Antifaschismus

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Zum 75. Jahrestag der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse

Am 20. November vor 75 Jahren begann in Nürnberg der Prozess gegen 24 „Hauptkriegsverbrecher“ der faschistischen Diktatur. Zwölf wurden zum Tod, sieben zu Freiheitsstrafen verurteilt, drei wurden freigesprochen.

Von Korrespondenz aus Solingen
Zum 75. Jahrestag der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse
Paul Blobel vor dem Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg

Speziell dafür wurde von den vier alliierten Mächten Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und USA ein „Internationaler Militärgerichtshof“ eingerichtet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu diesem Jahrestag: „Der Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg war eine Revolution. Er schrieb nicht nur Rechtsgeschichte, er schrieb Weltgeschichte.“ Kriegsverbrecher vor ein internationales Tribunal zu stellen und zu verurteilen war zweifellos ein völkerrechtlicher Fortschritt. Aber eine „Revolution“ wäre es erst gewesen, wenn die tatsächlichen Antreiber, Finanziers und Nutznießer des faschistischen Terrors aus den Zentralen der deutschen Monopole und Banken auf der Anklagebank gesessen hätten. Doch das war allein der Bankier Hjalmar Schacht – und der wurde freigesprochen! Ob daher Präsident Steinmeier diesen Prozess als „Weltgeschichte“ preist?

 

Weitere 185 Ärzte, Juristen, hohe SS-, Polizei- und Militärführer, Minister, hohe Regierungsbeamte sowie 42 führende Kapitalisten und Bankiers standen in den zwölf weiteren „Nürnberger Nachfolgeprozessen“ zwischen Dezember 1946 und April 1949 vor Gericht. Angesichts der Dimension des faschistischen Terrors eine lächerlich geringe Anzahl. Grund dafür war v. a. der Übergang zum „Kalten Krieg“ durch Großbritannien und die USA, die als Bollwerk gegen den aufstrebenden und siegreichen Sozialismus einen wiedererstarkten deutschen Imperialismus mithilfe ihrer führenden Kapitalisten brauchten.

 

Willi Dickhut prangerte in seinem Buch „Der staatsmonopolistische Kapitalismus in der BRD“ an: “November 1946 wurden 27 Nazikriegsverbrecher, Konzernherren und Direktoren aus der Haft entlassen.“ (S. 100)

 

Von den 185 Angeklagten der „Nürnberger Nachfolgeprozesse“ wurden 35 freigesprochen, 24 zum Tode verurteilt, 20 zu lebenslanger Haft und 98 zu Freiheitsstrafen zwischen 18 Monaten und 25 Jahren. 1951 setzte US-Hochkommissar Jay McCloy sogar viele Strafen noch herab. Nur zwölf der 24 zum Tode Verurteilten wurden hingerichtet. Unter anderem hatte sich der damalige CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer für sie eingesetzt!

 

Für die schier unbeschreibliche Barbarei dieser Kriegsverbrecher steht auch der Solinger Architekt Paul Blobel (1894-1951). Er war als Mitglied des Sicherheitsdienstes (SD) innerhalb der SS Leiter einer „Einsatzgruppe“ in der von den Nazis besetzten Sowjetunion. Als deren Kernaufgabe bezeichneten schon der „Völkischer Beobachter“ vom 10. Oktober 1938: „Säuberung der befreiten Gebiete von marxistischen Volksverrätern und anderen Staatsfeinden“. Mehr als 1 Million Menschen in der Sowjetunion ermordeten diese Bestien von Juni 1941 bis 1943 in der Sowjetunion.

 

In Dokumentation des Solinger Max-Leven-Zentrums heißt es über Blobel: „...Er war in dieser Rolle verantwortlich für den Mord an ca. 60.000 Menschen, darunter allein 33.771 Juden – Männer, Frauen und Kinder –, die am 29. und 30. September 1941 in der Schlucht von Babi Yar bei Kiew erschossen wurden... Blobel plädierte auf unschuldig, da sich seine Opfer widerstandslos ihrem Schicksal gefügt hätten.“

 

Dieser mit genauso viel Heimtücke wie Barbarei planmäßig durchgeführte Massenmord war eines der bestalistischen Massaker der Faschisten im Zweiten Weltkrieg. Unerträglich sind Blobels Rechtfertigungsversuche vor dem Kriegsverbrecherprozess: „Das ist alles sehr ruhig verlaufen, es nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Ich muß sagen, daß unsere Männer, die daran teilgenommen haben, mehr mit ihren Nerven runter waren als diejenigen, die dort erschossen werden mußten.“

 

Im April 1948 wurde Paul Blobel in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 7. Juni 1951 hingerichtet. (aus: https://max-leven-zentrum.de/closedbutopen-paul-blobel/1064/)