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78 begeisterte Menschen bei Filmpremiere in Stuttgart

78 Besucher kamen zur politischen Veranstaltung mit der Premiere des Engels-Films ins Arbeiterbildungszentrum nach Stuttgart-Untertürkheim. Der Film regte zu einer mobilisierenden Diskussion an. 271,20 Euro wurden gespendet. Julia Scheller, Landesvorsitzende der MLPD, und Dieter Klauth, Geschichtsredakteur des "Rote-Fahne Magazins", moderierten die anschließende Diskussion.

Von bs

Einhellig wurde der Film gelobt, im inhaltlichen Aufbau und der technischen Gestaltung. Als erstes meldete sich ein Industriearbeiter und betonte, dass man sich mit der These vom „Verschwinden der Arbeiterklasse“ auseinandersetzen muss. „Der Antikommunismus verschleiert die Bedeutung der Arbeiterklasse“, so sein Fazit. Mehrere Besucher setzten sich mit der „Würdigung“ von Engels in bürgerlichen Zeitungen wie Schwarzwälder Bote und Südwestpresse auseinander.

 

Kollegen von Daimler berichteten, wie Leute, die kämpferische Vorschläge bei Versammlungen machen, sofort als Sozialist, Klassenkämpfer oder Kommunist betitelt werden. „Da hilft der Film, ein Bild vom wissenschaftlichen Sozialismus zu bekommen und zu beginnen, sich diesen anzueignen“. Mehrere Redner würdigten die gestalterischen Verbesserungen, die in der Filmreihe zu den Klassikern erkennbar sind.

 

Zur These, Marx hätte sich mehr auf die grundsätzliche Seite und Engels auf Lebensfragen wie Familie und Umwelt konzentriert, sagte Dieter Klauth: „Wir müssen die These des meist unterschätzten Klassikers auch selbstkritisch diskutieren. Es gibt eine Verdrängung der weltanschaulichen Auseinandersetzung und bewussten Anwendung der dialektischen Methode, für die die Werke Engels herausragende Bedeutung haben.“ Und: „Man muss das Werk von Marx und Engels als Gemeinschaftswerk begreifen.“

 

Eine Genossin der Kreisleitung Stuttgart betonte die Bedeutung des Films für die Jugendarbeit und berichtete von Diskussionen am Tag gegen Gewalt an Frauen, die die weltanschauliche Polemik, wie sie Engels auszeichnet, erfordern. Ergreifend berichteten mehrere, welche Bedeutung das Studium einzelner Schriften für sie hatte. „Der Geschichtsunterricht hat mich immer gelangweilt. Das Buch "Der Ursprung der Familie, des Privateigentum und des Staates" hat mich fasziniert, weil es die Geschichte der Menschen verständlich darlegt. Die Frauenbewegung braucht dieses Buch, um den grundlegenden Charakter der Familie im Kapitalismus und dessen Überwindung zu begreifen.“ Ein Kollege, der aus Sachsen stammt, berichtete: „Fasziniert hat mich das Buch über den Bauernkrieg, das habe ich am Stück durchgelesen. Das reicht aber nicht, man muss es sich aneignen und immer wieder neue Seiten bezogen auf heute herausholen.“

 

Erste Schlussfolgerungen wurden auch gezogen: Das ABZ weitet seinen Marx-Lesekreis auf einen Marx-Engels-Lesekreis aus. Angeregt wurde, den Film mit Jugendlichen, den eigenen Kindern oder Enkeln anzuschauen und darüber auch zu diskutieren. Ein REBELL meinte nach der Veranstaltung: „Der Film setzt Einiges voraus – das müssen wir beachten, wenn wir ihn mit Freuden oder im REBELL anschauen“. Ein wichtiger Hinweis, dass es jetzt erst richtig los geht und der Erfahrungsaustausch über die Kleinarbeit mit dem Film notwendig ist.

 

Julia Scheller zog das Fazit: Wir müssen heute mehr weltanschaulich diskutieren. Schüler, die sie in den letzten Wochen angesprochen hat, sehen den Widersinn der Corona-Maßnahmen. Aber die entscheidenden Fragen: "Kann man was ändern?"  "Wie kann man was ändern?" sind unklar. Man muss lernen, Gesetzmäßigkeiten von Entwicklungen zu erkennen. In diesem Sinn warb sie für die Dialektik-Kurse 1-3, die in den ersten zwei Januarwochen 2021 im ABZ-Süd angeboten werden und bedankte sich für die zahlreichen Diskussionsbeiträge und bei den Helfern, die für einen Gesundheitsschutz-gerechten Verlauf der politischen Versammlung sorgten.