Argentinien

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Dramatischer Anstieg der Corona-Todesopfer

Mit inzwischen 37.122 Todesfällen in der Corona-Pandemie hat Argentinien mit seinen 45,5 Millionen Einwohnern, die weltweit höchste Zahl an Todesopfern je eine Million Einwohner.

Von Korrespondenz aus Gelsenkirchen
Dramatischer Anstieg der Corona-Todesopfer
Maskenproduktion in Heimarbeit in Argentinien (foto: Augusto Starita - Ministerio de Cultura de la Nación (Argentina) - https://www.flickr.com/photos/culturaargentina/49799057903/ (CC BY-SA 2.0))

Mit inzwischen über 1.130.520 Infizierten liegt Argentinien damit nach den wesentlich bevölkerungsreicheren Ländern USA, Indien, Brasilien und Russland an fünfter Stelle.

 

Die peronistische Fernandez-Regierung hatte zu Jahresbeginn mit scharfen Ausgangsbeschränkungen das Coronavirus erfolgreich eingedämmt. Ende April stimmten noch 67 Prozent der Bevölkerung diesem Krisenmanagement der argentinischen Regierung zu. Auf Druck der internationalen Monopole wurden ab dem 8. Mai Lockerungen durchgeführt, die wenige Wochen später zu deutlich steigendem und sich inzwischen unkontrolliert im ganzen Land und insbesondere den Armenvierteln ausbreitenden Infektionsgeschehen führten. Zynisch sieht das bürgerliche Ärzteblatt die „mangelnde Disziplin der Bevölkerung“ als Ursache für die exponentielle Steigerung. Tatsächlich hat die Weltwirtschafts- und Finanzkrise in Wechselwirkung zur Corona-Pandemie die Armut in Argentinien explodieren lassen – die Masse von Arbeitern im informellen Sektor hat durch die Ausgangssperren ihre Arbeit verloren – diese Menschen in den Armenvierteln können nicht „zu Hause“ bleiben, wollen sie nicht verhungern!

 

Mit einer Schuldenlast von über 323 Milliarden US-Dollar ist das Land überschuldet und seit Jahresanfang am Rande eines erneuten Staatsbankrotts. Die Inflationsrate liegt bei 50 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt wird nach Prognosen der argentinischen Zentralbank um 12,5 Prozent in 2020 fallen. Die Revolutionäre Kommunistische Partei Argentiniens (PCR) analysiert eine reale Arbeitslosigkeit von 30 Prozent, mehr als die Hälfte der Argentinier hat keinen Zugang zur Grundversorgung mit Trinkwasser und Abwasserkanälen. In den Provinzen ist das Gesundheitssystem bereits zusammengebrochen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef erwartet bis Ende des Jahres 8,3 Millionen Kinder und Jugendliche, 62,9 Prozent dieser Altersgruppe, in Armut.

 

Die peronistische Regierung verbindet harte Ausgangsbeschränkungen, Einsatz von Militär und Polizei zur Kontrolle der Maßnahmen mit sozialen Zugeständnissen, wie einer Art Grundeinkommen für Menschen im informellen Sektor und Niedriglohnempfänger von 10.000 Pesos, etwa 140 Euro/Monat sowie Bonuszahlungen an die Gesundheitsbeschäftigten.

 

Das verschafft ihr unter den Massen noch immer einigen Rückhalt, auch wenn die Kritik am Krisenmanagement wächst. In dieser Situation organisieren rechte Kräfte um den ehemaligen Präsidenten Macri Proteste gegen die Fernandez-Regierung, so am 20. Juni, mit Kundgebungen zur Verteidigung des Privateigentums und der „argentinischen Lebensweise“ (gemeint ist hier die Lebensweise der argentinischen Kapitalistenklasse!).

 

Ähnlich wie in Deutschland die faschistischen „Querdenker“-Führer spielen sie sich demagogisch als Verteidiger der demokratischen Freiheiten auf, organisieren Demonstrationen, die sich pauschal auch gegen berechtigte Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie richten.

 

Mit nationalen Kampftagen wie am 17. Oktober, wo Hunderttausende auf den Straßen waren, kämpft die argentinische Arbeiter- und Volksbewegung für Land, Wohnraum und Arbeit. Damit der Reichtum Argentiniens den argentinischen Massen und nicht mehr dem argentinischen Monopolkapital und imperialistischen Mächten wie China oder der EU, zugute kommt, braucht es eine revolutionäre Umwälzung der argentinischen Gesellschaft.