Corona-Videos

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Medialer Gipfel der Unfähigkeit des Corona-Krisenmanagements

Der gestrige Corona-Gipfel hat noch keine weiteren Verschärfungen der Kontaktverbote und Einschränkungen im persönlichen und öffentlichen Leben beschlossen, aber in den Raum gestellt

Von hs
Medialer Gipfel der Unfähigkeit des Corona-Krisenmanagements
(grafik: Membeth (CC0))

Natürlich ohne Einschränkungen für die Profitwirtschaft der internationalen Monopole. Wie brachte Kanzlerin Merkel vor ca. zweieinhalb Wochen diesen Kurs auf der Pressekonferenz nach der gleichen Runde auf den Punkt: „...eine dieser politischen Prioritäten war, dass wir natürlich das Wirtschaftsleben so weit wie möglich intakt halten wollen. … Das bedeutet im Umkehrschluss wir müssen harte Auflagen machen für die Beschränkung von Kontakten im privaten und Freizeitbereich“.

 

Dafür braucht es natürlich auch die (Zu)Stimmung unter der Bevölkerung. Und welch ein Wunder – pünktlich zum Wochenende vor dem heutigen Treffen bringt die Bundesregierung Werbevideos für ihre weiteren einschränkenden Maßnahmen gegenüber der Masse der Bevölkerung heraus, die bereits in sozialen Medien massenhaft herumkreisen.

 

Höchstprofessionell wie ein Kino-Werbefilm aufgemacht, auch mit Witz und Ironie gestaltet, mit gefühlsmäßig eingehender Musikuntermalung sinieren ältere Menschen in ca. neunzig Sekunden langen Spots, wie sie im Schicksalswinter 2020 zu „besonderen Helden“ wurden. Indem sie „allen Mut zusammen (fassten) und taten, was von uns erwartet wurde. Das einzig Richtige …“. Man reibt sich angesichts der tatsächlichen gegenwärtigen dramatischen Entwicklung des weltweit unkontrollierten Verlaufs der Corona-Pandemie und der sich teils wieder verschärfenden Situation in den Krankenhäusern die Augen und traut seinen Ohren nicht, was von diesen besonderen Helden als das einzig Richtige angepriesen wird.

 

Sie taten „nichts, absolut gar nichts“, „waren faul wie die Waschbären“, blieben „mit dem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Corona-Virus“ und „die Couch war die Front“, waren sogar „zu faul, sich aufzuregen“ über gesellschaftliche Probleme, die Corona-Pandemie und dem unfähigen Krisenmanagement der Regierung und bekamen dafür später auch noch Auszeichnungen, disziplinierten sich in absoluter Selbstisolation – Hauptcredo „Nichts tun war plötzlich ein Dienst an der Gemeinschaft“.

 

Ein offener Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich, die mangelhaft geschützt ihre Arbeit verrichten und sich kräftemäßig und psychisch verausgaben. Oder der Arbeiterinnen und Arbeitern in den Betrieben, die sich grundlegende Schutzmaßnahmen und Corona-gerechte Arbeitsbedingungen erst hart erkämpfen müssen. Faulheit als Lebenseinstellung - das gehört doch den Herrschenden im Kapitalismus, die ihre Profite auf dem Rücken der Arbeit der werktätigen Massen erzielen. Faule und nichtstuende Anti-Helden kann die Regierung aber gut gebrauchen. Damit sie ihr bereits gescheitertes Krisenmanagement zugunsten der Aufrechterhaltung des Profitbetriebs der internationalen Monopole weiter durchziehen können. Damit sich die wachsende Kritik daran nicht Bahn bricht. Damit die Menschen gar nicht erst auf die Idee und in eine aktive Haltung kommen, dass ein wirklich konsequenter Gesundheitsschutz, Arbeitsplätze und Umweltschutz, eine gesellschaftliche Perspektive gegen die kapitalistische Profitwirtschaft erkämpft werden müssen. Da brauchen wir ganz andere Fronten als die Couch. Ein solches Bewusstsein und eine solche Einstellung bringt die wahren besonderen Helden dieser Geschichte hervor.

 

Wirklich empörend: Während es an konsequenten Schutzmaßnahmen mangelt und angeblich kein Geld oder Kapazitäten dafür vorhanden wären, werden Gelder und Kapazitäten für eine solche fahrlässig gesundheitsgefährdende bewusste Desinformation und Volksverdummung, bzw. perfide Meinungsmanipulation verschwendet. Ein Grund mehr, wofür diese Regierung ihren Hut nehmen müsste.