Religion / Kultur

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Was Goethe und Diözesen gemeinsam haben

"Ich war als Sozialarbeiter bei der Diözese angestellt, um Priesterkinder und deren Mütter zu betreuen. Das gibt es bei jeder Diözese in Deutschland. Diese Stellen sind fest in den Diözesan-Haushalten verankert.“ Das sagte mir vor einiger Zeit bei einer Fortbildung ein Sozialarbeiter. Das offenbart eine andere Seite der Heuchelei und reaktionären Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche - über die unerhörten Skandale der massenhaften sexuellen Gewalt hinaus.

Von cg

Von wegen, „kein Strukturproblem“. Wenn die Diözesen schon in ihren Haushalten dafür Sozialarbeiter einplanen, dann ist die stillschweigende Duldung des Verstoßes gegen das Zölibat offensichtlich schon institutionalisiert. Welche Heuchelei. Auch wenn es zweifellos immerhin begrüßenswert ist, dass sich die Kirche wenigstens um die Folgen kümmert. Selbst die vatikanische Kleruskongregation veröffentlichte im März 2019 ein Dokument zum Umgang mit Kindern von Priestern. Unter der katholischen Bigotterie leiden Priester als Väter, „Priesterfrauen“, vor allem aber deren Kinder. Von Karin Jäckel gibt es dazu ein Buch: „Sag keinem, wer dein Vater ist“.

 

Und was hat das Ganze mit Johann Wolfgang von Goethe zu tun? Nun, Goethe war Minister am “Weimarer Musenhof“ unter seinem Herrn und Freund, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Dieser soll Vater von mindestens 38 unehelich geborenen Kindern gewesen sein. Und eine von Goethes Ministertätigkeiten war, diese Fürstenkinder und ihre Mütter zu betreuen. Zu seinen Tätigkeiten gehörte aber auch folgendes: 1783 gab sein schriftliches Gutachten den Ausschlag dafür, dass die Dienstmagd Johanna Catharina Höhn geköpft wurde. Sie hatte ihr nach einer Vergewaltigung durch ihren Dienstherrn ausgetragenes uneheliches Kind aus Verzweiflung getötet. Im Jahr dieser Hinrichtung schrieb Goethe: „Ich habe mein politisches und gesellschaftliches Leben ganz von meinem moralischen und poetischen getrennt.“ Lag er damit nicht ganz auf der bigotten Linie der katholischen Kirche – die heute noch wirksam ist?