Corona-Argument

Corona-Argument

„Wirtschaft“ Über eine „treffende Prognose“?

Der gegenwärtige Teil-Lockdown würde die „Wirtschaft kaum beeinflussen“. So verlautet es unisono aus den deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten. Die Gastronomie und die Kulturszene würden ja nur mit 1,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, die Industrie, die zur Zeit „gut laufe“, dagegen über 25 Prozent.

Von ac / dw

Gut laufende Industrie? Im Juni 2020 ging die Industrieproduktion in Deutschland um 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, im Juli um 11,1 Prozent, im August ebenso 11,1 Prozent und im September waren es minus 8,6 Prozent. Mit dem Trick, jeweils die aufeinander folgenden Quartale zu vergleichen, in denen sich der Rückgang der Industrieproduktion leicht abgeschwächt hat oder wo die Prognose noch schlechter war, konstruieren sie einen Aufwärtstrend: Die deutsche Wirtschaft sei im zweiten Quartal nur um 8,2 Prozent statt den erwarteten 8,5 Prozent eingebrochen. Nur sind diese 0,3 Prozentpunkte, um die sich der Einbruch abmilderte, kein Beleg dafür, dass die Wirtschaft in Deutschland „schneller wächst als erwartet“.

 

So ist denn auch im Kleingedruckten davon die Rede, dass es einen „längeren Konjunkturwinter“ geben könne. Tatsache ist: Der Weltmarkt schrumpft, das Bruttosozialprodukt der wichtigsten Industrieländer liegt im dritten Quartal 2020 um 8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Und hier ist die Inflation noch nicht berücksichtigt, die durch die Corona-Krise angewachsen ist.

 

Der deutsche Export profitiert zwar vom Handel mit China mit einer Steigerung im September um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Insgesamt gingen die Exporte der BRD, die im Volumen die Ausfuhren nach China weit übersteigen, im selben Zeitraum, um 3,8 Prozent zurück.

 

Die Überakkumulation von Kapital, die eigentliche Krisenursache, ist bei weiten nicht behoben. Das zeigt auch der Werkzeugmaschinenbau in Deutschland. Hier sind die Bestellungen von neuen Anlagen für die Produktion im dritten Quartal 2020 um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen, von Januar bis September sogar um 33 Prozent. Zwar wurden in der zweiten Welle der Pandemie bisher keine Grenzen geschlossen, um die Lieferketten zu erhalten. Aber auch diese zweite Welle wird die Produktionsabläufe negativ beeinflussen. Die These vom „ökonomisch relativ unschädlichen Teil-Lockdown“ dient allein dazu, die inkonsequente Krisenpolitik gegen das Corona-Virus zugunsten der Monopolkonzerne in Deutschland zu rechtfertigen und von der nach wie vor wirkenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise abzulenken.