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Neue Impfungen gegen SARS-CoV2 – ein praktischer Ratgeber

Seit dem 26. Dezember 2020 wird auch in Deutschland mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer geimpft. Dieser Impfstoff ist in der EU bisher als einziger zugelassen, mit einer ordentlichen befristeten Zulassung für ein Jahr.

Von Dr. med. Günther Bittel
Neue Impfungen gegen SARS-CoV2 – ein praktischer Ratgeber

Rote Fahne News berichtete vom Beginn der Impfungen am 27. Dezember 2020.

 

In den USA und Großbritannien wird er schon zwei Wochen länger geimpft, im Rahmen einer Notfallzulassung. Weltweit wurden mit diesem Impfstoff in den letzten Tagen über eine Million Impfungen durchgeführt, dabei gab es sechs schwere allergische Reaktionen. Andere schwere Impffolgen wurden bisher nicht berichtet, hier muss allerdings auch noch die obligatorische zweite Impfung nach drei Wochen abgewartet werden und eine längere Beobachtungszeit.

Wer darf nicht geimpft werden?

Wer in seiner Vorgeschichte einen allergischen Schock oder eine andere bedrohliche allergische Reaktion (Quincke-Ödem) hatte, darf vorerst nicht geimpft werden. Dies gilt auch für Menschen mit gewissen Krebserkrankungen, Blutungsneigungen und Immunschwächen. Der Grund: Sie wurden in den Impfstoffstudien nicht berücksichtigt, und es bleibt unklar, wie sie die Impfung vertragen. Aus dem gleichen Grund dürfen auch Schwangere und Kinder bisher nicht geimpft werden. Da Schwangere aber als Risikopersonen gelten, sollen ihre Partner bevorzugt geimpft werden. Andere Risikopatienten mit beispielsweise Herzerkrankungen oder HIV hingegen haben an den Studien teilgenommen. Sie können geimpft werden.

Wie gut ist die bisherige wissenschaftliche Datenlage?

Impfstudien für Schwangere und Kinder sind von Biontech/Pfizer und auch von Moderna und Astra-Zeneca eingeleitet. Mit der EU-Zulassung der beiden letzteren Impfstoffe wird in kurzer Zeit gerechnet. Insgesamt ist die Datenlage noch nicht befriedigend. Nach erheblichem Druck von Wissenschaftlern haben vier Impfstoffhersteller (Oxford University/AstraZeneca, Jansen, Moderna und Biontec/Pfizer) ihre Studienprotokolle öffentlich gemacht. Peter Doshi, Mitherausgeber des British Medical Journal, sagt in einem aktuellen Artikel im BMJ: „Keine der Impfstudien ist so angelegt, dass sie eine signifikante Verringerung der Krankenhauseinweisungen, der Aufnahmen in die Intensivstation oder der Todesfälle entdecken kann." [1] Als ausreichendes Kriterium für den Erfolg der Impfung gilt eine Reduktion des Auftretens von Symptomen wie Husten und Fieber, verbunden mit einem Labornachweis von Covid-19.

 

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Offensichtlich um schneller zu einem Abschluss zu kommen, sind alle Studien so angelegt, dass sie als abgeschlossen gelten, wenn in beiden Versuchsgruppen zusammengenommen etwa 150 Krankheitsfälle auftreten. Weiterhin ist ungeklärt, ob geimpfte Personen bei Infektion mit SARS-CoV2 das Virus auf andere Personen übertragen können oder nicht. Auch die Dauer des Impfschutzes ist verständlicherweise noch nicht geklärt. Ob die hohe Wirkung der mRNA-Impfstoffe von Biontec und Moderna von 95 Prozent auch bei einer Massenimpfung gehalten werden kann, muss sich ebenfalls noch zeigen.

Mit welchen Nebenwirkungen durch die Impfung ist zu rechnen?

Der Biontec-Impfstoff zeigt eine mäßige Verträglichkeit: Drei Viertel hatten Schmerzen an der Injektionsstelle, die Hälfte klagte über vorübergehende Müdigkeit und Kopfschmerzen, ein Drittel bekam Muskelschmerzen oder Schüttelfrost und jeder Fünfte Gelenkschmerzen. Berichtet wurden seltene Fälle von Lymphknotenschwellungen und allergische Reaktionen. Nach der Impfung sollte deswegen eine Ruhephase von mindestens 48 Stunden eingeplant werden; es dürfen zum Impfzeitpunkt keine anderen gravierenden Infekte bestehen. Unmittelbar nach der Impfung ist eine 30-minütige Nachbeobachtung am Ort der Impfung verpflichtend.

Bergen die neuen Impfstoffe besondere Risiken?

Einige der neuen Impfstoffe, unter anderem die von Biontec und Moderna, verwenden das in der Humanmedizin neue Prinzip der Impfung mit mRNA (Botenstoff-Ribonukleinsäure). Damit wird unser Organismus angeregt, selbst einige wenige Eiweißstoffe des Virus zu bilden, gegen diese erfolgt dann die Immunisierung. Die in sozialen Netzwerken zirkulierende Behauptung, diese Impfstoffe würden zu einer erhöhten Fehlgeburtenrate führen, ist leicht widerlegbar. Bei einer echten Infektion mit dem Virus werden diese Eiweißstoffe ja ebenfalls durch unseren Organismus gebildet und noch viele andere mehr, eben das komplette Virus! Obwohl weltweit Tausende von Schwangeren an Covid-19 erkrankt waren, wurde keine erhöhte Rate von Fehlgeburten festgestellt. Prinzipiell muss man sich klarmachen, dass die Impfung uns nur mit einem Bruchteil dessen konfrontiert, was wir bei der Infektion ohne vorherige Impfung dann zu 100 Prozent abbekommen.

Ist die Impfung zu empfehlen?

Hierzu ein klares Ja! Für den individuellen Schutz der Impfung ist das ausschlaggebende Argument, dass SARS-CoV-2 nicht nur schwere und tödliche Verläufe aufweist, sondern auch bei einer Akutphase mit „milden“ Symptomen noch schwere langwierige oder bleibende Krankheitsfolgen hervorrufen kann, in wahrscheinlich über 10 Prozent der Fälle. Aus Sicht der gesellschaftlichen Verantwortung ist eine hohe Impfquote weltweit erforderlich, um die Virusverbreitung zu stoppen und damit die Pandemie zum Erliegen zu bringen. Deswegen ist aus Sicht des proletarischen Internationalismus der freie und rasche Zugang für alle Menschen auf der Welt zur Impfung mit geprüft sicheren und wirksamen Impfstoffen zu fordern. Dies kann nur im Kampf gegen die Profitwirtschaft und den Imperialismus gelingen, der die Impfung als politisches Druckmittel, für Maximalprofite und den eigenen Vorteil im Konkurrenzkampf einsetzt! "Impfstoffe gehören der Menschheit – nicht den Pharmakonzernen“, so die Resolution der revolutionären Weltorganisation ICOR.

In welcher Reihenfolge wird geimpft – muss ich mich anmelden?

Es liegen Empfehlungen der STIKO (ständige Impfkommission der Ärzteschaft) und die neue Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums vor, die in Teilen davon abweicht, aber verbindlich ist. Eine ausführliche Information dazu findet sich auf der Webseite des Ministeriums. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Die Impfung ist kostenlos, es gibt keine Impfpflicht, zur Zeit sind die Arztpraxen von der Impfung noch ausgeschlossen.