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Covid-19 und Erfahrungen mit einem Gesundheitsamt in Thüringen (Teil 2)

Wir bringen hier den zweiten Teil¹ des Berichts über die Erfahrungen eines mittlerweile wieder genesenen Corona-Betroffenen aus Thüringen mit dem örtlichen Gesundheitsamt:

Von einem Korrespondenten
Covid-19 und Erfahrungen mit einem Gesundheitsamt in Thüringen (Teil 2)
(grafik: HFCM Communicatie (CC BY-SA 4.0))

Drohungen statt Überzeugungsarbeit und medizinischer Beratung

Empört waren wir, als wir den Brief vom Gesundheitsamt bekommen und gelesen hatten. Der bestand zum allergrößten Teil nur aus Paragraphen des Infektionsschutzgesetzes und aus Strafandrohungen bei Verstößen gegen die Quarantäne-Bestimmungen. Das hatten wir allerdings gar nicht vor. Im Gegenteil! Keinerlei positive Überzeugungsarbeit wurde in diesem Brief über die Notwendigkeit und den Sinn der Quarantäne-Maßnahme geleistet. Ein Hinweis auf eine zweckmäßige medizinische Beratung und Betreuung unterhalb der Schwelle eines Krankenhausaufenthaltes, wurde auch nicht gegeben. Man soll Tagebuch führen, aber kein Gesundheitsamt oder Hausarzt will dies lesen.

 

Beraten ließ ich mich dann durch einen befreundeten Arzt von der MLPD, der mit mir telefonisch Kontakt aufnahm. Dieser verschrieb mir dann auch verschiedene Medikamente, welche die Immunabwehrkräfte stärken, um einem noch schwereren Verlauf entgegen zu wirken. Glücklicherweise bekam keiner meiner Kontakte der letzten Zeit Symptome einer Covid-19-Erkrankung. Nicht einmal meine Frau, deren Testergebnis negativ war. Wir hatten aber auch sofort Konsequenzen in der Organisierung unseres Lebens gezogen, soweit dies in einer gemeinsamen Wohnung möglich ist. Inzwischen geht es mir wieder besser.

Anspruch und Wirklichkeit des kapitalistischen Gesundheitssystems und des bürgerlichen Krisenmanagements

Da die Symptome bei mir während der acht Tage jedoch ziemlich heftig waren, werde ich mich auf Anraten meines befreundeten Arztes in der nächsten Zeit bewusst schonen und eine Röntgenuntersuchung der Lunge machen lassen. Voraussetzung dafür ist, dass man nach einem weiteren Test, einen schriftlichen negativen Befund vorweisen kann. Von der Notwendigkeit eines solchen zweiten Testes musste ich das Gesundheitsamt auch erst einmal überzeugen. Eine Mitarbeiterin meinte zunächst einfach, dass ein zweiter Test nach Ende der Quarantäne-Zeit nicht vorgesehen ist. Zu meiner Überraschung war der zweite Test unmittelbar nach dem Ende der Quarantänezeit dann wieder positiv, ohne das ich Kontakte hatte. Die Virenlast war noch nicht wieder vollständig abgebaut. Also nochmal zehn Tage freiwillige Quarantäne. Das Gesundheitsamt, dass vom Labor ja über das erneut positive Ergebnis informiert wird, meldete sich überhaupt nicht mehr. Ich habe den Eindruck, dass das Amt und die zum Teil kurzfristig angelernten Mitarbeiter völlig überfordert sind. Sicher ist dies kein Einzelfall, sondern momentan eher die Regel.

 

Während die bürgerlichen Politiker von morgens bis abends ihre Statements im Fernsehen abgeben, um sich zu profilieren und den Eindruck zu erwecken, dass alles für den Gesundheitschutz der Menschen getan wird, spricht die alltägliche Erfahrung mit ihrem gescheiterten bürgerlichen Krisenmanagement und dem kapitalistischen Gesundheitssystem eine andere Sprache.