Bürgerliche Konjunkturprognose

Bürgerliche Konjunkturprognose

Die akute Corona-Infektion des ifo-Instituts

Das ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für 2021 veröffentlicht und rechnet mit weniger Wachstum.

Von gwb
Die akute Corona-Infektion des ifo-Instituts

Und wer ist schuld an weniger Wachstum? Ausnahmsweise mal nicht die Arbeiter mit ihren überzogenen Lohnforderungen, sondern – Überraschung! - Corona & Co.: „Wegen des neuerlichen Shutdowns bei uns und in anderen Ländern verschiebt sich die Erholung nach hinten. Erst Ende 2021 wird die Produktion von Waren und Dienstleistungen ihr Vorkrisenniveau erreichen.“ (ifo-Pressemitteilung vom 16.12.20)

 

Die umständliche Formulierung muss man genau lesen: Der „neuerliche“ Shutdown „verschiebt“ die „Erholung“ auf das „Vorkrisenniveau“ der „Produktion von Waren und Dienstleistungen“. Im Klartext: 1. Es gibt eine Wirtschaftskrise. 2. Diese hat ihre Ursache in den zwei Corona-Lockdowns. 3. In einem Jahr ist alles wieder im Lot. Was für eine hochwissenschaftliche Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung!


Fakt ist: Die Weltwirtschafts- und Finanzkrise war bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie eingetreten und wird durch diese verstärkt! Außerdem kann im Moment kein seriöser Wissenschaftler eine Prognose für 2021 treffen. Dazu muss erst ersichtlich sein, wie sich die Lage mit Corona entwickelt.

 

In der ausführlichen Pressemitteilung fällt auf, dass zwar von „Vorkrisenniveau“ gesprochen wird, aber der darin logisch steckende Begriff „Wirtschaftskrise“ nirgends auftaucht. Das ist keineswegs Zufall oder grammatikalische Nachlässigkeit. Denn auch alle anderen ökonomischen Krisen-Begriffe werden vermieden. Was aber soll man von einer Konjunkturprognose halten, die sich nicht zumindest in groben Zügen beschäftigt mit den wichtigsten Kennziffern der internationalen Weltwirtschafts- und Finanzkrise? Und der darin enthaltenen, teils latenten, teils offenen Bankenkrise, Börsenkrise, Staatsschuldenkrise oder der drei tiefgreifenden Strukturkrisen (auf Basis der Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion, der Digitalisierung, des E-Auto-Umbruchs)? Auch die Verschärfung der globale Umweltkrise (und die Corona-Pandemie ist wesentlich eine ihrer Folgen!) wirkt immer stärker auf das Wirtschaftsgeschehen ein. Diese ganze Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wird von den ifo-Ökonomen in ihrer Wirtschaftsprognose ausgeblendet.

 

Stattdessen werden nur einzelne Zahlen geliefert: deutsche Exporte in diesem Jahr um x Prozent im Minus, im kommenden Jahr voraussichtlich um y Prozent im Plus, ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf x Millionen in diesem Jahr und wahrscheinlich gleichbleibend bei y Millionen im nächsten Jahr, usw. usf.

 

Das ist ihre positivistisch-spekulative Methode, die uns den "V-förmigen Aufschwung" und den "Wurzelaufschwung" bescherten - beide sind mittlerweile Geschichte... .

 

Mit dieser Methode der Zahlenstecherei und der Ausblendung aller wesentlichen Zusammenhänge erstellt das ifo-Institut seine Wirtschaftsprognosen (Überschrift der Pressemitteilung: „4,2 Prozent Wachstum für 2021“). Das ist nichts anderes als moderne Wahrsagerei. Aber sie erfüllt natürlich ihren Zweck im Rahmen des staatstragenden Antikommunismus: Hoffnungen in den Kapitalismus wecken! Die Tatsache einer „beschleunigten Tendenz zur gesamtgesellschaftlichen Krise des imperialistischen Weltsystems“¹ vertuschen! Die Erkenntnis des unumgänglich revolutionären sozialistischen Wegs zur Abschaffung aller kapitalistischen Krisen verhindern.