Corona-Krise

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Gesundheitsgefährdung: NRW-Landesregierung verbietet „Solinger Sonderweg“ an Schulen

Schulbeginn nach den NRW-Herbstferien. Das bedeutet: Gedränge in den Klassenzimmern mit 30 und mehr Kindern und Jugendlichen, Gedränge in den Fluren, Schüler und Lehrer, die sich mit Jacken und Decken vor der Kälte in den Lüftungspausen schützen, vollgestopfte Schulbusse ohne jede Distanzmöglichkeit.

Von Lehrerkorrespondenz / cg
Gesundheitsgefährdung: NRW-Landesregierung verbietet „Solinger Sonderweg“ an Schulen
Von der "Klingenstadt" Solingen ging ein guter Vorschlag aus, wie mit Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie deren Familien während der Corona-Pandemie verfahren werden kann. Dem hat die ultrareaktionäre NRW-Landesregierung jetzt einen Riegl vorgeschoben (foto: gemeinrfrei)

Inzwischen schlagen Ärzte Alarm, weil die Infiziertenrate exponentiell steigt: In den mehr als 5.000 Schulen in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der bestätigten Corona-Fälle bei Schülern und Lehrern deutlich angestiegen. Nach Ende der Herbstferien wurden in der vergangenen Woche (44. KW) 1.808 Corona-Fälle bei Schülern verzeichnet.¹ Auch unter den Lehrkräften im Land steigen die Infektionszahlen drastisch. Vergangene Woche wurden nach Angaben des Schulministeriums 367 Corona-Fälle unter Schulbeschäftigten gemeldet, in der Woche vor den Ferien waren es noch 166.

 

Mit großer Sorge und auch Ängsten kommen Schüler und Lehrer zum Unterricht. Es wächst die Wut, dass offenkundig auf Teufel komm raus die Schulen geöffnet bleiben sollen, aber einfachste Maßnahmen wie Luftfilter, kostenlose Test und Masken „zu teuer“ sind, während die Milliarden für Konzerne nur so sprudeln. Zum Vergleich: Die nötige Umrüstung und die Luftreiniger würden gerade mal 2 Miilliarden Euro kosten. Mindestens 600 Milliarden Euro wurden als "Rettungsschitm für die großen Monopole bereit gestellt.

 

Die Forderung nach Halbierung der Klassen, um Abstand halten zu können, wird immer lauter.

 

In Solingen plante die Stadt in Abstimmung mit den Schulleitungen und entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte von über 200, ab 4. November in halben Klassen - ausgenommen an Grund- und Förderschulen sowie Abschlussklassen der Sekundarstufen I und II - mit abwechselndem Präsenzunterricht und Arbeiten zu Hause in den nächsten Wochen unterrichtet wird.

 

Am 3. November hat die NRW-Landesregierung der Stadt Solingen diesen „Solinger Sonderweg“ verboten. Begründung: Weil „dies nicht mit einer Vorgabe des Landes NRW (Recht aus Präsenzunterricht für alle) vereinbar sei.“ Diese „Vorgabe“ stammt aus der Feder der Monopolvverbände, für die nichts wichtiger ist, als ihre auf Maximalprofit ausgerichtete laufende Produktion, in der die Krisen auf die Rücken der Massen, die selbsverständlcih arbeiten wollen, auf deren Gesundheit aber durch die Herrschenden und ihre Monopolpolitiker keine Rücksicht genommen wird, abgeladen werden.

 

In Solingen sind die Inzidenzzahlen auf weit über 200 pro 100 000 Einwohner explodiert. Die Stadt hat darauf umfassender reagiert als anderswo. So wurden unter anderem für das Lernen zu Hause 3500 iPads an bedürftige Schüler ausgegeben. Weiterhin gib es inzwischen eine private Initiative „Hey Alter!“: Firmen oder Privatleute spenden von ihnen nicht mehre benötigte PCs, Laptops oder Tablets, die von PC-Systemhäusern kostenlos neu programmiert und direkt an bedürftige Schüler ausgegeben werden. Ca. 100 Geräte wurden so schon gespendet.

 

Um die An- und Abreise zu den Schulen zu entzerren, werden 15 zusätzliche Busse in den Stoßzeiten eingesetzt. Dazu beantragt die Stadtverwaltung bei der konstituierenden Ratssitzung am 5. November 868.518 Euro. Sie hofft, diese Gelder aus Landesmitteln erstattet zu bekommen.

 

Zu Recht bezeichnet das Solinger Tageblatt vom 31. Oktober diese Schulbeschlüsse der Stadtverwaltung als „Armutszeugnis für das Land“ - gemeint ist hiermit die Landesregierung von Ministerpräsident Armin Laschet. Denn das Schulministerium hat monatelang eine katastrophale Corona-Krisenpolitik gemacht - nach dem Motto Hauptsache alles bleibt offen – egal wie. Lüften, Mütze und Schal müssten reichen. Warum wurden keine weitergehenden Pläne erstellt, warum die örtlichen Schulämter damit allein gelassen? Obwohl die Forderungen nach Verkleinerung der Klassen, versetztem Unterricht, Entzerrung der Schulwege… schon lange auf dem Tisch liegen – von Anfang an von der MLPD und dem Jugendverband REBELL vertreten. An der Zeit kann es nicht liegen, an den Erkenntnissen auch nicht. Denn auch das RKI empfahl solche Schulregelungen schon ab einem Inzidenzwert von 50. Also kann dieses katastrophale Krisenmanagement der Landesregierung in erster Linie nur daran liegen, dass auf Teufel komm raus die Schulen laufen müssen, damit die Eltern weiterhin arbeiten können – und dass dafür möglichst wenig zusätzliche Mittel veranschlagt werden müssen.

 

Es ist ein weiterer jugendpolitischer Skandal, dass das Schulministerium jetzt den „Solinger Sonderweg“ kurzfristig verbietet. Eine weitere beschleunigte Erkrankung von und durch Kinder und Lehrer wird damit billigend in Kauf genommen. Schon am Dienstagabend waren in Solingen über 600 Schüler und Lehrer in 20 Schulen in Quarantäne. Die Stadt befürchtet eine weitere Komplettschließung der Schulen.

 

Die Forderungen in der Erklärung des ZK der MLPD vom 29. Oktober müssen sofort und flächendeckend umgesetzt werden: „Halbierung der Klassen mit täglichem, reduziertem Präsenzunterricht im Schichtsystem. Wir brauchen sichere Schulwege: deutlich mehr Schulbusse, Ausbau des ÖPNV durch Intensivierung der Taktzeiten!“

 

Der „Solinger Sonderweg“ muss als Vorbild für andere Schulen sofort wieder freigegeben werden. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) muss zurücktreten!