeug aus auf die Straße gesetzt werden, ohne Geld, Unterkunft, ohne Anspruch auf Leistungen innerhalb Italiens.

 

Die Beamten der Polizei, die uns zwischenzeitlich bei unserem Protest einen Besuch abstatteten, versicherten zunächst, dass keine Abschiebung stattfinden würde. Ob ihnen das bewusst war oder nicht – jedenfalls entsprach das nicht der Wahrheit und wir taten gut daran, zu bleiben. Denn eine Viertelstunde später kamen die Beamten der Ausländerbehörde, um die Abschiebung zu vollziehen, übrigens ohne Übersetzer.

 

Alle Welt warnt vor Corona – und nun werden junge Menschen mutwillig in Hotspots abgeschoben? Die Rechtsentwicklung der Regierung geht weiter: Als gäbe es keine zweite Welle wird seit Sommer wieder im großen Maßstab abgeschoben. „Das ist hier ständig so“, berichtet uns ein Anwohner. Amidou ist seit 2018 in Deutschland, seit Februar 2019 in Gelsenkirchen und hat hier Freunde gewonnen.

 

Amidou zeigte Würde, Ruhe und Mut. In traditioneller malischer Kleidung wurde er schließlich aus unserer Mitte gerissen und in ein Polizeiauto gebracht. „Stopp Deportation“ und „Hoch die internationale Solidarität“ erschallte auf der Straße. Wir bleiben dran.