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Dem "Tatort" zum Fünfzigsten

Heute Abend gibt es aus Anlass des 50. Geburtstags des "Tatort" den Jubiläumsfall "In der Familie". Hier wenden die Tatort-Macher das beliebte Stilmittel an, dass zwei Teams von Kommissaren aus verschiedenen Regionen zusammenwirken.

Korrespondenz aus Ingolstadt
Dem "Tatort" zum Fünfzigsten
Verkörpert seit sehr langer Zeit den Münchner Tatort-Kommissar Franz Leitmayr: Udo Wachtveitl (Video-Screenshot)

Rote Fahne News wünscht viel Spaß! Bei fünfzigsten Geburtstagen ist es ja üblich, innezuhalten und über Grundsätzliches nachzudenken. Und Tatsache, der REVOLUTIONÄRE WEG, das theoretische Organ der MLPD, schreibt auch etwas über den Tatort:

 

"Nicht nur mit Nachrichten, auch mit Talkshows oder unterhaltenden Serien beeinflussen die Medienmonopole unablässig die Denkweise der Massen", heißt es im II. Teil von "Strategie und Taktik der internationalen sozialistischen Revolution" (RW 33). "Ein Musterbeispiel ist die beliebte deutsche Krimi-Serie 'Tatort', die vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen produziert, in mehr als 40 Länder verkauft und über Satelliten in zahlreiche weitere Länder ausgestrahlt wird. Nimmermüde Kommissare und Kommissarinnen, besetzt mit guten und beliebten Schauspielern, klären Woche für Woche Mordfälle auf, die meist mit brennenden Problemen der Menschen zu tun haben: Massenarbeitslosigkeit, Streiks, Mobbing gegen Verkäuferinnen in namhaften Einzelhandelsmonopolen, Krieg in Afghanistan, Drogenkriminalität, Umweltverbrechen profitgieriger Industrieller, sexuelle Gewalt gegen Frauen, Zwangsheiraten, Abschiebungen von Asylbewerbern, Sterbehilfe, Eifersucht oder Wohnungsnot.

 

Unbestechlich setzen sich die sympathischen Ermittler ein, neofaschistische Umtriebe zu bekämpfen oder Verstrickungen korrupter Manager und bürgerlicher Politiker in Atommülltransporte oder Menschen- und Organhandel aufzudecken. Die Kommissare erscheinen als unbeugsame Vertreter der kleinen Leute, sind nicht selten Alt- oder Neu-Linke, die sich unerschrocken mit den Mächtigen anlegen.

 

Die Massen allerdings treten niemals als wesentliche Akteure in Erscheinung – und schon gar nicht als Klassenkämpfer. Immer häufiger geraten das Bundeskriminalamt, bundesdeutsche Geheimdienste und andere Organe der staatlichen Bürokratie ins Visier der Tatort-Kommissare. Dennoch steht die Botschaft im Vordergrund, dass der bürgerliche Staatsapparat ein Instrument im Interesse der Massen sein könnte, wenn sich nur kluge und ehrliche Kommissare von Wahrheitsliebe und anderen hehren bürgerlichen Idealen leiten lassen. Entweder erscheint die kapitalistische Gesellschaft trotz all ihrer Mängel immer noch als die beste Gesellschaftsordnung oder die Bemühungen der wackeren Kommissare erscheinen als aussichtsloser 'Kampf gegen Windmühlenflügel', der in Resignation und Verbitterung mündet. So oder so – das System bleibt Sieger."