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Daimler will neuen Benzinmotor entwickeln

Kurz nachdem Daimler die Einstellung der Motorenproduktion in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin bekanntgegeben hat, kündigt der Konzern an, zusammen mit seinem chinesischen Großaktionär Geely¹ einen neuen Benzinmotor zu entwickeln. Er soll in Europa und China gebaut und in Daimler- und Volvo-Autos eingesetzt werden.

Von gp
Daimler will neuen Benzinmotor entwickeln
Daimler und Umweltschutz? Wers glaubt... (foto: M 93 (CC BY-SA 3.0)

Kurz nachdem Daimler die Einstellung der Motorenproduktion in Untertürkheim und Berlin bekannt gegeben hat, kündigt der Konzern an, zusammen mit seinem chinesischen Großaktionär Geely¹ einen neuen Benzinmotor zu entwickeln. Er soll in Europa und China gebaut und in Daimler- und Volvo-Autos eingesetzt werden.

 

Trotz der Ankündigung von Daimler, künftig eine „führende Postion“ bei den Elektroantrieben einnehmen zu wollen, investiert der Konzern weiter in Verbrennungsmotoren. Ein Widerspruch? Diese Entscheidung wird wesentlich von der Politik der Regierung im neuimperialistischen China für den weltgrößten Automarkt bestimmt.

 

Die chinesische Regierung hatte erkannt, dass sie im Konkurrenzkampf um die Weltmarktführerschaft auf dem Automobilmarkt mit den führenden „alten“ Automonopolen wie VW, Daimler, BMW, GM usw. auf dem Gebiet der Verbrennermotoren keine Chance hat. Deshalb setzte sie auf die Entwicklung der E-Mobilität und alternativer Antriebsstoffe. In der Nebenseite musste sie außerdem auf das auch in China wachsende Umweltbewusstsein und dem gesundheits- und lebensbedrohenden Dauersmog in den Metropolen Rücksicht nehmen. Mit einem ausgeklügelten Punktesystem zwang die chinesische Regierung die Automonopole ihrer imperialistischen Konkurrenten vermehrt E-Autos und Autos mit alternativen Antriebssysteme für den Export nach China zu produzieren. Wohlwissend, dass diese in der Entwicklung der E-Mobilität im Nachtrab waren. "Der Leitmarkt der Elektromobilität ist China – und zwar mit deutlichem Abstand", schätzt der Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) ein.²

 

Am 15. Juni 2020 hat die chinesische Regierung ihre Förderpolitik für die Autoindustrie modifiziert. Sie setzt nach wie vor ihre Förderpolitik für Elektroautos fort und verstärkt sie Jahr für Jahr. Gleichzeitig wertet sie besonders energiesparende Verbrennungsmotoren auf, die mit Benzin, Diesel oder Methanol betrieben werden. Dabei muss der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch bei vier Liter pro 100 km liegen. Diese mittelfristige Koexistenz von E-Fahrzeugen und energiesparenden Verbrennungsmotoren tritt am 1. Januar 2021 in Kraft und soll zunächst bis Ende 2023 gelten. Mit der Förderung von mit Methanol betriebenen Verbrennermotoren will das neuimperialistische China seine Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Ausland schrittweise reduzieren³ und seine Energieversorgung auf eine breitere Basis stellen. Dem soll der vermehrte Einsatz von Methanol im Transportsektor dienen. „Es ist möglich Methanol, Dimethyläther (DME) und andere Kraftstoffe aus Kohle niedriger Qualität, Kohlenflözmethan und so weiter herzustellen, um eine äußerst saubere und vernünftige Nutzung der Kohle-Ressourcen zu erreichen,“ sagte Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Autoverbandes CPCA.⁴ Das hat mit Umweltschutz überhaupt nichts zu tun! Bei der Verbrennung von Methanol wird wie bei Benzin oder Diesel das klimaschädliche CO2 Treibhausgas ausgeschieden!

 

So hat Chinas Industrieministerium mit einem Ingenieursverband eine „Technology Roadmap“ veröffentlicht.⁵ Der Plan sieht vor, dass ab 2035 keine Autos mit reinem Verbrennermotor mehr zugelassen werden sollen. 50 Prozent aller neu verkauften Fahrzeuge sollen E-Autos oder andere Wagen mit alternativen Antrieben wie Plug-in-Hybride oder ähnliche sind. Weitere 50 Prozent des Marktes sollen Hybride (HEV) sein, die ihre Batterien mit Hilfe eines Verbrennungsmotors aufladen. Das Festhalten an energiesparenden Verbrennungsmotoren und alternativen Energieträgern wie Methanol entlarvt die chinesische Regierung, dass es ihr nicht um Klimaschutz, sondern ausschließlich um die Weltmarktführerschaft chinesischer Automonopole geht. Auf diesem Hintergrund ist die Entscheidung zur Entwicklung eines neuen Verbrennermotors von Daimler und Geely einzuordnen. Das Bekenntnis zur E-Mobilität von Daimler ist nichts anderes als ein Greenwashing. Außerdem wirft es ein Licht auf die Entscheidung des Daimler-Vorstandes, die bisherige Produktion von Verbrennermotoren in Untertürkheim und Berlin einzustellen: die Produktion des mit Geely entwickelten Benzinmotors soll aus Profitinteressen „billiger“ an anderen Standorten in Europa und China produziert werden.

 

Den internationalen Automonopolen geht es allein um die Weltmarktführerschaft, um maßgeblich auf die Weltmarktpreise und Weltproduktion Einfluss nehmen zu können und nicht um die Rettung der Umwelt!

Einschränkung des Individualverkehrs

Das zeigt sich auch daran, dass die Automonopole und ihre Regierungen weiter auf die schrankenlosen Ausweitung des Individualverkehrs setzen, mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Städte und die Umwelt. Demgegenüber fordert die MLPD in ihrer Broschüre „Wir sind der Fortschritt“: „Produktionsende der Verbrennermotoren spätestens in zehn Jahren. Kampf um seine Ersetzung durch E-Mobilität und Brennstoffzellen mit erneuerbarer Energie! Einschränkung des Individualverkehrs. Einführung und Ausbau des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs. Massive Einschränkung des Güterverkehrs auf der Straße und Verlagerung auf Schiene und Wasserwege.“