Türkei

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Corona in der Industrie

In der Türkei galoppieren die Corona-Infektionszahlen nach oben.

Korrespondenz aus Tübingen

Vor einigen Tagen berichtete der Gesundheitsminister über 5000 Fälle innerhalb eines Tages und über 141 Tote. Das sind nach offiziellen Angaben die höchsten Zahlen an einem Tag. Aber an diese Zahlen glaubt das Volk nicht. Laut Türkischer Ärzte-Vereinigung (TTB) stieg die Zahl der Fälle im Vergleich zum Oktober um 300 Prozent. Allein in den familienmedizinischen Daten erreichte die Zahl der täglichen Fälle in der Türkei 47.629. Auch pro Hausarzt fallen rund 20 Covid-19 Patienten.¹

 

Die Tageszeitung Gazeteduvar schreibt am 20. November 2020 über einen Bericht der Birlesik Metal-Is-Gewerkschaft. In ihm wird festgehalten, dass es mindestens 112.000 Covids-19-Fälle in verarbeitenden Industriebetrieben gibt. Das heißt 7,3 Prozent der Arbeitnehmer, in den gewerkschaftlich organisierten Betrieben sind an Covid-19 erkrankt.

 

Am 6. November 2020 schreibt die Tageszeitung Evrensel über einen „Brief eines Ford-Arbeiters: „Die Chefs machen sich Sorgen darüber ob wir zusammenkommen und worüber wir reden.“

 

Ein Ford-Otosan-Arbeiter aus Kocaeli schrieb: „Während die Fälle jeden Tag zunehmen, arbeiten wir unter unmenschlich Umständen.
Wir machen Überstunden, machen den gleichen Job mit weniger Personal und noch mehr. … Unser Immunsystem kollabiert. Wir haben vergessen, dass wir Menschen sind. Wir haben den Schlaf vergessen. Wir haben vergessen, uns auszuruhen, sogar die Gesichter unserer Familie… Sie (die Chefs, Anm. d. Autors) sind in nichts aufrichtig, was sie tun. Sie sagen beharrlich: Soziale Distanz, nicht physische Distanz. Ihr Problem ist nicht, dass wir miteinander arbeiten und nebeneinander beim Abendessen anstehen, sondern in welche Richtung wir uns in der zehnminütigen Pause bewegen, zusammenkommen und über was wir reden. Das muss der Grund sein, warum sie auf sozialer Distanz bestehen.“