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Sitech verweigert vorläufige Beschäftigung der Kläger gegen Kündigung

Nach der Schließung des Sitech-Werks Hannover zum 31. März haben 21 Kollegen den Sozialplan mit Abfindung oder Transfergesellschaft nicht angenommen und wurden daraufhin betriebsbedingt gekündigt. Fünf der betroffenen Kollegen haben laut Urteil des Arbeitsgerichts Hannover vom 30. September Anspruch auf Weiterbeschäftigung bei Sitech, die Kündigungen wurden für unwirksam erklärt. Begründung: Sitech/VW hat den eigenen Sozialplan zur Werksschließung nicht eingehalten. Es gab keine Bemühungen, Ersatzarbeitsplätze im Konzern anzubieten.

Von IAC Hannover

In dieser Woche teilte Sitech den Anwälten der Betroffenen mit, dass sie Berufung einlegen.

 

Aber: Sitech lehnt auch die mit dem Urteil verbundene Verpflichtung ab, die fünf Kollegen schon vor Rechtskraft vorläufig weiterzubeschäftigen und Arbeitsplätze anzubieten: „Unsere Mandantschaft wird ihren Mandanten nicht freiwillig weiterbeschäftigen“ - außer, wenn Zwangsvollstreckung angedroht wird.

 

Und: Selbst bei Androhung der Zwangsvollstreckung würde Sitech nur Arbeitsplätze in Emden anbieten – ausgerechnet den Standort mit der weitesten Entfernung von Hannover; obwohl sie selbst im Schriftsatz erklären, sie würden diese Jobs neu schaffen. Also warum nicht in Wolfsburg? Das ist für jeden Familienvater unzumutbar an sich schon und in der Corona-Situation gar nicht praktikabel umsetzbar!

 

Wir monieren, dass es im VW-Werk Hannover genug Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl für die vorläufige Beschäftigung als auch für eine dauerhafte Wiedereinstellung gibt:

 

Zeitweise wurden wochenlang polnische VW-Arbeiter ins VW-Werk Hannover abkommandiert.


Nach der Entlassung der 207 befristeten Kollegen zum 31. Mai stellt Nutzfahrzeuge derzeit seit Oktober 300 neue Zeitarbeiter für den Fahrzeugbau und 38 weitere für die Komponenten mit Verträgen bis 30. September 2021 ein. Zusätzlich 48 Festeinstellungen ab 1. April aus der Gruppe der am 31. Mai entlassenen befristetet angestellten Kollegen.

 

Drei freiwillige Samstag-Zusatzschichten und freiwillige Zehn-Stunden-Schichten Spätschicht (d. h. bis 24 Uhr statt bis 22 Uhr wie normal) bis Ende 2020 sowie eine nachträgliche Änderung des Produktionskalenders in der Weise, dass die KW 52 verpflichtend gearbeitet wird (drei Tage vor Weihnachten), die in der Urlaubsplanung noch frei vorgesehen waren. Außerdem Mehrarbeit für die Nacharbeitsbereiche komplett Weihnachten durch bis Silvester.

 

Das ist das sog. Corona-Absicherungs-Programm, um die seit dem Sommer verlorenenen 3700 Fahrzeuge aufzuholen. Diese Bezeichnung ist insofern völlig verwirrend, denn Fahrzeugverluste entstehen v. a. aus der höheren Taktung an der Basislinie von 173 auf 204 Fahrzeuge je Schicht, die vielfach mit der gleichen Mannschaftsstärke abgefahren werden soll.

 

Nicht nur das: zusätzlich werden immer weitere kleine Bereiche von der Stammbelegschaft an die Group-Service Tochter übergeben, wo die Kollegen auch in Wolfsburg gemeldet sind. Bei all dem muss es doch möglich sein, fünf Sitecher in Hannover unterzubringen.

 

Wir werden in dieser Woche am Donnerstag 12. November zwischen 13 Uhr und 15 Uhr erneut eine kleine Protestaktion am VW-Werk Tor 3 durchführen, um die Belegschaft darüber zu informieren. In der Folgewoche am 16. November in Wolfsburg und am 17. November in Emden.