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"Arbeitsquarantäne" - Gesundheitsgefährdung im Chemiepark Marl und bei Daimler Esslingen

Schon vor Wochen informierte die Internationalismusverantwortliche der MLPD, Monika Gärtner-Engel, darüber, dass Arbeiter in verschiedenen Ländern in eine so genannten Arbeitsquarantäne gezwungen werden. Sie werden dort in den Betrieben zusammengepfercht, haben keinen Kontakt zur Außenwelt und stecken sich untereinander mit Corona an. Jeder hat seinerzeit die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, und gemeint, so etwas sei in Deutschland nicht möglich. Der folgende Beitrag zeigt: Es ist auch hier möglich! Außerdem bringen wir eine Korrespondenz von Daimler Esslingen zum Umgang mit Corona.

Von Korrespondetinnen und Korrespondenten
"Arbeitsquarantäne" - Gesundheitsgefährdung im Chemiepark Marl und bei Daimler Esslingen
Haupteingang des Chemieparks Marl (foto: Nordenfan (CC BY-SA 4.0))

Im Chemiepark Marl baut Evonik zur Zeit mehrere neue Fabriken und zwei Kraftwerke. 1200 Kollegen sind zusätzlich vor Ort, ein einziger Ameisenhaufen. Viele sind Leiharbeiter aus ganz Europa.

 

Bisher schon ein Hotspot, auch wenn konkrete Zahlen geheim gehalten werden. Jetzt explodieren die Corona-Zahlen nicht nur in Deutschland. Für das sogenannte „Cumolprojekt“ im Chemiepark kommen z. B. viele Kollegen aus Belgien und Polen. Ab und zu wollen sie auch mal nach Hause zu ihren Familien. Nur wie kommen sie zurück? Alles sind Risikogebiete mit der Verpflichtung, nach der Einreise für zwei Wochen in Quarantäne zu gehen. Aber dann würde ja die Baustelle stillstehen. Und wer bezahlt die Kollegen dann? Alles was recht ist, aber beim Profit hört der Spaß auf, Gesundheit hin oder her.

 

Deshalb hat Evonik jetzt ein „Hygienekonzept“ beschlossen: Die Kollegen werden im Heimatland getestet. Nur wer negativ ist, darf kommen und wird dann faktisch eingesperrt. In Deutschland ist es ihnen verboten, ihre Unterkünfte zu verlassen. Sie werden mit Bussen abgeholt, direkt zur Baustelle und nach der Maloche unmittelbar zurückgebracht. Arbeiten erlaubt – selbstbestimmtes Leben untersagt. Darin besteht ihre Quarantäne – eben Arbeitsquarantäne, Menschenverachtung inklusive.

 

Schön in Gemeinschaft, obwohl sie natürlich aus zig Haushalten und verschiedenen Städten in Polen und Belgien kommen. Was interessiert denn Evonik, ob die Kollegen krank werden? Dann werden sie abgemeldet und nach Hause geschickt. Die Leihfirma muss halt neue Kollegen bringen. Damit die Produktion nicht beeinträchtigt werden kann, arbeiten die Kollegen im Chemiepark abgesperrt hinter Bauzäunen. Evonik first.

 

Das Betreten dieses Evonik-eigenen „Risikogebietes“ (das heißt ganz offiziell so!) ist anderen Kollegen „strengstens untersagt.“ Die Sanitär- und Raucher-Container, bis dahin auch für alle anderen Kollegen im Bereich zugänglich, sind jetzt Sperrgebiet. Die nächsten Toiletten nur mit Fahrrad zu erreichen. Fahrzeit ca. drei bis fünf Minuten – das kann schon mal eng werden.

 

Und wenn „ortsansässige“ Kollegen im Sperrgebiet arbeiten müssen? Das ist natürlich kein Problem. Unterweisung zum Maskentragen und Abstandhalten genügt. No risk – no fun. Und aufs Klo gehen ist schließlich immer noch verboten.

 

Wie die MLPD schon seit Monaten kritisiert: Freie Fahrt für Monopole. Für die Massen gelten andere Regeln. Auf uns werden die Krisenlasten voll abgeladen. Fragt sich nur, ob wir das zulassen. Marler Kollegen weigern sich, im „Risikogebiet“ zu arbeiten. Das sollte Schule machen – und wir sollten überlegen, wie wir das "Risikogebiet Kapitalismus" am besten ganz abschaffen!

Esslingen Vorm Tor bei Daimler in Mettingen: „Schutz vor Corona - nee, hier nicht“

Heute am Tor bei Daimler mit der Roten Fahne „Corona explodiert“. Aber das Thema „Corona“ wird manchen schon zu viel. Mit einem, der gut informiert war, habe ich das länger diskutiert. Er: „Das Thema regt mich so auf, ich darf darüber einfach nichts mehr lesen. Corona ist gefährlich. Ich kenne selbst welche, die daran gestorben sind. Manche waren so alt wie ich. Voll im Beruf. Und ich habe eine Live-Sendng mit einer Lehrerin gehört, die war „genesen“ von Corona, wie es hieß. Sie sollte in zwei Wochen wieder anfangen zu arbeiten. Aber sie sagte, das sei einfach unmöglich. Sie könne keine vier Stunden Unterricht geben. Das gebe ihr Zustand gar nicht her.“

 

Dann sagte er, wie empört er über die Doppelmoral der Regierung, wie er selbst das bezeichnete, sei. Er könne das fast nicht aushalten. „Wir sollen uns nicht bewegen, aber von wegen Testen und die Kranken, bzw. die mit Symptomen sofort und gründlich behandeln, davon ist keine Rede. Und die Unternehmer machen, was ihnen passt. Von wegen Gesundheit.“

 

Nach diesem Gespräch änderten wir die Ansprache. „Wie sorgt Daimler für Eure Gesundheit?“ fragten wir. „Gesundheit – wo gibts das denn“, war eine der ersten Antworten. „Schutz vor Corona - nee, hier nicht. Anderthalb Meter Abstand - ja, aber nur, wo es möglich ist. Ha ha!“ Man merkte bei vielen Wut und ernste Sorge über die Rücksichtslosigkeit, mit der hier mit ihrer Gesundheit umgegangen wird. Auf den Hinweis auf den Streik einer Abteilung bei VW wegen Corona meint einer: „Das müssen wir auch machen!“.