Antikommunismus

Antikommunismus

Babylon Berlin (1929) eine schön anzusehende Serie, aber...

Vor kurzem habe ich die Serie Babylon Berlin, Staffel 1 zu Ende geschaut. Dabei sind einige Fragen aufgekommen. Zum Beispiel, ob in der Weimarer Republik wirklich so getanzt wurde? Man kann es kaum beantworten, wenn man dort nicht selbst gelebt hat, oder sich bis ins Detail mit der Kultur der Weimarer Republik befasst hat. So fiel mir auf, dass die Fernsehserie ein Einfallstor für den metaphysischen Idealismus ist.

Korrespondenz aus Kassel

Erstens, weil sie wenig zeitlich einordnet und erklärt. Zweitens wirkt  die Form so realistisch, dass man daran glaubt, dass die Wirklichkeit so gewesen ist. Das begann mit der Frage des Tanzens und ging weiter mit Szenen einer „Nebenhandlung“ über die Trotzkisten, die das „Stalin-Regime" stürzen wollten. (Mehr zu Trotzki und den Trotzkismus gibt es hier!) Was für einen Charakter die Trotzkisten haben und welchen Charakter die Sowjetunion zu dieser Zeit unter Stalin hatte, wird nicht aufgeklärt, geschweige denn aufgegriffen. Das bleibt völlig offen. Nach den bürgerlichen Dokumentationen, auf Sendern wie Phoenix und N24, werden einige der Zuschauer zur erstern Variante des Antikommunismus greifen.

 

Der nächste Punkt sind inhaltliche Lügen. Hier ein stellvertretendes Beispiel: Zwei KPD-Mitglieder unterhalten sich und der eine sagt den Satz: „Massenerschießungen sind ein legitimes Mittel der Revolution.“ Sagt der andere Genosse zu dem Satz erwidernd: „Sagt wer? Hitler?“ Darauf Antwortet der andere: „Nein, Lenin.“ Das wird auch so stehen gelassen. Als dieser Dialog läuft, stehen die beiden KPD-Mitglieder in einem Badesee und halten nach Frauen Ausschau. Also völlig zusammenhangslos wird Lenin dieser Satz in die Schuhe geschoben. Im Internet findet man auch das Zitat. Es wird Lenin zugeschrieben. Allerdings wird keine Quelle angegeben.

 

Eine Freundin meinte: “Das ist doch normal, man will ja auch nicht gelangweilt werden. Es ist doch logisch das die Serien nicht die Realität zeigen“. Es ist interessant zu meinen, dass wenn die wahre Begebenheit dargestellt würde, Langeweile beim schauen aufkäme. Und dass daraus resultierend die Zuschauer davon ausgehen, dass der Inhalt nicht der Wirklichkeit entspricht. Schon Brecht kritisierte diese Art von positivistischen Theater und Film. Er sagte, dass das Publikum in einen „einfältigen Bann gezogen wird“ und das Publikum „glotzen“ und nicht denken soll.