Leserbrief von Peter Borgwardt/Stuttgart

Leserbrief von Peter Borgwardt/Stuttgart

Mehrarbeit und Überstunden – Begriffsverwirrung vermeiden!

In Zusammenhang mit verschiedenen Artikeln auf "Rote Fahne News" taucht in letzter Zeit wiederholt der Begriff „Mehrarbeit“ auf.

 So wird am 26. Oktober und 12. November 2020 der von Südwest-Metall nach Berlin wechselnde künftige Gesamtmetall-Chef Wolf attackiert, weil er „Mehrarbeit fordere ohne Lohnausgleich“. Positiv wird dagegen am 31. Oktober 2020 vermerkt, dass der Betriebsrat des Stuttgarter Daimler-Werks in Untertürkheim die „von der Geschäftsleitung geforderte Mehrarbeit“ ablehne. Nachfolgend heißt es: „Der Betriebsrat hatte der Mehrarbeit zunächst zugestimmt, jetzt aber - nach eigenen Worten - ‚die Reißleine gezogen.‘ Die kämpferischen Aktionen der Arbeiter vor einigen Wochen haben das ihre dazu beigetragen.“

 

Um was es in den zitierten Artikeln aber geht, sind Überstunden! Indessen bezeichnet der Begriff „Mehrarbeit“ entsprechend der politischen Ökonomie des Marxismus keineswegs die einfache Verlängerung des Arbeitstages durch mehr Arbeitsstunden. Vielmehr beinhaltet er überhaupt die Teilung des Arbeitstages in einerseits einen notwendigen Teil, in dem der Arbeiter den Gegenwert für die Wiederherstellung (Reproduktion) der Ware Arbeitskraft schafft, andererseits einen Teil, in dem er unbezahlt den Mehrwert für den Kapitaleigner produziert.

 

Karl Marx behandelt diese Thematik ausführlich in seinem Werk „Das Kapital: „Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter über die Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus schanzt, kostet ihm zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Wert für ihn. Sie bildet Mehrwert, der den Kapitalisten mit allem Reiz einer Schöpfung aus Nichts anlacht. Diesen Teil des Arbeitstags nenne ich Surplusarbeitszeit, und die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit (surplus labour). So entscheidend es für die Erkenntnis des Werts überhaupt, ihn als bloße Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, so entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen. Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Produzenten, dem Arbeiter, abgepreßt wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, z. B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit.“ (Das Kapital, MEW Bd. 23, S. 231) ...

 

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