Corona

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Die Ansteckungsrisiken nicht unterschätzen

Die Rote Fahne Redaktion befragte Günter Wagner zur Ansteckungsgefahr bei Corona.

Von Günter Wagner, Facharzt für Allgemeinmedizin
Die Ansteckungsrisiken nicht unterschätzen
Günter Wagner (rf-foto)

Wenn man infiziert ist, gibt es da Unterschiede wie ansteckend man ist?

 

Grundsätzlich ist es so, dass man als Infizierter einen anderen anstecken kann. Deshalb muss man unbedingt die Quarantäne einhalten. Aber es gibt tatsächlich Unterschiede.

 

Wie kann man diese Unterschiede feststellen?

 

Bei einem PCR¹-Abstrich gibt das Labor zwei Werte an. Der eine Wert ist ein qualitativer Wert: Negativ oder positiv. Bei einem positiven Ergebnis gibt das Labor den CT-Wert an - manche Labore bezeichnen diesen auch als CP-Wert. Dieser wird als Maß für die tatsächlich vorhandene Menge an Virus mRNA (Erbgut des Virus) herangezogen. Das Erbgut wird so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal gefunden werden kann. Je mehr dieser Schritte zur Vervielfältigung für ein positives Testergebnis nötig sind, desto geringer war die Menge an Virusmaterial in der Ausgangsprobe – und natürlich auch umgekehrt, je weniger Schritte nötig sind, desto höher war die Virusmenge in der Probe.


Welche Auswirkung hat das z. B. für einen Infizierten und diejenigen, die mit ihm zusammen leben (Ehepartner, Kinder, Lebensgefährten)?

 

Bei einem niedrigen CT-Wert ist die Gefahr sehr groß, dass weitere Menschen aus der Lebensgemeinschaft angesteckt werden. Es gibt dazu keine Hinweise in Fachzeitschriften und schon gar keine allgemeinen Anweisungen. Meine Erfahrung ist die, dass bei einem Wert unter 20 die Gefahr sehr groß ist. In einem solchen Fall empfehle ich eine Einzel-Quarantäne für den Betroffenen. Das heißt, dass der Infizierte alleine in der Wohnung bleibt und die anderen ausziehen. Das ist sicherlich nicht so ganz einfach. Aber es ist besser, als sich gegenseitig anzustecken. Dabei sollte man sich auf Freunde stützen, um die bestmöglichen Bedingungen zu erzielen. Auch bei einem höheren Wert ist es besser, als Infizierter alleine zu bleiben. Es gibt auch bei einem höheren Wert überhaupt keine Garantie, keinen aus der Lebensgemeinschaft anzustecken. Bei Werten über 30 war die ursprüngliche Viruskonzentration niedrig und bei einem Wert über 35 sehr niedrig. Lasst euch deshalb beide Werte geben.


Welche Erfahrungen hast du selbst bei CT-Werten unter 20 gemacht?

 

Ja, da war ich auch erstaunt. Ein Mann wurde mit einem CT-Wert um 15 getestet. Seine Partnerin wohnte von vorne herein bei Freunden und ging dreimal nur kurz, mit Abstand und Maske in die Wohnung. Trotzdem hat sie sich angesteckt. Das war natürlich ein herber Schlag.


Welche Anweisungen oder Empfehlungen geben die Gesundheitsämter?

 

Die Anweisung der Gesundheitsämter bezieht sich nur auf die Quarantäne. Weitere Empfehlungen sind mir nicht bekannt. Die Betroffenen werden alleine gelassen – so weit sich das Gesundheitsamt überhaupt meldet. Ab einem Wert höher als 32 geht das Gesundheitsamt davon aus, dass der Betroffene nicht mehr infektiös ist. Einen Nachweis dafür gibt es nicht. Meine Empfehlung ist: Warten bis zu einem negativen Ergebnis und auf dieser Testung bestehen. Ich habe inzwischen viele Infizierte, die nach der 14-tägigen Quarantäne immer noch C-Werte unter 30 haben, also immer noch ansteckend sind.


Zum Schluss möchte ich noch einen Hinweis zu den Masken geben. Es fällt mir auf, dass die Masken öfter nicht richtig vollständig anliegen und vor allem die Nasenklemme nicht gut angedrückt ist. Dann verteilen sich die Aerosole viel mehr. Vor allem ist dann die Schutzwirkung der FFP2-Masken gefährdet. Bitte nehmt das ernst. Bleibt gesund. Euer Günter Wagner.