Hamburg

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Balkonkonzert auf St. Pauli

Am Silvesterabend gab es die schöne Überraschung: Was mit dem „Balkon-Brief“ für den Hein-Köllisch-Platz am Morgen angekündigt war, in der Apotheke, Tonis Kiosk und Hauseingängen hing – das begann dann in die Stille mit der ersten Strophe von Bella Ciao a capella auf italienisch.

Korrespondenz

In dem „Balkon-Brief“ heißt es u.a.:

 

„Unser Balkonkonzert zum Jahresabschluss ist

  • für alle die, die an Corona erkrankt sind, in ihren Familien Erkrankungen erleben und die Angehörigen von über 30.000 Menschen, die allein in Deutschland an und mit Corona gestorben sind;
  • für all die Menschen, die im Gesundheitswesen, der Pflege, der Betreuung ... Großes leisten. Und dafür immer noch - trotz aller heuchlerischen Worte unserer Regierenden - weiter mit Niedrigstlöhnen, belastenden Arbeitszeiten abgespeist werden;
  • für die Malocher in den Betrieben, die für den Profit unter nicht zu verantwortenden Bedingungen (fehlender Abstand, fehlende Massentests, fehlende Zusatzpausen …) erhöhtem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind; nach wie vor sind die Fähren im Werksverkehr Airbus überfüllt - von Abstand kann keine Rede sein;
  • für alle Eltern, Lehrer, Erzieher, Schülerinnen und Schüler, die einer verharmlosenden, unverantwortlichen Politik des Hamburger Senats und insbesondere des Schulsenators Ties Rabe (SPD) ausgesetzt sind; es wurde das Märchen der „sicheren Schulen“ erzählt, anstatt die Klassen zu halbieren,  anstatt reduzierten Präsenzunterricht im Schichtsystem, Nutzung von geeigneten Luftfilteranlagen und den Einsatz von deutlich mehr Schulbussen zu gewährleisten.
  • für und mit allen Menschen, die für konsequenten Gesundheitsschutz auf Kosten der Profite und den Erhalt demokratischer Rechte und Freiheiten eintreten."

 

Das Balkonkonzert war eine Plattform für alle, die in aktiver Solidarität mit vielen tausend Menschen in Hamburg sind, deren Arbeitsplatz im Hafen, bei Airbus, der Lufthansa, Mercedes, im Einzelhandel … durch Coronapandemie und kapitalistische Weltwirtschaftskrise bedroht sind.

 

Über eine halbe Stunde gab es Live-Musik mit „Zukunftsmusik“ vom Balkon, unterstützt durch viele Menschen an den Fenstern, auf Balkonen – und auf dem Platz selbst. Bei den Liedern „Das Herz von St. Pauli“ oder "Che Guevara" gab es viel Zwischenapplaus.

 

Am Ende des Balkon-Konzerts gab es viele fröhliche, solidarische Grüße zum neuen Jahr, die von Fenster zu Fenster, über den Platz und von Balkon zu Balkon ausgetauscht wurden. Nachbarn bedankten sich für das Konzert, auch mit so mancher SMS zum Jahreswechsel, für ein Stück gelebter Solidarität.

 

Das war soooo schön! Vielen Dank euch allen! Rutscht mir gut rein, ihr Wunderbaren!“