Corona-Impfstoffverordnung

Corona-Impfstoffverordnung

Chaotisches Impfmanagement

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat die Zulassungen der Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer für den 23. Dezember 2020 und den von Moderna für den 6. Januar 2021 in Aussicht gestellt. Angesichts der anhaltend hohen Zahl an Infizierten mit vor kurzem 31.300 und 702 Todesfällen, einem alarmierenden Trend des weiteren Anstiegs, kann das ein wichtiger Baustein sein, Covid-19 einzudämmen.

Von dr / ffz
Chaotisches Impfmanagement
(foto: gemeinfrei)

Es gibt zu wenig Impfstoff und es wird Monate dauern, bis alle gegen Corona geimpft worden sind. Das ist nicht zu akzeptieren. Und es ist nicht "gottgegeben", sondern der Kapitalismus ist die Ursache dieses Zustands. Es sind das Armutszeugnis und die Bankrotterklärung dieses kapitalistischen Systems, dass ein führendes Industrieland mit einer relativ kleinen Bevölkerung nicht in der Lage sein soll, alle zu impfen, so dass jetzt noch Impfstoff nachgeordert werden muss. Das wiederum geschieht auf Kosten anderer - vor allem ärmerer - Länder, die nicht so viel zahlen können.

Bundesregierung gegen Einschränkung des Patentrechts

Warum wird nicht sofort die komplette Produktionskapazität für die Impfstoffproduktion zur Verfügung gestellt? Der Grund dafür sind die Patente auf die Impfstoffe und die kapitalistische Konkurrenz, die diese zur Ware degradieren. Die MLPD fordert deshalb, dass das Know-how zu den Bauplänen, zur Herstellung der Impfstoffe und Patente, sofort in einen internationalen Pool gehören, damit schnellstmöglich in allen verfügbaren Produktionsanlagen ein kostenloser Impfstoff für alle Menschen hergestellt wird. Bei der WHO hat die Bundesregierung gegen die zeitweise Einschränkung des Patentrechts gestimmt, so viel zur oft beschworenen Solidarität der Bundesregierung. Ganz anders die breite Masse. Allein bei den 53 Impfzentren in NRW haben sich 14.000 Freiwillige gemeldet, um beim Impfen zu helfen.

Corona-Impfstoffverordnung legt Reihenfolge fest

Vor kurzem veröffentlichte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer Verordnung, in welcher Reihenfolge welche Risikogruppen geimpft werden. Er folgte damit im Wesentlichen der Ständigen Impfkommission (STIKO), die zusammen mit dem Deutschen Ethikrat und der Nationalen Akademie der Wissenschaft "Leopoldina" einen Handlungsrahmen für die Impfmaßnahmen gegen Covid-19 vorgeschlagen hatte.

Impfstrategie der Bundesregierung umschifft heiße Eisen!

Passend zur Regierungspolitik im Auftrag der Profitwirtschaft werden arbeitende Menschen und Fabriken als Hotspot-Zentren ausgeblendet. Vor allem die, die eng am Band in Auto- und Fleischfabriken, in Lagern- und Versandzentren zusammenarbeiten und dadurch viele Kontakte haben, werden nicht als Risikopersonen erwähnt. Ihre massenhafte Testung und sofortige Impfung muss Priorität haben und würde nicht nur sie schützen, sondern könnte die Übertragung in der Bevölkerung möglichst schnell minimieren. Das Personal in Krankenhäusern und in Altenheimen ist massiv betroffen, genauso wie über 8o-Jährige und Klinik- und Pflegepersonal. Häufig sind sie selbst erkrankt oder in Quarantäne und müssten auf jeden Fall zeitnah folgen, aber auch Bewohner von Asylbewerberunterkünften. Auffällig ist, dass Hausärzte bei Spahn hinten angesiedelt sind. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, Berthold Dietsche, nannte das skandalös. Die Allgemeinmediziner stünden seit neun Monaten lange ohne Schutzausrüstung „an der vordersten Front der Corona-Bekämpfung“ und „ohne das System der Hausärzteschaft hätte das System überhaupt nicht funktioniert.“ Angesichts der notwendigen Massenimpfung in Arztpraxen zusätzlich ein dickes Minus für Spahn. Bei alten Menschen - v. a. in Pflegeheimen - könnte mit Massentests die Inzidenz gesenkt werden. Lehrer, Erzieher - alle Menschen, die sich im Job viel unter anderen Menschen bewegen, sollten bei der Impfung entsprechend bedacht werden.

"Triage" - Mittel aus der Kriegsführung

Zur Zeit werden 4891 Covid-19-Fälle im Intensivbereich behandelt, 2600 beatmet (DIVI-Intensivregister). Durch Verschiebung von Operationen wurden Kapazitäten und Personal umgeschichtet. Bei einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen wird sich die Lage weiter zuspitzen. Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation in Sachsen, wo schon 37,5 Prozent der Intensivbetten für Corona-Kranke genutzt werden (zum Vergleich: In Schleswig-Holstein sind es 3,5 Prozent). Jetzt schlug Dr. Mathias Mengel, Ärztlicher Direktor des Klinikums in Zittau, Alarm. Dort müssen die Ärzte schon mangels Sauerstoffgeräten entscheiden: Wer bekommt Sauerstoff, wer nicht. Dies ist eine Warnung, dass es bei weiterer Zuspitzung zur „Triage“ kommen kann. Dieser Begriff stammt aus der Militärmedizin - vom französischen Verb „trier“, was sortieren oder aussuchen bedeutet.

 

Verwundete in imperialistischen Kriegen unter Napoleon und im Krimkrieg wurden erstmals von Militärchirurgen in Lazaretten nach ihrer Prognose in einer Reihenfolge behandelt oder sterben gelassen. Von sieben medizinischen Fachgesellschaften gibt es in Deutschland Regeln für diese perverse Situation. Solche menschenverachtenden Debatten gab es schon in den 1980er-Jahren im Zusammenhang mit Militärstrategien zur Führung eines „begrenzten Atomkriegs“. Die damalige Friedensbewegung lehnte "Triagen" ab und forderte das Verbot atomarer Kriege und Waffen.

Für wirksamen Gesundheitsschutz mit Perspektive

Die drohende Entwicklung, aber auch die real möglichen Maßnahmen für einen wirksamen Gesundheitsschutz, erfordern einen entschlossenen Kampf gegen das Krisenchaos von Monopolen und Regierung! Dazu gehört die schnelle Erkämpfung eines wirksamen, verträglichen und kostenlosen Impfstoffs für alle - weltweit.

 

 

Mit ihrem Sofortprogramm hat die MLPD der Bevölkerung ein Kampfprogramm zum gemeinsamen Kampf für wirksamen Gesundheitsschutz gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Bevölkerung vorgeschlagen. Wer das aktiv voranbringen will, ist als Mitglied in der MLPD herzlich willkommen - insbesondere wenn er nach einer grundsätzlichen Lösung im echten Sozialismus/Kommunismus sucht.