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Eine kriminelle Organisation: Die "Goldene Morgenröte" – Chrysi Avgi

Es ist ein historisches Urteil: Die faschistische griechische Partei "Goldene Morgenröte" (Chrysi Avgi) wurde am 7. Oktober 2020 zur kriminellen Organisation erklärt.

Korrespondenz
Eine kriminelle Organisation: Die "Goldene Morgenröte" – Chrysi Avgi
Demonstration gegen die "Goldene Morgenröte" (foto: PAME)

Sieben frühere Abgeordnete, einschließlich des Parteichefs Nikos Michaloliakos, bekennender Holocaust-Leugner und Verehrer Adolf Hitlers, wurden ihrer Führung schuldig gesprochen. Das Gerichtsurteil ist ein Riesenerfolg der antifaschistischen Bewegung! Parallel zur Urteilsverkündung fanden Massendemonstrationen in verschiedenen Städten Griechenlands statt.

 

Die revolutionäre Partei KKE-ML berichtet: "Allein in Athen haben mehr als 25.000 Menschen aus Anlass der Urteilsverkündung gegen die Goldene Morgenröte demonstriert. Alle linken Kräfte waren vertreten. Sie alle brachen bei der Bekanntgabe der Entscheidung des Berufungsgerichts in Jubel und Beifall aus!"


Auslöser des Verfahrens war die Ermordung des linken Rappers Pavlos Fyssas, bekannt unter seinem Künstlernamen Killah P, am 18. September 2013, auf offener Straße in Athen. Er hatte mehrere Todesdrohungen erhalten. In einem seiner Texte heißt es:

Die Welt ist ein großes Gefängnis,

ich suche nach einem Weg, die Fesseln zu sprengen …

alle, die mich hinterrücks attackiert haben,

sollen wissen: ich weine nicht …

alle, die mich in Feuerfesseln gelegt haben,

sollen wissen: ich fürchte mich nicht …

 

Gerade dieser Song ist zur Hymne des Gedenkens an Fyssas und auf antifaschistischen Demonstrationen geworden (https://www.youtube.com/watch?v=np-v-tr7amA). Magda Fyssas, seine Mutter, war die treibende Kraft der antifaschistischen Bewegung in seinem Stadtteil und zur Verurteilung seines Mörders. Jeden Tag erschien sie im Gericht, sammelte Freunde und Verbündete, war zunehmend in der Presse präsent. Erfolgreich: Auch Fyssas' Mörder wurde schuldig gesprochen. Thema des Prozesses waren auch Anschläge aus den Jahren 2012 und 2013 auf migrantische Fischer und Gewerkschafter der PAME.


Der antifaschistische Kampf hat eine lange Tradition in Griechenland. Im Zweiten Weltkrieg organisierten die Partisanen unter wesentlicher Führung der kommunistischen Partei den Widerstand gegen die deutschen Faschisten und gewannen. Den Erfolg der sozialistischen Revolution im darauffolgenden Bürgerkrieg verhinderte die Unterstützung der Royalisten durch Großbritannien und die USA. 1974 wurde die faschistische Militärjunta durch den Widerstand des griechischen Volk verjagt. Zweimal hatte die griechische Bevölkerung sich selbstständig von Faschismus befreit: ein Erbe, das aus den Köpfen der Menschen nicht herauszuschneiden ist.


Dennoch hatte die "Goldene Morgenröte" in den Jahren der Troika-Politik wieder Potenzial aufbauen können und zog 2012 ins Parlament ein. 2015 wurde sie sogar drittstärkste Kraft, scheiterte allerdings bereits 2019 wieder an der 3-Prozent-Hürde. Zu ihren Hochzeiten patrouillierten uniformierte Schlägertrupps in einzelnen Gebieten auf offener Straße und an Stränden, z.B. auf der Süd-Peloponnes. Ihr Ziel waren Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge, Linke und Gewerkschafter/-innen. Im malerischen Hafenstädtchen Gythio wurden drei Angeklagte des Prozesses als Helden des Widerstands auf großen Plakaten am Balkon des Parteibüros verehrt. Gleichzeitig gibt es in der Regionalhauptstadt Kalamata eine lebendige antifaschistische Szene. Ehemals initiiert von der damaligen Gruppe des ICOR-Mitglieds KOE Griechenland, organisierte sie mehrere Demonstrationen durch die Stadt und 2020 das mittlerweile 9. antifaschistische Festival. An Häuserwänden sieht man immer wieder auch Witziges – so werden durch zwei Striche aus dem Parteinamen die diesen verhöhnenden „goldenen Eier“.


Das Gerichtsurteil ist zu begrüßen – zu verurteilen ist das gewaltsame Vorgehen der Polizei mit Chemikalien, Blendgranaten und Wasser aus gepanzerten Fahrzeugen gegen die Demonstrant/innen am 07. Oktober 2020 in Athen. Zu den Hintergründen schreibt die KKE-ML: "Jahrelang haben die Imperialisten, die Bourgeoisie, der Staat und ihr System in die Goldene Morgenröte 'investiert'. … Heute lügen sie alle und tun so, als hätten sie nichts damit zu tun. … In diesem Sinne wird der Faschismus nur dann verschwinden, wenn die Arbeiterklasse und das Volk die politische Macht und die Verwaltung der Gesellschaft übernehmen, wenn sie das System der Abhängigkeit und Ausbeutung stürzen. … Der Kampf geht weiter!"


Das Urteil ist Erfolg und Ansporn zugleich, als internationale antifaschistische Bewegung für die Verbote neofaschistischer und faschistischer Parteien zu kämpfen, die revolutionären Organisationen zu stärken und international koordiniert zusammenzuarbeiten. Dazu ist der Aufbau der ICOR und der antiimperialistischen Einheitsfront auch in Griechenland dringend notwendig.