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Hamburger Hafenarbeiter nehmen den Kampf auf

Schon im November und jetzt wieder am Wochenende 5./6. Dezember musste beim Containerterminal Burchardkai, dem größten und wichtigsten Containerterminal der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), der Betrieb eingestellt werden.

Von jg
Hamburger Hafenarbeiter nehmen den Kampf auf
Container-Terminal Burchardkai (shutterstock_610280918)

Seit Wochen fordern 106 Handwerker einen neuen Tarifvertrag für eine tarifliche Gleichstellung mit anderen Hafenarbeitern. Dabei geht es weniger um den Lohn, als vielmehr um weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen: so die Aufhebung der verpflichtenden Wochenendarbeit, Zusagen vermögenswirksamer Leistungen oder etwa heißen Tee ab Temperaturen unter 5°. Frech weigert sich der Konzern HHLA, auf diese völlig berechtigten Forderungen der Kollegen einzugehen.

Aber alle Hafenarbeiter sind alarmiert!

Die beiden größten Terminalbetreiber in Hamburg, die HHLA (Mehrheitsbesitz der Stadt Hamburg) und Eurogate (mit Beteiligung des Landes Bremen) planen massive Ausbeutungsprogramme und wollen die Produktivität an den Kais weiter steigern. Der Eurogate-Konzern schließt sogar betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Als Erstes stehen mindestens 500 Arbeitsplätze im Visier der Konzerne. Der Vorstand der HHLA will am Burchardkai vom Jahr 2025 an im Vergleich zu 2019 um jährlich 50 Millionen € kürzen! Dabei soll die Automatisierung an den Kaianlagen weiter vorangetrieben werden. Bei Eurogate will der Terminalbetreiber bis 2024 insgesamt 84 Millionen € »strukturell einsparen«, auf Hamburg entfallen dabei 38 Millionen €. Die Eurogate-Kapitalisten wollen zudem die Pausen und Ablösezeiten am Hamburger Terminal reduzieren. Und die Arbeitszeit der Hafenarbeiter soll weiter flexibilisiert werden, indem sie vollständig an die Schifffahrtspläne angeglichen werden. Das bedeutet: verstärkte Wochenendarbeit!

Kapitalistische Überproduktionskrise

Insbesondere seit 2010 und nach der Weltwirtschafts- und finanzkrise von 2008 bis 2014 wurden weltweit gigantische Überkapazitäten mit dem Bau neuer Häfen, Automatisierung, verschärfter Arbeitshetze geschaffen. Die kapitalistischen Tagträume gingen von einer ununterbrochenen Steigerung der Containerzahlen aus, Steigerungen beim Stückgut und beim Massenumschlag. Die 2018 einsetzende neue Weltwirtschaftskrise setzte dieser Fata Morgana ein jähes Ende. Jetzt sollen weltweit die Hafenarbeiter die Lasten der kapitalistischen Krise tragen. In übelster Art und Weise werden sie gegeneinander ausgespielt. So wird den Hamburger Hafenarbeiter vorgerechnet, dass die Kollegen in Antwerpen nur eine Pause pro Schicht haben, anstatt der drei in Hamburg.

Hafenarbeiter läuten kämpferische Weihnachtstage ein

Gegen all diese Pläne der Abwälzung der Krisenlasten durch die Hamburger Hafenkonzerne entwickelt sich heftiger Widerstand. So wollen rund 1000 Hafenarbeiter am Sonnabend, dem 19. Dezember 2020, - aufgerufen von ver.di - demonstrieren. Völlig in Aufruhr ob dieses Widerstandes lässt der HHLA-Vorstand frech und erpresserisch verkünden: „Sollte jeder für sich verantwortungsvoll abwägen, ob unter den aktuellen Bedingungen der Ausbreitung von Corona eine Teilnahme an der geplanten Protestaktion zu rechtfertigen ist." Das ist mehr als dreist! Kein Hafenkapitalist kümmert sich während der gesamten Corona-Krise um die tatsächliche Einhaltung aller Gesundheitsmaßnahmen auf den Kaianlagen. Die Fahrt in den Hafen im überfüllten Nahverkehr und auf den Fähren - kein Thema für die Hafenkapitalisten. Aber wenn die Hafenarbeiter demonstrieren wollen, dann stellen sie sofort eine Coronagefahr dar. Hafenarbeiter demonstrieren nicht oft. Ihre Streiktaktik ist wohlüberlegt - aber oftmals umso schlagkräftiger. Sie werden auch am übernächsten Sonnabend den Hafenkapitalisten die richtige Antwort geben.

Die MLPD: Uneingeschränkt solidarisch mit den Hafenarbeitern und ihren Familien!

Die MLPD unterstützt seit Jahrzehnten immer wieder Kämpfe der Hafenarbeiter, der Beschäftigten in Logistikbereichen, bei der Bahn. Mitglieder der MLPD verfügen über viel Erfahrung in der kämpferischen Gewerkschaftsarbeit, bei Protestaktionen bis hin zu Streiks. Und die MLPD tritt für konsequente Arbeiterinteressen ein, wie für den Kampf um die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, aber auch für solch notwendige politische Losungen wie ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht und für die Interessen der Jugend. Hier darf es keinen Spielraum für sozialchauvinistische Positionen geben, die die Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander hetzt!

 

Und sie hat in der Vergangenheit immer wieder aufgezeigt, dass der Kampf um die Arbeitsplätze, entsprechende Arbeitsbedingungen und für den Erhalt der Lebensgrundlagen unabdingbar zusammengehören. Das Umweltverbrechen der gerade begonnenen weiteren Elbvertiefung sichert keinen einzigen Arbeitsplatz im Hafen! Das ist allein Rosstäuscherei der Hamburger Hafenkapitalisten. Arbeit und Ausbildungsplätze können im Hafen allein im entschiedenen Kampf der Arbeiter und Angestellten, der Auszubildenden und im Schulterschluss mit anderen Belegschaften verteidigt werden. Die MLPD steht in all diesen Auseinandersetzungen und Kämpfen dafür, dass eine lebenswerte Zukunft ohne Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Armut, Zerstörung der Umwelt usw. nur in einer sozialistischen Gesellschaft bestehen kann.

 

Stärkt diese Arbeitersolidarität – international!

 

Siehe auch: Rote-Fahne-News-Artikel vom 23. November 2020 - "Übles Spiel mit 1300 Kollegen beim Gesamthafenbetriebsverein Bremen/Bremerhaven"