Daimler

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„Nur das beeindruckt den Vorstand“

Der folgende Leserbrief ist am gestrigen Donnerstag, 26. November, erschienen:

Leserbrief von Klaus-Jürgen Hampejs in der „Sindelfingen Zeitung“

In den letzten Ausgaben berichtete die SZ/BZ von der tiefen Verunsicherung der Beschäftigten, der IG Metall und des Betriebsrats an allen Standorten. Wohlweislich nicht von etwaigen Zukunftssorgen der aktuellen Vorstände und der Vorstands-Rentner, die haben ja Millionen-Einkommen. Leider berichten sie nicht von aktiven Aktionen der Beschäftigten an vielen Standorten, Pausenversammlungen, Kundgebungen wie in Untertürkheim zum wiederholten Male und in Berlin. Auch in den LKW-Werken wie in Kassel gibt es das. Auch wird nicht über die Pläne der Werksleitung am Standort Untertürkheim, welche der Jugend mit Lehrstellen-Reduzierung die Zukunft nehmen will, berichtet. Fachkräftemangel – noch nie gehört? Auch dem Betriebsrat in Untertürkheim wurde gedroht: „… Keine Möglichkeit sehen, … den e-Campus wie auch weitere E-Mobilitätsumfänge im Werk zu realisieren“. So der aktuelle Aushang der Werksleitung in Untertürkheim.

 

Klaus Köster schreibt in seinem Leitartikel unter anderem: Deren Vertreter werfen dem Unternehmen nun vor, Tabus aufzubauen, was ihnen selbst aber nicht fremd ist. Ob es wirklich unzumutbar ist, … zwei Arbeitstage im Jahr für die Weiterbildung dranzugeben. Ob Teile künftiger Tariferhöhungen genutzt werden, um … extrem teure Jobs in Deutschland … abzusichern.“

 

Der Daimler-Vorstand und meine Kollegen, wie auch ich als 42 Jahre lang Beschäftigter, wir leben in anderen Welten. Der Vorstand, abgesichert mit Millionen, aktiv Beschäftigte dagegen nicht. Die massenhaft entlassenen Leiharbeiter in der Branche? Haben die extrem teure Jobs? Ich glaube nicht, und genau um das geht es jetzt. Es geht schlichtweg um die Existenz von meinen Kollegen mit ihren Familien und der zukünftigen Generation. Deswegen tut die Belegschaft und ihre IG Metall jetzt gut daran, die rote Karte zu zeigen.

 

Vergessen wir nicht 2009 in Sindelfingen. „Erpresserwerk“ wurde es tituliert, als der Vorstand die C-Klasse aus Sindelfingen nach Bremen verlagerte und vor Jahren von Bremen nach East London (Südafrika). Das muss man wissen, wenn C-Klassen auf der Straße fahren, woher sie zum großen Teil kommen. Abgesehen von dem ökologischen Unsinn.

 

Ja, Südafrika und wie die Kollegen dort jetzt betroffen sind. Ein Profitparadies für den Daimler-Vorstand. Doch auch dort wehren sich die Kollegen. Wir waren noch im Februar 2020 bei der zweiten Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in Südafrika. Wir haben enge Bande und Solidarität zu unseren Freunden dort und wir sagen nichts zu Löhnen dort. Aber wir wollen hier nicht extrem unterbezahlte Jobs. Deswegen finde ich es gut und richtig, wenn die IG Metall über alle Standorte hinweg zu Widerstand gegen den Abbau von Arbeitsplätzen mobilisiert.

 

„Eine Verhandlungsposition ist das erste Wort, entscheidend aber ist das letzte.“ (Leitartikel Ende). Das letzte Wort wird entschieden, durch die Kampfkraft der Belegschaften und nur das beeindruckt den Vorstand. Die brauchen uns, aber wir sie nicht.

 

Klaus-Jürgen Hampejs, Gärtringen, Pressesprecher der Internationalen Automobilarbeiterkoordination Sindelfingen